Talent Management: Große Auswahl, viele Bedenken

Tatsächlich gibt es auf Seiten zahlreicher Mittelständler noch immer einige Bedenken gegenüber einer Cloud-Lösung:

  • So glaubt fast die Hälfte der Mittelständler, dass solche Systeme Probleme mit der Datensicherheit haben.
  • 38 Prozent sind der Meinung, dass sich Cloud-Lösungen verschiedener Anbieter nur schwer miteinander kombinieren lassen.
  • Auch glauben 36 Prozent der Unternehmen, dass Cloud-Lösungen kaum Individualisierung zulassen.

Das sind beispielsweise Ergebnisse der Studie "Talent Management im Mittelstand, für die von der Unternehmensberatung ROC rund 144 große Mittelständler (mindestens 500 Mitarbeiter) aus Deutschland und Österreich befragt wurden.

Aber auch unabhängig von Cloud-Lösungen scheuen manche Mittelständler den Einsatz von Software in der Personalentwicklung- und Planung, der über das Pflegen von Excel-Tabellen hinausgeht - nicht zuletzt wegen des umfangreichen Angebots: Zahlreiche Hersteller bieten ebenso zahlreiche Lösungen an.

Entscheidend bei der Auswahl ist jedoch nicht, welche Software das Rennen macht. Richtungsweisend ist stattdessen, dass das Unternehmen vorher sein Ziel genau formuliert. Denn:

Eine Software macht noch lange kein Talent Management.

Dass es in Zeiten des demografischen Wandels ohne eine systematische Förderung der internen Hoffnungsträger nicht mehr geht, haben die Unternehmen begriffen. Es ist jedoch die Umsetzung, an der viele Betriebe scheitern. Nahezu jeder zweite Betrieb sieht sich bei der Talentsuche im eigenen Haus höchstens mittelmäßig aufgestellt.

Umso wichtiger ist es, dass Personalabteilung und Geschäftsführung vor der Auswahl einer Talent Management Software die strategischen Ziele des Talent Managements definieren.

So bildet HR in den Personalsystemen die Unternehmensstruktur eines Konzerns oftmals nicht ab, sondern arbeitet in Standorten und Gesellschaften. Das Management indes denkt in globalen Geschäftsfeldern.

Auch ist HR häufig nicht in die mittelfristige strategische Ausrichtung der Geschäftsfelder eingebunden. Ist die Personalabteilung allerdings eingebunden, kann sie daraus ableiten, welche Aufgaben das Talent Management erfüllen soll, und dann die passenden Prozesse einführen und eine geeignete Software auswählen.

Bedacht werden sollten bei der Softwareauswahl stets:

  • Organisatorische Anforderungen
  • Funktionale Anforderungen
  • Technische Anforderungen

Häufig verschaffen sich Unternehmen nur einen Überblick darüber, welche Mitarbeiter aktuell über bestimmte Qualifikationen verfügen und wie sie geschult werden müssen, um weitere Aufgaben übernehmen zu können. Die Geschäftsführung jedoch möchte wissen, ob sie in fünf oder zehn Jahren noch die richtigen Fachkräfte zur Verfügung hat.

Dafür muss bekannt sein, welches die künftigen Schlüsselkompetenzen im Unternehmen sind:

  • In welcher Abteilung scheiden demnächst Mitarbeiter aus?
  • Wo müssen Talente in den eigenen Reihen gezielt entdeckt und professionell auf ihre Führungsaufgaben vorbereitet werden?

Entscheidend ist zunächst, dass sich ein Unternehmen intensiv darauf vorbereitet, welche Kennzahlen es zur strategischen Steuerung erheben möchte und welche Daten es dafür benötigt. Diese Vorbereitung ist aufwändiger als die Einführung der Software. Und: Ist die Vorbereitung nicht genau, funktioniert vielleicht noch die technische Einführung der Software, die Ergebnisse stimmen jedoch nicht.

