Gehälter sollen noch dieses Jahr steigen

Der Wirtschaft geht es gut. Ob EU-Kommission, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), OECD oder gar die Bundesregierung selbst: Die Sachverständigen rechnen dieses Jahr im Schnitt mit Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent, im kommenden Jahr 2016 gar mit bis zu 2,0 Prozent. Da verwundert es nicht, dass auch knapp jeder zweite Personaler (48 Prozent) mit steigenden Gehältern rechnet. Im Schnitt sei noch dieses Jahr ein Gehaltsplus von bis zu 5,4 Prozent drin, so eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter 1.675 Personalchefs.

Solche Meldungen wecken natürlich Begehrlichkeiten, vor allem bei den Mitarbeitern. Gehaltserhöhung klingt immer gut, wer will die nicht? Was aber wenn Sie für Gehaltsverhandlung derzeit wenig Spielraum haben?

Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen zur klassischen und teuren Gehaltserhöhung - sogenannte steuerfreie Extras.

Die lohnen sich für beide Seiten. Während von einer klassischen Gehaltserhöhung bei einem Gutverdiener meist nur rund die Hälfte im Portemonnaie ankommt, landen diese steuerfreien Extras in voller Höhe in der Haushaltskasse. Mehr noch: Sie sind häufig nicht nur steuer-, sondern auch sozialabgabenfrei. Sie sparen als Arbeitgeber also auch Abgaben wie den Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen.

Statt den Mitarbeitern mehr Gehalt zu zahlen, offerieren Sie lieber...

  • Tankgutscheine
  • Jobtickets für den Nahverkehr bis maximal 44 Euro pro Monat
  • Diensthandys
  • Geburtstagsgeschenke bis maximal 40 Euro
  • Gesundheitsleistungen (Massagen, Yoga-Kurse) bis maximal 500 Euro pro Jahr

"Mitgliedsbeiträge an Sportvereine oder Fitnessstudios dürfen damit aber nicht bezahlt werden", warnt Wibke Heyn vom Lohnsteuerhilfeverein in Neustadt. Und jeder Cent, der über die 500 Euro hinausgeht, "muss vom Arbeitgeber versteuert werden."

Seit Anfang des Jahres kann der Arbeitgeber auch ein Dienstleistungsunternehmen steuerfrei beauftragen, das den Mitarbeiter hinsichtlich der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen berät. "Ebenso sind Zuschüsse für die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen bis zu einem Betrag von 600 Euro im Jahr steuerfrei", sagt Constanze Grüning, Referentin für Steuerrecht beim Bund der Steuerzahler in Berlin. Dabei müsse es sich allerdings um einen Betreuungsaufwand handeln, "der kurzfristig und aus beruflichen Gründen entstanden ist, zum Beispiel eine plötzliche Erkrankung eines Kindes."

Erstaunlich: Bisher nutzen erst rund 40 Prozent der Unternehmen solche steuerfreien Extras, um die Gehälter ihrer Mitarbeiter auf Kosten des Fiskus' aufzubessern, so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin.

Steuerfreie Extras: brutto wie netto

Arbeitgeber können so gemeinsam mit dem Mitarbeiter ein individuelles Steuersparmodell schnüren, indem sie jene Extras kombinieren, die zum jeweiligen Lebensstil passen.

Das sind die Alternativen zur Gehaltserhöhung:

      • Besonders attraktiv ist derzeit etwa der Kinderbetreuungszuschuss: Eltern können sich so sämtliche Kosten, die für Kindergarten oder Kita anfallen, vom Arbeitgeber erstatten lassen – und zwar unbegrenzt. Doppelter Vorteil:
        1. Der Zuschuss entlastet die Haushaltskasse.
        2. Das Unternehmen beweist seine besondere Familienfreundlichkeit. Heute ein wichtiges Auswahlkriterium für junge Nachwuchstalente auf der Suche nach einem attraktiven Arbeitgeber.

