Zug verspätet: Diese Rechte haben Sie

Ein wichtiger Geschäftstermin auswärts steht an und der Zug ist pünktlich erreicht. Doch dann kommt während der Fahrt die Mitteilung, dass wegen Gleisbauarbeiten die Bahn ihr Ziel eine Stunde später erreicht. Der Termin lässt sich nicht mehr retten – aber was ist mit den angefallenen Kosten für die Fahrkarte?

Laut der EU-Verordnung EG 1371/2007 müssen europäische Eisenbahnunternehmen für verspätete und ausgefallene Züge grundsätzlich eine Entschädigung leisten. Das gilt auch für Ursachen, für die das Unternehmen nichts kann. Beispiele sind Unfälle oder wetterbedingte Betriebsstörungen. Um Ihre Ansprüche durchzusetzen, brauchen Sie ein Fahrgastrechte-Formular. Das Formular gibt es im Zug beim Zugbegleiter, beim Service-Personal am Bahnhof oder beim Zugunternehmen (für die DB Deutsche Bahn: Online-Formular Fahrgastrechte). Das ausgefüllte Formular mit einer Fahrkarten-Kopie reichen Sie dann beim Bahnbetreiber ein. Für die DB ist das "Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt/Main" zuständig.

Tipp: Wenn Sie sich umgehend in der Bahn oder am Bahnhof die Bestätigung und das Formular holen, lässt sich die Entschädigung sofort in einem DB-Reisezentrum erledigen.

Je größer die Verspätung, desto höher die Entschädigung

Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach den Fahrtkosten für eine einfache Strecke, bei kombinierten Hin- und Rückfahrttickets ist der halbe Preis die Berechnungsgrundlage. Minimum für die Erstattung sind vier Euro, ab 60 Minuten Verspätung gibt es 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten 50 Prozent. Der Aufpreis für einen ICE-Sprinter wird ab 30 Minuten erstattet. Wenn bereits vor Reiseantritt eine Verspätung von mehr als einer Stunde erkennbar ist, können Sie den kompletten Fahrpreis zurückbekommen.

Auch bei Flugverspätung kann es eine Erstattung geben. (© 2017 Shutterstock / Minerva Studio)

 

Verspäteter Flieger: Ab drei Stunden muss die Airline zahlen

Auch Passagieren eines Flugzeugs steht bei Verspätung eine Erstattung zu. Das regelt die EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004. Im Gegensatz zu Bahnreisenden erhalten Sie allerdings keine Erstattung für eine Verzögerung durch ungewöhnliche Umstände. Der Anspruch beginnt, wenn der Flug mehr als drei Stunden später als geplant am Ziel ankommt. Als Zeitpunkt der Ankunft versteht man das Öffnen von mindestens einer Flugzeugtür. Voraussetzung für den Anspruch ist der Start in einem EU-Land beziehungsweise die Landung mit einer EU-ansässigen Airline in einem EU-Land.

  • Die Höhe der Erstattung staffelt sich nach der Flugstrecke:
  • Kurzstrecke (bis 1.500 km): 250 Euro
  • Mittelstrecke (bis 3.500 km): 400 Euro
  • Langstrecke (ab 3.500 km): 600 Euro

Wenn Sie unsicher über die Länge des Fluges sind, können Sie über Webseiten wie luftlinie.org  oder airmilescalculator.com die Strecke berechnen lassen.

Hilfreich ist auch die Internetseite flightstats.co.uk. Unter Angabe der Fluggesellschaft und der Flugnummer gibt sie den Status auch von zurückliegenden Flügen an – inklusive einer eventuellen Verspätung. Auf diese Weise wird es leichter für Sie, herauszufinden und zu begründen, dass und in welcher Höhe ein Erstattungsanspruch besteht. Je mehr Beweise Sie sammeln, desto höher sind die Erfolgsaussichten. Beispiele wären Fotos von Anzeigetafeln mit der Verspätung, eine schriftliche Bestätigung der Verspätung durch Airline-Mitarbeiter oder der Kontaktdaten- und Informationsaustausch mit anderen Betroffenen.

Lange Wartezeiten am Flughafen sind ärgerlich – bei der Durchsetzung von Ansprüchen gibt es aber Unterstützung. (© 2017 Shutterstock / Ekaterina Pokrovsky)

 

Tipp: Immer wieder haben Anspruchsberechtigte Probleme, ihre Forderungen bei den Fluggesellschaften durchzusetzen. Aber es gibt Stellen, die professionelle Unterstützung anbieten. Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr können Geschäftsreisende zwar nicht nutzen, aber es gibt diverse Internetportale für die Durchsetzung von Fluggastrechten allgemein. Beispiele sind EUclaim, EUflight oder FairPlane. Die Unternehmen versuchen für Reisende, den Anspruch auf Erstattung durchzusetzen und erhalten bei Erfolg einen gewissen Prozentsatz der Entschädigungssumme als Provision.