Bei der prozessualen Anwendung ähneln sich die meisten Software-Varianten. Interessant wird es bei der Integration:

  • Möchte ein Unternehmen jeden Prozess für sich betrachten und sich die beste Lösung aus jedem einzelnen Prozess aussuchen?
  • Oder benötigt das Unternehmen eine Software, die sämtliche Prozesse integriert abdeckt?

Deshalb sollte definiert werden, welche Prozesse wie voneinander abhängen und in der Zielsoftware miteinander funktionieren müssen. Muss eventuell ein auch führendes Personalsystem angebunden werden, aus dem Stammdaten importiert werden müssen?

Nicht unwesentlich ist bei der Auswahl einer Software zudem der organisatorische Aspekt: Hat das Unternehmen überhaupt die technischen Voraussetzungen, um die Software anwenden zu können beziehungsweise haben alle Mitarbeiter der Zielgruppe auch am Ende Zugriff auf das System?

Und schließlich muss die Software das abdecken, was zu Beginn als strategisches Ziel vom Unternehmen festgelegt wurde. Daraus ergibt sich ein Katalog an Auswahlkriterien, die in der Softwareauswahl bewertet werden können, um die beste Lösung zu finden. Eine Lösung, die alle Wünsche des Unternehmens umsetzt, gibt es in der Regel nicht.

Talent Management: Mut zur Standardisierung

Eine derartige Passgenauigkeit ist auch nicht notwendig. Das zu erkennen, ist insbesondere für die Unternehmen schwierig, die in den vergangenen Jahrzehnten mit einem klassischen Personalstandardsystem gearbeitet haben. Dabei war es üblich, dass sich die Software auf die Bedürfnisse des Betriebes eingestellt hat. Die neuen Cloud-Varianten hingegen bieten den Unternehmen eingeschränktere Anpassungsmöglichkeiten und nur einen gewissen Grad an individueller Abdeckung.

Sollte sich eine Firma also für eine Cloud-Lösung entscheiden, muss sie zur Standardisierung bereit sein.

Mehr noch: Sie muss in der Lage sein, alle bisherigen Systeme zu vergessen und sich auf die neuen Lösungen einstellen. Besteht eine Firma auf diverse Besonderheiten, ist die Bereitschaft für die Cloud vermutlich noch nicht vorhanden.

Dass Cloud-Lösungen zu wenig Individualisierung zulassen, ist indes nur auf den ersten Blick richtig. Eine gut ausgeführte Standardlösung in der Cloud, selbst wenn sie nicht alle Anforderungen abdeckt, erfüllt ihren Zweck und ermöglicht Talent Management. Die wesentlichen Daten deckt jede Standardlösung ab.

Es sind Kleinigkeiten, weshalb sich ein Unternehmen am Ende für die eine und gegen die andere Software entscheidet. Nach der Software-Auswahl sollte sich der Betrieb noch einen Implementierungspartner suchen. Schließlich gibt es bei den neuen Lösungen teilweise noch wenig internes Know-how.

Talent Management in der Cloud: Machen Sie Ihre Hausaufgaben

Viele Unternehmen scheitern bei der Auswahl einer Talent-Management-Software daran, dass sie ihre Anforderungen an das neue System am Anfang nicht genau herausarbeiten. Dann wird im schlimmsten Fall das gerade eingeführte Produkt gleich wieder abgelöst. Ist ein Unternehmen global aufgestellt, müssen legale Anforderungen und verschiedene Sprachen abgedeckt sein, zugleich sollte an eine Datenschutz sichere Server-Auswahl gedacht werden. Andernfalls scheitert das Projekt schon an dieser Kleinigkeit.

Je akribischer ein Unternehmen also vorher seine Hausaufgaben erledigt und beschreibt, welche Informationen es im Talent Management benötigt, umso so besser wird die neue Software passen. Andernfalls scheitert die Einführung des Talent Management Systems – egal, wie die Software heißt.

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