Chinas blühende Landschaften

Die deutsche Wirtschaft im Reich der Mitte wächst und gedeiht. Insbesondere der Mittelstand profitiert vom positiven Geschäftsklima und plant, seine Standorte im fernen Osten zu mehren:

  • 35 Prozent der deutschen Unternehmer wollen in den nächsten drei Jahren neue Niederlassungen in China eröffnen,

so das Ergebnis der Studie China Poll des German Centre Shanghai in Kooperation mit dem Chinaforum Bayern e.V., für die 182 in China aktive deutsche Unternehmen befragt wurden.

Sehnsuchtsort Provinz

Bei der Standortwahl zeigen sich die Deutschen zunehmend bodenständig. Nur noch wenige lassen sich vom Glanz und Glamour der chinesischen Megacitys blenden. Statt ihr Glück in Shanghai, Peking oder Guangzhou zu suchen, zieht es immer mehr Mittelständler in die chinesische Provinz:

  • 92 Prozent der deutschen Unternehmer in China halten eine Ansiedlung in kleineren Städten für attraktiv.
  • 68 Prozent liebäugeln mit einer Niederlassung in einer von Chinas Provinzhauptstädten.

Und die Deutschen haben viele gute Gründe, der Großstadt den Rücken zu kehren. Denn das Wirtschaften in der Provinz ist nicht nur günstiger, sondern auch strategisch sinnvoll. Vorbei die Zeiten, in denen Chinas Hinterland als billige Produktionsstätte für den westlichen Markt herhalten musste. Deutsche Unternehmen in China produzieren heute weniger fürs Ausland, sondern mehr für den lokalen chinesischen Markt. Um dort Erfolg zu haben, verstärkt der Mittelstand nun seine Präsenz. Ein Vorgehen, das auch Christian Sommer, Geschäftsführer des German Centre Shanghai, empfiehlt:

"Standorte in mehreren Regionen sind inzwischen fast ein Muss, denn der chinesische Markt erweist sich vor Ort als sehr vielschichtig."

Ein Umzug aufs Land kommt dementsprechend nicht nur für das produzierende Gewerbe, sondern auch für  Einkauf, Logistik, Rechtsanwälte, Steuerberater und Consulting-Häuser infrage. Besonders großes Potenzial sehen deutsche Unternehmen in Service- und After-Sales-Angeboten, schließlich müssen die deutsch-chinesischen Fabrikate in Zukunft repariert und mit Ersatzteilen ausgestattet werden.

Chinesische Fachkräfte für deutsche Unternehmen

Einziger Wermutstropfen: das Personal. Gerade in der chinesischen Provinz ist es nicht einfach, Fachkräfte zu rekrutieren:

„Die meisten deutschen Unternehmen müssen kämpfen, um geeignete Mitarbeiter zu finden“,

so Stefan Geiger, Geschäftsführer des Chinaforums Bayern e.V. Umso wichtiger, vorhandenes Personal zu qualifizieren und weiterzubilden. Doch gerade mittelständische Unternehmen können diese Aufgabe kaum alleine stemmen. Deshalb lautet das Gebot der Stunde: Gemeinsam erreicht man mehr:

  • 74 Prozent der Firmen wünschen sich Kooperationen bei der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.
  • 58 Prozent würden gerne auf das gegenseitige Abwerben von Mitarbeitern verzichten.

Kleinstadtidyll Taicang: Wo der deutsche Mittelstand zu Hause ist

Der Wunsch nach mehr Zusammenarbeit hat sich in Taicang bereits erfüllt: gemeinsame Ausbildungsprogramme und Auftritte vor Behörden sowie der Austausch von Know-how machen den Mittelständlern das Leben in Taicang so angenehm wie möglich. Rund 200 deutsche Unternehmen haben sich in der Stadt, die mit 500.000 Einwohnern für chinesische Verhältnisse als beschaulich gilt, angesiedelt – darunter Zollner Elektronik, Mubea, Schaeffler und Krones.

Aber warum gerade Taicang? Ein Grund für den Aufstieg der Kleinstadt ist die Partnerschaft zwischen der Provinz Yangze und Baden-Würtemberg, so die Wirtschaftswoche. Seit die Länderpartnerschaft 1986 ins Leben gerufen wurde, haben viele Mittelständler aus dem Ländle den Sprung in den fernen Osten gewagt und dort ein starkes Netzwerk aufgebaut, inklusive deutschen Restaurants und Bäckereien, deutsch-chinesischen Kindergärten und deutschem Ausbildungssystem. Selbst auf das jährliche Oktoberfest muss in Taicang niemand verzichten, das auch als "Baden-Würtemberg Chinas" bekannt ist.

Auf Bier und Brezen muss der deutsche Mittelstand in China nicht verzichten. Auf Bier und Brezen muss der deutsche Mittelstand in China nicht verzichten. (© 2013 In Tune/Shutterstock)

Maßgeblich beteiligt am Aufbau des deutschen Mittelstands in Taicang ist das German Centre Shanghai, eine Tochter der Bayern LB. Im November 2015 eröffnet das Mittelstandszentrum eine weitere Filiale: das German Center Taicang. Der Bürokomplex soll auf einer Fläche von 8.500 Quadratmetern entstehen und bei den deutschen Unternehmen keine Wünsche offen lassen. Geboten werden neben modernen Räumlichkeiten ...

  • Gute logistische Anbindung: Die Millionenmetropole Shanghai ist lediglich 50 Kilometer von Taicang entfernt
  • Interkultureller Service: Sekretariats-, Dolmetscher- und Übersetzungsdienste stehen zur Verfügung
  • Mittelstands-Netzwerk: Unterstützung durch bereits ansässige deutsche Unternehmen
  • Deutsche Gemütlichkeit: Schwarzbrot, Weißbrot, Schnecken, Plunder und vieles mehr laden im deutschen Café zum Schlemmen ein

Das deutsche Wirtschaftsdorf in der chinesischen Provinz soll sowohl Neuankömmlingen, denen der Markteinstieg noch bevorsteht,  als auch etablierten Unternehmen, die ihre Marktanteile vergrößern wollen, ein zu Hause bieten.

 

 

Nicht nur China lockt deutsche Unternehmen an – auch der brasilianische Markt ist für Mittelständler überaus lukrativ. Peter Schönhofen, geschäftsführender Gesellschafter der KARE Design GmbH, verrät im Interview, was bei einem Engagement in Brasilien alles zu beachten ist:

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