Der Kampf gegen Drogen: So wappnen Sie sich

Suchtprävention am Arbeitsplatz ist von entscheidender Bedeutung im Kampf gegen vereinzelten Drogenmissbrauch. Denn neben privaten Schwierigkeiten tragen berufliche Belastungen mitunter einen gehörigen Teil zu Abhängigkeiten von Alkohol, Nikotin, Medikamenten oder verbotenen Substanzen bei.

Doch bevor Sie die Suchtprävention am Arbeitsplatz angehen, bedarf es einer guten Vorbereitung. Das schließt auch einen Blick zurück mit ein. Deshalb sollten Sie sich zunächst folgende Fragen stellen:

  • Wie wurde das Thema Drogen bisher im Unternehmen behandelt?
  • Sind bereits Schritte gegen übermäßige Belastungen und Stressfaktoren ergriffen worden?
  • Gibt es schon spezielle, interne oder externe Ansprechpartner für dieses Problem?
  • Ist es möglich, vorbeugende Maßnahmen in die bestehende, betriebliche Gesundheitsförderung aufzunehmen?

Am besten schaufeln Sie sich für diese Bestandsaufnahme ein paar Stunden im Terminkalender frei. Die Zeit wird sich lohnen.

Arbeitsbedingungen: Läuft da was schief?

Im nächsten Schritt auf dem Weg zur Suchtprävention folgt die Bestandsaufnahme: Was könnte Ihre Mitarbeiter für Drogen anfällig machen? Klopfen Sie die Arbeitsbedingungen auf suchtfördernde Aspekte hin ab und verbessern Sie diese, wenn möglich. Typische Risikofaktoren im Job sind unter anderem:

  • Andauernde Über- oder Unterforderung von Mitarbeitern
  • Mangelndes Lob
  • Nacht- und Schichtarbeit
  • Hoher Leistungs- und Kokurrenzdruck
  • Intransparente Unternehmensführung mit wichtigen, aber nicht näher begründeten Entscheidungen
  • Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken im Unternehmen

Der Chef: Immer mit gutem Beispiel voran

Stellen Sie auch Ihr eigenes Verhalten auf den Prüfstein. Denn immerhin haben Sie als Vorgesetzter eine Vorbildfunktion  im Unternehmen. Seien Sie also tugendhaft sowie pflichtbewusst:

  • Meiden Sie Bier, Wein, Sekt oder Spirituosen während der Arbeitszeit. Das ist erwähnenswert, weil es in deutschen Unternehmen kein gesetzlich verankertes Alkoholverbot gibt.
  • Kontrollieren Sie grundsätzlich alle Sicherheits- und Unfallverhütungsvorschriften in Ihrer Firma.
  • Haben Sie ein offenes Ohr für betriebliche Probleme und Sorgen Ihrer Untergebenen.

So zeigen Sie Interesse an gesundheitlichen und sozialen Aspekten im Unternehmen und verbessern zusätzlich das Betriebsklima. Und nicht nur das. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung außerhalb Ihres Betriebs punkten Sie.

Betriebliche Prävention: So beugen Sie vor

Damit sind Sie schon mal auf dem richtigen Weg zur Suchtprävention am Arbeitsplatz. Um dort anzukommen, müssen Sie allerdings noch mehr tun.

  • Schicken Sie Ihre Belegschaft zu gesundheitsförderlichen Informationsveranstaltungen. Stichwort: betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM).
  • Auch die Führungsriege, inklusive Ihrer Person, sollte sich in speziellen Kursus mit gesundheitlichen Fragen beschäftigen und das richtige Verhalten gegenüber Suchtkranken lernen.
  • Verankern Sie haupt- oder nebenamtliche Ansprechpartner für Suchtprobleme im Unternehmen.
  • Informieren Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig über die Folgen von Drogen am Arbeitsplatz, zum Beispiel mit Vorträgen oder Aushängen.
  • Auch eine gute Idee: Holen Sie für gemeinsame Gesundheitstage externe Beratungsstellen oder befreundete Unternehmen mit ins Boot.

