Medikationen vorbereiten, ein offenes Ohr für die Patienten haben, Wunden desinfizieren und alle Schritte schriftlich dokumentieren: Die Arbeit in der Pflege ist herausfordernd. Auch die Verwaltung kostet viel Zeit. Die Universitätsmedizin Mainz möchte ihre Arbeitsprozesse mit Hilfe der Digitalisierung beschleunigen und verbessern. „Das Thema digitale Transformation bewegt die Universitätsklinik Mainz aktuell. Wir sind dabei, unsere Strukturen neu aufzubauen und zu verändern“, sagte PD Dr. Christian Elsner, kaufmännischer Vorstand der Universitätsklinik Mainz, beim ersten Hackathon der Klinik im Juli 2019. Dort entwickelten Mitarbeiter des Universitätsklinikums gemeinsam mit der Telekom ein maßgeschneidertes Werkzeug, das die stationäre Pflege am Universitätsklinikum entlasten kann. Das Ergebnis ist der Healthcare Service Button sowie eine App.

Diese intelligente Lösung basiert auf dem IoT Service Button und soll unter anderem die Dokumentation beschleunigen. Der Button lässt sich ganz einfach installieren: Nach einer kurzen Konfiguration in der Cloud of Things – der Plattform für das Internet of Things der Telekom – ist der Button einsatzbereit. Die Bedienung ist so einfach, dass ihn auch neue Mitarbeiter problemlos nutzen können. Der Button läuft stromsparend mit handelsüblichen Batterien und verfügt dank NarrowBand IoT – dem Netzwerkstandard für das Internet of Things – über eigenständige Konnektivität. So ist der Button weder auf das Stromnetz noch auf eine WLAN-Verbindung angewiesen.

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„Sprachrohr“ in die Cloud: Mit der App scannen die Mitarbeiter die Barcodes der Vakuumpumpe und des Buttons ab, um sie zu verknüpfen. „Sprachrohr“ in die Cloud: Mit der App scannen die Mitarbeiter die Barcodes der Vakuumpumpe und des Buttons ab, um sie zu verknüpfen. (© 2020 Peter Pulkowski)

Universitätsklinikum entlastet Pflege mit IoT

Internet of Things auf Knopfdruck

Ein Button, tausend Möglichkeiten: Mit dem IoT Service Button optimieren Unternehmen aller Branchen individuell ihre Prozesse in kürzester Zeit. Der Button löst die Bestellung von Ersatzteilen aus, lässt Waren abholen oder meldet Störungen. Er läuft stromsparend mit handelsüblichen Batterien und sendet Signale über das Mobilfunknetz sowie über NarrowBand IoT – dem Maschinennetz der Telekom.

Aktuell besitzt die Klinik 70 Buttons, von denen 30 für die Bestellung und Abmeldung von Vakuumpumpen verwendet werden. Die Pumpen unterstützen die Wundheilung und werden an der Uniklinik täglich mehrfach genutzt. Um die Pumpen zu bestellen und wieder abzumelden, mussten die Pflegekräfte zuvor telefonieren, faxen und händisch Papierdokumente ausfüllen. Der gesamte Prozess dauerte bis zu 30 Minuten. Mit dem Healthcare Service Button sind die Pflegekräfte mit Bestellung und Abmeldung insgesamt nur noch wenige Minuten beschäftigt. Benötigt eine Pflegekraft eine Vakuumpumpe, genügt ein Knopfdruck. Umgehend benachrichtigt der Button die Cloud of Things. Diese sendet automatisch eine E-Mail an die interne Logistik und informiert darüber, dass die Pumpe im Einsatz ist und eine neue Pumpe im Lager bereitgestellt werden muss.

Weiterhin könnte auch der Dienstleister, der die Pumpen liefert, automatisch eine E-Mail mit dem Abrechnungszeitraum erhalten. Wenn der Patient die Vakuumpumpe nicht mehr benötigt, drückt die Pflegekraft den Button und die interne Logistik, wenn gewünscht auch der Dienstleister, werden automatisch per E-Mail benachrichtigt. Die interne Logistik weiß nun, dass die Pumpe abgeholt und für einen neuen Einsatz aufbereitet werden muss. Die Information an den Dienstleister kann automatisch per Mail erfolgen.

„Wenn mit einem Knopfdruck ein Prozess direkt abgeschlossen werden kann, ist das ein riesiger Vorteil. Nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn. Und dafür, dass mit dem Druck auf den Button außerdem die Dokumentation teilweise ersetzt werden kann, ist jede Pflegekraft dankbar,“ sagt Angelika Schiffmann, Pflegedienstleiterin der Universitätsmedizin Mainz.

