Überstunden oder Mehrarbeit?

Schuften bis zum Umfallen? Da ist das Arbeitszeitgesetz vor. Es legt nämlich fest, wie viele Stunden Ihre Mitarbeiter beschäftigt sein dürfen – als regulär werden darin acht Stunden pro Tag beziehungsweise 48 Stunden pro Woche erachtet. Alles, was darüberhinaus geht, gilt als Mehrarbeit. Allerdings nicht als Überstunden. Die liegen bereits dann vor, wenn Ihre Angestellten länger tätig sind, als es im gemeinsamen Arbeitsvertrag steht.

Beispiel: Ihr Mitarbeiter Herr Müller arbeitet regulär 38 Stunden pro Woche. Fallen in einer Woche ausnahmsweise 46 Stunden an, arbeitet er über die im Arbeitsvertrag individuell festgelegte Arbeitszeit hinaus. Bei der 39. bis 46. Stunde handelt es sich also um Überstunden. Mehrarbeit liegt jedoch nicht vor, da die gesetzlich definierte Höchstarbeitszeit nicht überschritten wurde.

Möchten Sie die Dienste Ihrer Mitarbeiter über die vereinbarten Zeiten hinaus  in Anspruch nehmen, stößt das in der Belegschaft üblicherweise auf wenig Begeisterung. Länger arbeiten will kaum einer – schon gar nicht, wenn es dazu keine Regelungen im Arbeitsvertrag gibt. Sie können ohnehin keine Überstunden verlangen, wenn dazu keine konkreten Vereinbarungen bestehen. Dann sind Streitigkeiten nicht selten die Folge – manchmal enden diese sogar vor dem Arbeitsgericht.

Überstunden besser vertraglich regeln

Tipp: Ersparen Sie deshalb sich selbst und Ihren Mitarbeitern den Stress und legen Sie eine Überstundenklausel im Arbeitsvertrag fest. Auch im Tarifvertrag oder in Übereinkunft mit dem Betriebsrat können Sie Mehrarbeit regeln.

Der Verzicht auf eine Regelung ist nicht ratsam. Ihre Mitarbeiter können nämlich dann eine branchen- oder betriebsübliche Vergütung gerichtlich geltend machen, sofern sie die Überstunden nachweisen, berichtet das Online-Portal "finanztip.de".

Hängt in Ihrer Firma eine Stechuhr, fällt die Zeiterfassung leicht. Schwieriger gestaltet es sich bei einer Vertrauensarbeitszeit: Hier muss Ihr Mitarbeiter, die von Ihnen angeordneten oder geduldeten Überstunden selbst dokumentieren und von Ihnen abzeichnen lassen. Weiterhin gilt: Ist für Ihre Branche ein Tarifvertrag festgelegt worden, an den Sie Ihr Unternehmen allerdings nicht gebunden haben, können Ihre Mitarbeiter dennoch auf die dort festgelegte Bezahlung verweisen.

Überstunden ohne Vereinbarung nur im Notfall

Fehlt eine Vereinbarung, sind Überstunden grundsätzlich nur in Notfällen zulässig. Doch Vorsicht: Ein betrieblicher Engpass gehört nicht dazu. Vielmehr kommen dafür nur außergewöhnliche Umstände in Frage.  Zum Beispiel ...

  • unvorhergesehene Stromausfälle,
  • Brände,
  • Überschwemmungen oder
  • Havarie

Ausnahme: Gibt es einen Betriebsrat im Unternehmen, muss dieser erst die Überstunden genehmigen, selbst wenn es sich um einen Notfall handelt, berichtet "Die Zeit".

Überstunden auszahlen

Grundsätzlich kann Ihr Mitarbeiter die Auszahlung von Überstunden nur verlangen, wenn Sie diese angeordnet haben oder die Mehrarbeit mit Ihrem Wissen geleistet wird. Ist ein Angestellter über die reguläre Arbeitszeit hinaus beschäftigt, weil er beispielsweise länger als nötig für eine Aufgabe braucht, sollten Sie dies unterbinden, wenn Sie keine Überstunden auszahlen möchten.

Wie Sie die Überstundenregelung im Detail handhaben, obliegt Ihrer Entscheidung. Ausnahme: Nach dem Berufsbildungsgesetz sind Sie dazu verpflichtet, geleistete Mehrarbeit von Auszubildenden und Schülern zu vergüten oder einen Freizeitausgleich anzubieten.

Ringen Sie sich zu einer Vergütung der Mehrarbeit durch, können Sie diese beispielsweise mit dem Stunden- beziehungsweise Monatslohn abgelten. Im Falle eines Stundenlohns wird dieser also für jede Überstunde fällig. Bei einer Monatsabrechnung müssen Sie zunächst den jeweiligen Stundenlohn ermitteln.

Wichtig: Wer versucht die Überstundenauszahlung zu umgehen, indem er im Arbeitsvertrag vermerkt, dass alle erforderlichen Zusatzzeiten mit dem Monatslohn abgegolten werden, könnte eine böse Überraschung erleben. Eine solche allgemeine Klausel ist unwirksam, da der Arbeitnehmer nicht erkennen kann, wann Sie seine Dienste über die reguläre Arbeitszeit hinaus benötigen. So das Urteil des Bundesarbeitsgerichts BAG (AZ 5AZR 517/09). Stattdessen müssen Sie die Anzahl der Überstunden, die mit dem Monatslohn abgegolten werden, zeitlich genau eingrenzen. Alle darüber hinausgehenden Überstunden sind gesondert zu zahlen.

Zuschlag zahlen?

Manch ein Mitarbeiter verlangt für längere Arbeitszeiten einen Zuschlag – sein gutes Recht, wenn dies für Ihre Branche üblich ist. Insbesondere in Tarifverträgen sind solche "Aufpreise" häufig vorgesehen. Das Lohnplus an Werktagen beträgt in der Regel 25 Prozent – für viele Arbeitnehmer ein Anreiz, Mehrarbeit zu leisten.

Überstunden mit Freizeit ausgleichen

Die andere Möglichkeit: Sie können vertraglich festlegen, dass Überstunden abgebummelt werden. Sollten Sie in Ihrem Unternehmen mit einer elektronischen Zeiterfassung arbeiten, bietet sich der Freizeitausgleich für Überstunden geradezu an. Tipp: Setzen Sie am besten vertraglich fest, wie viele Überstunden Ihre Angestellten überhaupt aufbauen dürfen, um personelle Engpässe zu vermeiden. Über den Zeitpunkt des Freizeitausgleichs dürfen sie allein verfügen, so ein BAG-Urteil (AZ 9 AZR 433/08). 

Weiterführende Links:

  • Folgen Sie dem Link, um das Arbeitszeitgesetz im Detail nachzulesen.
  • Welche Punkte dürfen im Arbeitsvertrag nicht fehlen, damit Sie auf der sicheren Seite sind? Hier erfahren Sie es.