Staffing – kein Kavaliersdelikt

Der Chef als Ziel von Hohn und Spot seiner Mitarbeiter? Das kommt  vor. Und zwar gar nicht so selten. Jedenfalls oft genug, um dafür einen eigenen Tatbestand zu schaffen: Staffing.  Der Begriff leitet sich vom englischen Wort "staff" ab und bedeutet Personal oder Belegschaft. In diesem Fall geht Mobbing also nicht von der Führungskraft aus (Terminus "Bossing"), sondern von den Untergebenen.

Eine deutschlandweite Studie zum Thema Mobbing ergab, dass von 2,1 Millionen Mobbing-Opfern 48.300 unter Staffing leiden. Darüber berichtete das Institut 'Pro Potential!' im ManagerSeminare Heft. Die Dunkelziffer liegt vermutlich weitaus höher, meint Norbert Copray, Coach und Geschäftsführender Direktor der Fairness-Stiftung, in dem Beitrag. Der Grund: Aus Scham würden sich viele Führungskräfte nicht als gestafft outen.

Wie drückt sich die Schikane am Arbeitsplatz aus?

Klar, jeder ärgert sich mal über den Boss. Aber ist das gleich Staffing? Nein natürlich nicht. Ins Spiel kommt es aber, wenn Mitarbeiter mit Schikanen einen Vorgesetzen systematisch von seiner Position verdrängen wollen. Meist geschieht das auf so subtile Art und Weise, dass der Staffer unerkannt bleibt. Drei typische Beispiele für perfides Boss-Mobbing:

  • Die Gerüchteküche. Der Chef soll immer viel früher nach Hause gehen als seine Mitarbeiter und eine leidenschaftliche Affäre mit seiner Sekretärin haben? Diese und weitere Gerüchte bringen das Oberhaupt bei Kollegen in Verruf und schaden seinem Ansehen.
  • Informationen vorenthalten. Führungskräfte entscheiden anhand von Informationen. Halten Mitarbeiter diese absichtlich zurück, kommt es womöglich zu falschen Einschätzungen und in der Folge zu Fehlern – zum Nachteil des Chefs.
  • Ignorieren von Arbeitsanweisungen. Der Leiter verteilt Aufgaben an Mitarbeiter, die diese aufschieben oder gar nicht erst erfüllen. Die Begründungen: Vergessen oder eigenmächtig andere Prioritäten gesetzt. Auch hier steht ein Manager schnell dumm da.

Wodurch wird Staffing ausgelöst?

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass die Belegschaft gegen den eigenen Vorgesetzten stichelt? Das kann sowohl am Chef, als auch an den Mitarbeitern liegen. Oftmals spielen Neid und Eifersucht eine Rolle: Kollege X wurde befördert und Kollege Y fühlt sich übergangen – manchmal Grund genug, dies am Entscheider auszulassen. Als Rechtfertigung für das Mobbing dienen Verhaltensweisen der Führungskraft, die den Staffern missfallen. Dazu gehört zum Beispiel ein autoritäres Auftreten oder ein nicht vertrauenswürdig wirkender Charakter. Auch wenn ein Chef  überraschend Änderungen im Arbeitsablauf anordnet, kann das eine Belegschaft verärgern, die sich an Routine gewöhnt hat. Weitere auslösende Faktoren für Staffing sind:

  • fehlende Führungskompetenzen
  • das junge Alter des Vorgesetzten
  • Übertragen der Führungsfehler auf die Mitarbeiter
  • schlechte Arbeitskonditionen
  • mangelnde Anerkennung der Mitarbeiterleistungen

Welche Auswirkungen hat Staffing auf Entscheider?

Betroffene reagieren auf Staffing oftmals mit Verunsicherung. Das Problem:

"Staffer sind […] überzeugt, das Richtige zu tun; sie halten das Verhalten oder die Handlungen ihres Vorgesetzten für unangemessen und wollen ihm die Grenzen aufzeigen.",

so Mobbing-Berater Axel Quandt. Und je länger diese Situation anhält, desto eher wird daraus eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Denn die Auffassung seiner Untergebenen überträgt sich auf den Chef – mit zunehmender Schikane sinkt seine Leistungsfähigkeit und die Fehlreaktionen nehmen zu. Ein Teufelskreis beginnt, der nicht selten mit Depressionen und Burn-out des Vorgesetzten endet.

Maßnahmen gegen Staffing

Doch Betroffene müssen sich nicht in ihr Schicksal ergeben. Tipp: Da die Angelegenheit delikat ist und die Grenzen von Staffing verschwommen sind, sollten sich Führungskräfte zunächst ein Gesamtbild vom Ist-Zustand machen. Was ist geschehen und warum? Außerdem hilft Selbstreflexion, wie Axel Quandt bemerkt:

"Was trage ich dazu bei, dass es so ist? Was muss ich auf meiner Seite verändern?"

Im nächsten Schritt sollten Einzelgespräche mit den mutmaßlichen Staffern geführt werden. Dabei gilt es, die ausgefallene Situation zu besprechen und mögliche Auswege zu finden. Der Chef sollte währenddessen nicht die Bezeichnungen "Staffing" oder "Mobbing" in den Mund nehmen. Besser läuft es, wenn er sich von der menschlichen Seite präsentiert und eingesteht, dass ihn die Situation belastet. Wichtig ist jedoch auch, dem Gegenüber klare Grenzen aufzuzeigen, ohne dabei drohend zu wirken.

Ein gelungener Neustart könnte beispielsweise ein Workshop sein, der neue Regeln zur Zusammenarbeit finden soll. Etwas anonymer, aber ebenso effizient in der Bekämpfung von Staffing und Mobbing im Allgemeinen: ein Kummerkasten. In anonymen Briefen können Mitarbeiter ihrer Unzufriedenheit Luft machen, Kritik äußern und ihre Vorstellungen von Führung deutlich machen. Allein das hilft oft schon, um die Atmosphäre zu verbessern.

Bringt alles nichts, so können Staffing-Opfer einen externen Berater engagieren. Die Objektivität eines Dritten sowie die Expertise der Fachkraft bewirkt manchmal Wunder. Die allerletzte Lösung sind eine Versetzung oder Kündigung. Sich als Chef selbst versetzen zu lassen oder sogar zu kündigen, sollte keine Alternative sein.

Weiterführende Links:

  • Mobbing am Arbeitsplatz ist an erster Stelle eine Belastung für Betroffene, aber auch für das ganze Unternehmen. Was Sie als Chef dagegen tun können.
  • Wann und wie sollten Sie bei Mobbing einschreiten? Das Video verrät es.