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Angelika Schiffmann, Pflegedienstleiterin und Dr. Christian Elsner, kaufmännischer Leiter der Universitätsklinik Mainz. Angelika Schiffmann, Pflegedienstleiterin und PD Dr. Christian Elsner, kaufmännischer Vorstand der Universitätsklinik Mainz. (© 2020 Peter Pulkowski)

Uniklinikum Mainz spart Zeit und Geld

Pflege: Förderung durch den Bund

Bei der Anschaffung von digitaler und technischer Ausstattung unterstützt die Bundesregierung Krankenhäuser und Pflegeheime über das Sofortprogramm Pflege. Diese können dafür eine 40-prozentige Ko-Finanzierung von bis zu 12.000 Euro in Anspruch nehmen. Das Sofortprogramm wurde im Januar 2019 ins Leben gerufen. Das Ziel: die Arbeitsbedingungen für Kranken- und Altenpfleger verbessern. Ein zentraler Punkt dabei ist die Digitalisierung.

Weitere Buttons nutzt die Uniklinik Mainz für weniger komplexe Prozesse, beispielsweise um umgehend Personal zur Reinigung von OPs und Betten zu rufen. Insgesamt spart das Uniklinikum mit dem Button nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Denn die Technologie rentiert sich schon nach kurzer Zeit. „Von allen Seiten kommt positives Feedback zur leicht verständlichen Nutzung des Buttons und dass er so einfach in die täglichen Abläufe integriert werden konnte,“ sagt Elsner. In Zukunft will das Uniklinikum Mainz den Healthcare Service Button für weitere standardisierbare aber stochastisch anfallende Prozesse anwenden.

DEUTSCHE TELEKOM UND UNIVERSITÄTSMEDIZIN MAINZ

Die Aufgabe: Die Pflegedokumentation kostet viel Zeit, die dem Personal anschließend beim direkten Kontakt mit den Patienten fehlt. Die Universitätsmedizin Mainz suchte gemeinsam mit der Telekom einen Weg, um den Dokumentationsaufwand zu verringern.

Die Lösung: Der Healthcare Service Button basiert auf dem IoT Service Button und ist genau an die Prozesse der Unimedizin Mainz angepasst. Dank NarrowBand IoT ist der Button mit dem Internet verbunden und einsatzbereit. Zudem ist die Lösung, dank stromsparendem Batteriebetrieb, unabhängig vom Stromnetz.

Die Vorteile: Mit dem Button spart das Personal Zeit und die Klinik Geld: Das Bestellen und Anmelden von Vakuumpumpen dauert jetzt statt 30 Minuten nur noch wenige Minuten pro Gerät. Die Kosten für die Lösung amortisieren sich sehr schnell.

Entwicklung des Healthcare Service Buttons

Den Healthcare Service Button sowie die dazugehörige App haben zwei Tochterunternehmen von T-Systems entwickelt:

  • T-Systems Multimedia Solutions (MMS)
    Die T-Systems Multimedia Solutions begleitet Großkonzerne und mittelständische Unternehmen bei der digitalen Transformation. Mit ihrer Beratungs- und Technikkompetenz entwickeln sie neue Wege und Geschäftsmodelle in den Bereichen Industrial IoT, Customer Experience, New Work sowie Digitale Zuverlässigkeit. Die von T-Systems Multimedia Solutions eigens entwickelte App für den Healthcare Service Button fungiert als „Sprachrohr“ in die Cloud. Mit ihr scannen die Mitarbeiter die Barcodes der Vakuumpumpe und des Buttons ab, um sie zu verknüpfen. Der automatisierte Versand von E-Mails und die Dokumentation beginnen, nachdem der Button gedrückt und die App gestartet wurden. Die App ist kompatibel für Android-Smartphones und iOS.
  • Die Deutsche Telekom Healthcare Solutions (DTHS)
    Die Deutsche Telekom Healthcare Solutions ist eine hundertprozentige Tochter der T-Systems International GmbH. Sie ist führender Anbieter im Bereich Digital Health und verfolgt das unternehmerische Ziel, alle Akteure im Gesundheitswesen sicher und digital miteinander zu vernetzen. Hierfür bietet sie eine breite Produktpalette innovativer eHealth-Lösungen an und steuert zur Erfüllung der damit verbundenen Herausforderungen alle Healthcare-Einheiten des Konzerns weltweit. Auf dem Healthcare Hackathon 2019 in Mainz hat ein interdisziplinäres Team aus Mitarbeitern der Universitätsmedizin Mainz und der Telekom an Lösungen gearbeitet, die das Pflegepersonal entlasten. Herausgekommen ist der Healthcare Service Button.