Talent Management: Ein Begriff, drei Bedeutungen

Talent Management gehört zwar zur Personalentwicklung, meint aber mehr als das. So bedeutet es erstens, fähige Mitarbeiter zu entdecken, sie zweitens zu fördern und drittens an sich zu binden. Alle drei Disziplinen sind anspruchsvoll, vor allem die letzte. Schließlich kommen derzeit auf jeden Bewerber in der IT-Branche 3,5 offene Stellen, wie der Ingenieursverband VDI in einer Umfrage ermittelt hat. Demnach gab es 2016 in Deutschland 28.800 offene Stellen für Informatiker. Ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Klar, dass angesichts des Fachkräftemangels längst der „War for Talents“ um fähige Köpfe ausgebrochen ist.

Wer darin bestehen will, muss eine kluge und nachhaltige Personalpolitik betreiben – und das ebenso rechtzeitig wie zukunftsorientiert. Denn sind Vakanzen nicht zu besetzen, kostet das womöglich Geld, weil Aufträge liegen bleiben oder abgelehnt werden müssen. In beiden Fällen leidet das Ansehen eines Unternehmens.

Vorausschauende Strategie im War for Talents

Ein Talent Management mit Weitsicht kann das verhindern. Es sollte bereits einsetzen, sobald sich ein künftiger Personalbedarf abzeichnet. Gut organisiert lässt sich dann schnell erkennen, ob es geeignete High Potentials im eigenen Team gibt oder sich eine externe Suche danach empfiehlt. In jedem Fall ist dafür ein klares Anforderungsprofil entscheidend. Dieses Profil ergibt sich nicht allein aus der zu besetzenden Position, sondern muss auch zur Unternehmensstrategie passen.

Ebenso wichtig ist eine möglichst langfristige Planung, die sich am Bedarf über Monate oder gar Jahre hinweg orientiert. So lassen sich im War for Talents bereits früh vielversprechende Kandidaten identifizieren. Sie haben dann ausreichend Zeit, im Betrieb Erfahrungen zu sammeln und so zu Experten zu reifen.

Talent Management ist Chefsache

Im Idealfall kümmern sich auch Führungskräfte um das Recruiting. Bei Bedarf sollten sie durch spezielle Fortbildungen für das Thema sensibilisiert werden und lernen, worauf es dabei ankommt:

  • Die bedeutende Rolle von Talent Management für ein vorwärtsgewandtes Unternehmen
  • Ihre eigene, wichtige Funktion als Talentscouts
  • Definition der notwendigen Fähigkeiten, die hochqualifizierte Arbeitskräfte für eine Position mitbringen müssen
  • Bestimmen geeigneter Kandidaten
  • Sinnvolle Talentförderung
  • Einbinden entsprechender Abläufe und Methoden im Unternehmen

Kenne deine Mitarbeiter!

Wer im War for Talents die Nase vorn haben will, sollte die vorhandenen Skills in seinem Team kennen. Voraussetzung dafür sind Mitarbeitergespräche und Personalbeurteilungen. Dabei erfahren Führungskräfte, welche Fähigkeiten in ihren Mitarbeitern stecken – und welche Ansprüche die Beschäftigten an ihren Job und Arbeitgeber haben. Längst geht es dabei nicht mehr nur um (mehr) Geld. Stattdessen spielen heute eine moderne technische Ausstattung der Arbeitsplätze, eine ausgewogene Work-Life-Balance sowie soziale Angebote (zum Beispiel ein unternehmenseigener Kinderhort, Tankgutscheine, kostenlose Obstangebote, ein Fitnessraum) eine immer größere Rolle. Mehr dazu steht in unserem Ratgeber „Retention Management: Wie Sie gute Mitarbeiter langfristig halten“.

Frisches Obst am Arbeitsplatz unterstützt die Mitarbeiterbindung. (© 2017 Shutterstock / Monkey Business Images)

Die besten Waffen im War for Talents

Außerdem kommt es auf eine gezielte Talentförderung an. Dazu zählen unter anderem:

  • Schulungen
  • Lehrgänge
  • Berufsbegleitendes Studium
  • Jobrotation
  • Training on the Job
  • Zielvereinbarungen
  • Ein interner Mentor, der die aussichtsreichen Kollegen regelmäßig betreut

Federführend muss hier die Personalentwicklung sein. Aber auch Chefs können sich direkt im War for Talents auszeichnen. Dafür haben sie beispielsweise folgende Möglichkeiten:

  • Kontakt zu Mitarbeitern während der Elternzeit halten
  • Entscheidungen begründen
  • Feedback geben
  • Lob für gute Leistungen aussprechen
  • Delegieren
  • Interne Konflikte lösen
  • Abteilungsfrühstück veranstalten

Der Einfluss von solchen eher „weichen“ Maßnahmen auf ein positives Arbeits- und Betriebsklima ist nicht zu unterschätzen. Denn sie zahlen sich auf Dauer aus. Potenziell beschert effektives Talent Management Unternehmen bessere finanzielle Ergebnisse, stärkt das Image als attraktiver Arbeitgeber, führt daher zu einer höheren Zahl guter Bewerber, bindet vorhandenes Personal und schafft eine leistungsorientierte Kultur.