Betriebsvereinbarung: Eine mächtige Waffe

Eine weiteres, wichtiges Mittel im Kampf gegen Drogen am Arbeitsplatz ist eine Betriebsvereinbarung. Mächtig, weil Sie damit der Suchtprävention für das gesamte Unternehmen ein arbeits- und versicherungsrechtliches Gerüst geben. So legen Sie für alle Mitarbeiter ersichtlich Regelungen und Handlungsabläufe für eine drogenfreie Unternehmenskultur fest.

Klingt gut. Aber was ist dafür nötig? Zunächst folgende Bausteine:

  • Ein internerner Arbeitskreis Gesundheit, der die Betriebsvereinbarung vorbereitet und auch umsetzt. Ihm sollten im Idealfall Vertreter aus der Personalabteilung sowie dem Personal-/Betriebsrat angehören, ein Sozial-/Suchbeauftragter, der Betriebsarzt und der betriebliche Ansprechpartner für Suchtfragen.
  • Eine verbindliche Vorgehensweise bei auftretenden Suchtproblemen im Unternehmen. Hier ist insbesondere die Führungsriege gefordert. Sie sollte Handlungsanleitungen für Fürsorge- oder Klärungsgespräche mit auffälligen Mitarbeitern entwickeln.
  • Eine Reihe von Beratungs- und Hilfsangeboten. Dazu gehört neben dem Aufbau einer internen, haupt- oder nebenberuflichen Stelle gegebenenfalls auch die Kooperation mit Spezialisten außerhalb des Betriebs.
  • Wichtig sind zudem Schulungen, die über die Suchtprävention am Arbeitsplatz informieren. Das kann zum Beispiel im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung geschehen.

Keine Sorge, Sie müssen das nicht allein stemmen. Es gibt viele Beratungsstellen – auch regionale – sowie beispielsweise Krankenkassen, die Sie gern bei Ihrem lobenswerten Projekt unterstützen.

Und was steht nun in der Betriebsvereinbarung? Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich und hängt von den jeweiligen organisatorischen und personellen Strukturen ab. Daher hier nur einige grundsätzlichen Punkte:

  • Präambel. Darin begründen Sie die Betriebsvereinbarung mit dem hohen Stellenwert von Gesundheit und Wohlbefinden Ihrer Belegschaft. Auch übernehmen Sie darin ausdrücklich die Verantwortung für die Suchtprävention in Ihrem Unternehmen.
  • Ziele der Vereinbarung. Darunter fallen die Erhaltung der Gesundheit Ihrer Mitarbeiter, der verantwortungsvolle Umgang mit Drogen in Ihrem Betrieb, frühe Hilfe für Betroffene und die sachgerechte Reaktion der Führungskräfte auf Fälle von Suchtproblemen.
  • Arbeitskreis Gesundheit. Informieren Sie über die Zusammensetzung und Aufgaben des Gremiums.
  • Betriebliche Suchtberatung. Hier teilen Sie mit, dass dieses Angebot eingerichtet wird, wie es besetzt sein und was es leisten soll.
  • Aufklärung und Schulung. Unter diesem Punkt verpflichten Sie sich, alle Mitarbeiter regelmäßig über Risiken von Drogen zu informieren. Für die Managerebene kündigen Sie spezielle Qualifizierungen an.
  • Vorgehen bei  Fällen von Drogenmissbrauch. Beschreiben Sie –möglicherweise gesplittet in mehreren Unterpunkten – wie Sie bei konkreten Verstößen gegen die Betriebsvereinbarung vorgehen. Zum Beispiel, wann Fürsorge- und Klärungsgespräche eingeleitet werden oder wie Sie auf erwiesene Suchtvorfälle reagieren.

Auch hier müssen Sie das Rad nicht neu erfinden. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (dhs) und die Barmer GEK stellen in einer Broschüre für Führungskräfte eine Muster-Betriebsvereinbarung vor. Darin finden Sie auch weitergehende Informationen zur Suchtprävention am Arbeitsplatz.

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