Wie Supply-Chain-Management Ihre Kosten senkt

Eine reibungslos funktionierende Lieferkette will gut organisiert sein. Denn je mehr Unternehmen eng vernetzt an der Produktion Ihrer Ware oder Dienstleistung beteiligt sind, desto komplexer und komplizierter werden die Geschäftsabläufe. Wenn Sie das Geflecht aus Zulieferern, Groß- und Zwischenhändlern, Dienstleistern und Endverkaufsstellen nicht in den Griff bekommen, versinkt Ihre Produktion im Chaos – und Sie können Ihren noch jungen Laden womöglich gleich wieder dicht machen.

Darum ist auch für Gründer vom ersten Tag an Führung aller Akteure durch Supply-Chain-Management angesagt. Innerhalb Ihrer eigenen Firma und unternehmensübergreifend. Im Kern sind damit zwei Dinge gemeint: Sie planen und koordinieren ...

  • ... den Materialfluss, damit Rohstoffe, Teil- und Endprodukte garantiert zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, um weiterverarbeitet oder verkauft werden zu können.
  • ... den intensiven Informationsaustausch zwischen den Akteuren, zum Beispiel durch einen gemeinsamen technischen Übertragungsstandard produktionsrelevanter Daten wie Bestellungen, Liefertermine und so weiter.

Vorsicht, Bullwhip-Effekt!

Gerade was den Informationsfluss betrifft, geht in Liefer- und Wertschöpfungsketten vieles schief. Die Folgen sind für alle beteiligten Unternehmen gravierend. Typisches Problem bei schlechtem oder fehlendem Supply-Chain-Management ist der sogenannte Bullwhip- oder Peitscheneffekt.

Beispiel: Ihr Verkaufspartner will eventuelle Lieferengpässe vermeiden und ordert vorsorglich mehr der von Ihnen produzierten Ware beim Großhändler. Der wiederum will auch auf Nummer sicher gehen und bestellt bei Ihnen nochmals mehr, als der Verkauf bei ihm angefordert hat.

Für Sie als Hersteller sieht es nun so aus, als würde die Nachfrage steigen. Logischerweise produzieren Sie entsprechend mehr – und tappen in die Falle. Denn die anderen Player in Ihrer Wertschöpfungskette haben die Nachfrage künstlich aufgeschaukelt. Unerfreuliche Bilanz für Ihr Unternehmen:

  • steigende Produktionskosten durch den höheren Output
  • steigende Logistikkosten, denn Sie müssen mehr Ware transportieren (lassen)
  • Ihre Mehrproduktion findet nicht genügend Abnehmer
  • höhere Lagerkosten, denn die nicht verkaufte Ware muss ja irgendwo bleiben

Statt Mehreinnahmen zu zählen, legen Sie drauf. Ein teurer Spaß. Umgekehrt führen besonders vorsichtige Orders der anderen Glieder in Ihrer Lieferkette zu einem ähnlich unschönen Ergebnis: Die Ware wird knapp, die Kunden sind sauer – und Sie machen weniger Umsatz.

Knüpfen Sie eine starke Lieferkette

Solche Bullwhip-Effekte schwächen Ihre Wettbewerbsposition und können das Ende für Ihre Firma bedeuten. Darum gehört ein funktionierendes Supply-Chain-Management zum absoluten Pflichtprogramm schon für jeden Gründer. Die Basis für Ihren unternehmerischen Erfolg legen Sie bereits mit dem Aufbau Ihrer Lieferkette.

Oberste Regel dabei: Übernehmen Sie nur die Aufgaben im eigenen Unternehmen, die Sie selbst besser und idealerweise günstiger als alle anderen Akteure in Ihrer Supply Chain erledigen können. Sonstige Aufgaben sind bei spezialisierten Geschäftspartnern besser aufgehoben. Denn Zweck der Arbeitsteilung zwischen eng vernetzten Betrieben ist es, die Effizienz der Produktion zu steigern und so die Kosten für alle Beteiligten zu minimieren. Dafür ist Supply-Chain-Management da.

