Mitmischen oder Machtkampf

Die Lage ist eigentlich klar: Der Vorstand kümmert sich um das operative Geschäft, und der Aufsichtsrat sieht ihm dabei auf die Finger, ohne in die Belange des Managements direkt einzugreifen. Heikel wird es allerdings, wenn das unternehmensinterne Überwachungsgremium die Aufgaben des Aufsichtsrats zu weit auslegt und seine Kompetenzen überschreitet, indem es

  • in das Tagesgeschäft eingreift,
  • sich einmischt in Personalentscheidungen unterhalb der Vorstandsebene,
  • vertrauliche Interna verbreitet oder
  • dem Management öffentlich und/oder überraschend das Vertrauen entzieht.

In solchen Fällen kommt es oft unweigerlich zum Machtkampf zwischen Aufsichtsrat und Vorstand. So auch bei Volkswagen, nachdem Chefaufseher Ferdinand Piëch in einem Interview auf Distanz zu VW-Vorstand Martin Winterkorn gegangen war. Am Ende hatte der Vorstands-Chef die Mehrheit der Aufpasser hinter sich und Piëch das Nachsehen. Von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Beiden dürfte künftig kaum noch die Rede sein können. Zudem werfen solche Vorgänge kein gutes Licht auf die Unternehmenskultur  - und die Außenwahrnehmung leidet.

Ein Machtkampf zehrt

Fest steht: Auch ein Machtkampf zwischen Aufsichtsrat und Vorstand bindet immer Zeit und Arbeitskraft. Diskussionen, Krisensitzungen, Presseerklärungen, Unruhe im Unternehmen – all das kostet Produktivität. Deshalb tun Manager gut daran, sich über die Aufgaben des Aufsichtsrats, seine Rechte und Pflichten, zu informieren. Am Besten schon, bevor sie in den Verteidigungsmodus geraten. Grundlage ist das Aktiengesetz. Demnach gehört im Wesentlichen zu den Aufgaben des Aufsichtsrats ...

  • den Vorstand in seiner Geschäftstätigkeit zu kontrollieren,
  • Konzern- und Jahresabschlüsse zu prüfen,
  • bei Bedarf eine Hauptversammlung einzuberufen,
  • bestimmte Arten von Geschäften von seiner Zustimmung abhängig zu machen und
  • den Vorstand zu ernennen und zu entlassen.

Gerade der letzte Punkt ist im Machtkampf natürlich von entscheidender Bedeutung. Zumal ein Manager unter Beschuss gegen seine Entlassung nur bei groben Schnitzern des Aufsichtsrats eine rechtliche Handhabe hat. Immerhin: Für die  Abberufung eines Vorstands gelten Regeln.  So hat der Aufsichtsrat das Recht zu entlassen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Wann das der Fall ist, ist zwar nicht eindeutig formuliert, doch nennt das Aktiengesetz einige Beispiele:

  • grobe Pflichtverletzung,
  • Unfähigkeit zur ordnungsgemäßen Geschäftsführung und
  • Vertrauensentzug durch die Hauptversammlung.

In diesen Fällen ist der Aufsichtsrat zum Handeln gezwungen.

Ein kluger Manager gibt nicht so schnell auf

Gerät ein Vorstand unter Druck, sollte er zum Beispiel

  • auf die Einhaltung seines Arbeitsvertrages pochen,
  • sich an seiner Zielerreichung messen lassen sowie
  • Verbündete suchen.

Letztere findet er unter Umständen im Betriebsrat, unter Aktionären und sonstigen Teilhabern oder auch im Aufsichtsrat selbst. Mit dem Rückhalt aus diesen Stakeholder-Gruppen jedenfalls konnte sich Winterkorn gegen Piëch letztlich behaupten.

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