 

      • Bei Jobtickets indes ist für die Steuerfreiheit entscheidend, dass sie der Arbeitgeber kauft und anschließend den Mitarbeitern überlässt. Die Rechnungsadresse für die Fahrkarte muss also zugleich die Firmenadresse sein. Steuerrechtlich ist allerdings entscheidend, dass der Arbeitgeber kein Jahresticket kauft, weil das den monatlichen Steuerfreibetrag von 44 Euro sofort übersteigen würden, sondern dem Mitarbeiter jeden Monat ein neues Jobticket ausstellt oder freischaltet. "Der Betrag von 44 Euro darf um keinen Cent überschritten werden, sonst sind Steuern und Abgaben für den Gesamtbetrag fällig", sagt Wibke Heyn vom Lohnsteuerhilfeverein.Die Alternative ist, dass der Arbeitgeber das Jobticket "pauschal mit 15 Prozent versteuert, in dem Fall fallen die Sozialversicherungsbeiträge weg", sagt Constanze Grüning vom Bund der Steuerzahler. Ebenso könnten Chefs dem Mitarbeiter für jeden Entfernungskilometer 30 Cent zusätzlich zum Lohn zahlen. Auch das ist legal und steuerfrei.

 

      • Was dem Mitarbeiter das Jobticket ist, sind für Führungskräfte die Bonusmeilen. Wer die Prämienpunkte auf Dienstreisen erfliegt, darf sie nicht privat nutzen - das wäre Spesenbetrug. Eigentlich Der Arbeitgeber darf die private Nutzung aber erlauben - steuerfrei mit einem Gegenwert von bis zu 1080 Euro pro Jahr. Der Manager muss diesen geldwerten Vorteil dann auch nicht versteuern.

 

      • Auch Fortbildungen lohnen sich für beide Seiten: Weiterbildungen lassen sich in unbegrenzter Höhe steuerfrei bezuschussen. Auch hier profitiert das Unternehmen doppelt: durch den Steuervorteil ebenso wie durch die gestiegene Qualifikation des Mitarbeiters, den nun etwa eine wichtige Fremdsprache und daher besser mit ausländischen Kunden verhandeln kann.

 

      • Ebenfalls beliebt ist der Personalrabatt, in der Fachsprache auch Deputatlohn genannt. Schätzungen zufolge, gehen Brauerei-Mitarbeiter jedes Jahr mit mehr als 14 Millionen Litern des sogenannten Haustrunks nach Hause - de facto: Gratis-Bierkästen. Solche Rabatte sind bis zu 1080 Euro im Jahr steuerfrei.Die Alternative sind übrigens Warengutscheine: Um beispielsweise die Hobbys der Mitarbeiter zu unterstützen, können Arbeitgeber auch Einkaufsgutscheine für Sport, Kino oder Theater verteilen. Allerdings nur im Wert von bis zu 44 Euro pro Monat und Mitarbeiter. So kommen im Jahr aber auch stolze 528 Euro zusammen.

 

      • Das sogenannte Kantinengeld (oder Essenszuschuss) ist ein ebenfalls gern genutztes steuerfreies Extra. Ob als Restaurantscheck, Essensmarke oder Mitarbeiterrabatt in der Kantine - bis zu 800 Euro im Jahr können Sie so dem Mitarbeiter zur Verpflegung dazu geben.

 

      • Modern und beliebt bei der Belegschaft - insbesondere in Zeiten von Arbeitszeitflexibilisierung und Home-Office - sind Kommunikationsgeräte, die auch privat genutzt werden dürfen: Smartphones, Tablets, Laptops. Auch hierfür fallen keine Steuern an, wenn es einen betrieblichen Zusammenhang gibt. "Das gilt auch für die Verbindungsentgelte, die vom Arbeitgeber getragen werden", sagt Steuerrechtsexpertin Constanze Grüning. Clever daran: Sie schreiben die Geräte innerhalb von drei Jahren ab, der Mitarbeiter kann sie permanent nutzen - und bleibt so auch permanent erreichbar. Steuervorteil: bis zu 3000 Euro im Jahr - je nach Gerät und Ausstattung.

Tatsächlich gibt es rund zwei Dutzend dieser steuerfreien Extras - angefangen von der kostenlosen Privatnutzung eines Smartphones bis hin zu Umzugskostenerstattungen. Einen guten Überblick liefert übrigens die Kanzlei Ecovis in der Broschüre "Steuerfreie Arbeitgeberleistungen 2014" (PDF).

Weitere Alternativen zur Gehaltserhöhung sind kompakt in diesem Video zusammengefasst:

Nur bitte einen (klassischen) Spruch sollten sich Chefs bei der Gehaltsverhandlung verkneifen: "Seien Sie froh, dass Sie nicht so viel verdienen. Dann zahlen Sie auch weniger Steuern." Derlei Klamauk motiviert sicher keinen zu besseren Leistungen...