Auch eine schon bestehende Wertschöpfungskette muss natürlich laufend darauf überprüft werden, ob sie reibungslos funktioniert. Wenn einer oder mehrere der folgenden Punkte auf die Ihre zutreffen, dann müssen Sie schleunigst gegensteuern:

  • Ihr Lager ist brechend voll oder gähnend leer – ein Indiz für den Bullwhip-Effekt
  • Es fehlen Rohstoffe oder Teilprodukte, die Produktion stockt
  • Liefertermine werden nicht eingehalten
  • Es gibt einen Stau im Verkauf
  • Es gibt Reklamationen hinsichtlich der Produktqualität

„Wer’s besser kann, soll’s machen“

An solchen Problempunkten setzt Ihr Supply-Chain-Management  an. Idealerweise kontrollieren Sie alle Geschäftsabläufe in der gesamten Produktionsstufenabfolge vom Einkauf bis zum Endkunden. Vergessen Sie dabei auch die Abläufe in Ihrem eigenen Unternehmen nicht! Stellen Sie alles auf den Prüfstand, und zwar laufend. Hier beispielhaft eine Reihe von Dingen, die Ihr Supply-Chain-Management prüfen beziehungsweise im Auge behalten muss:

  • Kennzahlen: Anhaltspunkte dafür, wo es innerhalb Ihrer Lieferkette hakt, liefern Daten wie Durchlaufzeit pro Bestellung bis zum Endkunden, Reklamationsquote, Lagerbestand oder Transportanteil an der gesamten Wertschöpfungszeit. Ihr Ziel muss es natürlich sein, all dies zu minimieren – und möglichst früh Probleme in der Kette zu erkennen.
  • Make or Buy? Ihre Lieferkette ist nur effizient, wenn die Arbeitsteilung optimal organisiert ist. Dafür muss jeder einzelne Produktionsschritt dort gemacht werden, wo jeweils die Kernkompetenz ist. Und die liegt natürlich nicht immer bei Ihnen. Frei nach Ex-Kanzler Gerhard Schröder gilt der Leitspruch: „Wer’s besser kann, soll’s machen.“
  • Team optimieren: Eine Lieferkette ist nur so leistungsstark wie ihr schwächstes Glied. Halten Sie es wie ein Fußballtrainer: Wer den Aufgaben nicht gewachsen ist, wird ausgewechselt.
  • Direkteinkauf: Wenn Sie einen Zwischenhändler überspringen und sich direkt an den Lieferanten wenden, dann macht das Ihre Supply Chain kürzer und tendenziell schneller. Dagegen könnte allerdings sprechen, dass der Zwischenhändler Ihnen nützt, weil er bei seinem Einkauf Mengen bündelt und so beim Lieferanten günstiger einkaufen kann als Sie. Ist das aber nicht der Fall und bringt er auch sonst keine großen Vorteil, dann übernehmen Sie seinen Job oder wechseln einen besseren Händler ein. Sie sind der Trainer.
  • Informationsaustausch: Er gehört zu den Basics jedes Supply-Chain-Managements und sollte entlang der Kette nach einem einheitlichen Standard laufen. Dabei sind klare Regeln gefragt: Wer unterrichtet wen in welchen Fällen über welchen Kanal?
  • Top-Kunden: Schützen Sie sich zusätzlich vor dem Bullwhip-Effekt, indem Sie mit Großkunden und wichtigen Lieferanten direkt Informationen austauschen.
  • Datensicherheit: Über Ihre Wertschöpfungskette fließen oft sensible Geschäftszahlen, damit alles wie geschmiert läuft. In Sachen Datensicherheit müssen Sie deshalb immer am Ball bleiben!

Fazit: Supply-Chain-Management kostet Sie zwar viel Zeit. Doch erspart Ihnen die stetige Kontrolle und Anpassung der Geschäftsabläufe in Ihrer Wertschöpfungskette schon als Gründer eine Menge Ärger und Kosten – und sichert Ihnen letztlich Ihr Überleben am Markt.

 

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