Jeder sechste mittelständische Unternehmer in Deutschland plant bis 2017 das Geschäft in die Hände von Tochter, Sohn oder eines anderen Familienmitglieds zu legen bzw. sein Unternehmen an Mitarbeiter, ein fremdes Unternehmen oder einen Investor zu verkaufen. Das hat die KfW-Bank in einer aktuellen Studie ermittelt.

Gefahr eines Investitions-Staus

Der bevorstehende Generationswechsel betrifft Unternehmen über alle Segmente hinweg – mit leichtem Schwerpunkt auf dem Sonstigen Verarbeitenden Gewerbe (Lebensmittel, Holz, Metall). Über 1,3 Millionen Inhaber sind heute 55 Jahre alt oder älter. Dies kann auf die Geschäftsentwicklung schlagen, insbesondere, wenn niemand aus der eigenen Familie das Ruder übernehmen will oder soll – Eigner mit zunehmendem Alter scheuen:

  • Investitionen: nur noch 37 Prozent der über 60-Jährigen investieren (zum Vergleich bei 40-Jährigen: 57 Prozent)
  • Innovationen: nur noch 38 Prozent führen Innovationen ein (zum Vergleich bei 40-Jährigen: 46 Prozent)

Dr. Jörg Zeuner, Chef-Volkswirt der KfW-Bankengruppe: „Nicht nur die Gesellschaft altert, sondern auch die Unternehmer; und das deutlich schneller als wir alle. Je älter aber die Unternehmer sind, desto weniger investieren sie. (...) Noch schwieriger wird die Investitionsentscheidung, wenn noch kein Nachfolger da ist.“

Damit drohen sich die betroffenen Unternehmen in einer Abwärts-Spirale zu verfangen, so die Einschätzung von Juliane Gerstenberger, Co-Autorin der KfW-Studie: „Je länger die Phase der Zurückhaltung dauert, desto stärker sinken möglicherweise die Ertragskraft und die Wettbewerbsfähigkeit. “ Ein schleichender Werteverlust könnte nicht nur auf den Kaufpreis drücken, sondern auch potenzielle Übernahmekandidaten abschrecken.

Engpass an Jungunternehmern

Die KfW hat zwei grundsätzliche, gegenläufige Trends ausgemacht. Die Firmenchefs in Deutschland werden immer älter: 1,3 Millionen Unternehmenseigner sind mindestens 55 Jahre alt (36 Prozent). Tendenz steigend: Vor gut zehn Jahren waren nur rund 16 Prozent so alt. Demgegenüber wachsen zu wenige Jungunternehmer nach – Tendenz fallend: Die Zahl der Unternehmensgründer sank von 1,5 Millionen im Jahr (2001) auf nur noch 900.000 in 2013. KfW-Chef-Ökonom Zeuner: „Deutschland fehlt der Unternehmernachwuchs.“ Zum selben Ergebnis kam auch Eric Schweitzer, Präsident vom Deutschen Industrie- und Handelskammer Tag: "Noch nie gab es so viele Seniorunternehmer und so wenige mögliche Nachfolger." Laut DIHK kommen fünf Alteigentümer auf einen potenziellen Nachfolger.

Börse für Unternehmens-Nachfolge

Wer auf der Suche nach dem „Richtigen“ ist, der sein Unternehmen, sein Lebenswerk, nicht nur einfach übernehmen, sondern auch weiter florieren lassen kann, der hat zahlreiche Recherche-Optionen. Ein guter Einstieg ist: „nexxt-change“.

nexxt-change“ ist eine internationale Börse für Unternehmens-Nachfolgen. Hinter dem ungewöhnlichen Marktplatz stehen u. a. das Bundesministerium für Wirtschaft sowie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag.

Drei Millionen Mal wird diese Seite im Monat angeklickt. Mit wenigen Klicks kommen die Besucher der Börse zu konkreten Angeboten und können sich selbst ein Bild von ersten Kennzahlen der Unternehmen machen bzw. die Kontaktdaten von Ansprechpartnern finden.

"nexxt-change": Börse für die Unternehmens-Nachfolge "nexxt-change": Börse für die Unternehmens-Nachfolge (© 2015 ) - nexxt-change

 Auf der Startseite der Nachfolger-Börse gibt es drei Rubriken:

1. Sie suchen einen Nachfolger / Nachfolgerin

Hier gibt es 7511 Verkaufsangebote. Zwei Beispiele:

  • Familiengeführtes Tiefbauunternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad (Tief-, Kanal- und Straßenbau) in Lüneburg, 43 Mitarbeiter, 6 Mio. Umsatz in 2014, vielseitiger Maschinenpark.
  • Betonbauunternehmen (Herstellung Betonfertigteile und schlüsselfertiger Komplettbau in Industrie & Wohnungen), Süddeutschland, 40 Mitarbeiter, 9 Mio. Umsatz, eigener Kiesabbau.

2. Sie suchen ein Unternehmen

Hier gibt es 2856 Kaufgesuche. Zwei Beispiele:

  • Tierfutter-Produzent von Trockenfutter (mit eigener Produktionsstätte in Europa) gesucht. Umsatz: 5 bis 50 Mio. Euro, Kaufpreis (ertragsabhängig): bis 20 Mio. Euro. Investor sucht zum Markteintritt eine Futtermittelfabrik mit eigener Marke. Das Unternehmen sollte profitabel sein.
  • Facility Management / Haus- und Gebäude-Dienstleistungen sucht bundesweit ein Facility Management-Unternehmen mit Wartungsverträgen für Immobilienbestände mit 10 bis 25 Mio. Euro Umsatz.

3. Sie suchen einen Regionalpartner für die Vermittlung

Das Angebot umfasst 792 Partner und Anlauf-Institutionen (u. a. die regionalen IHK)

Weitere relevante Ratgeber können natürlich spezialisierte Unternehmensberater, Personalberater, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sein.

Kompass für den Richtigen

Ganz gleich, ob der Nachfolger aus dem Kreis der Familie, ein Mitarbeiter oder Externer sein soll: Der scheidende Chef sollte nicht nur ein klares Anforderungsprofil für den richtigen Kandidaten im Kopf haben – ihn können im Übergabeprozess auch zahlreiche Checklisten helfen, die das Herausfiltern der passenden Unternehmerpersönlichkeit erleichtern. Sie drehen sich um Themenkreise wie:

  • Kaufmännische, fachmännische und soziale Kompetenz des Kandidaten
  • Akzeptanz in der Führungsmannschaft und Mitarbeitern
  • Gesellschafts-, Ehe- oder Erbvertrag, Testament
  • Wertermittlung des Unternehmens
  • Rechtsform bei der Übertragung
  • Steuerliche Konsequenzen
  • Zahlungsmodalitäten

Countdown für die Suche

In einem Punkt bzgl. einer klugen Nachfolge-Regelung sind sich alle Experten einig: Das A und O ist eine vorausschauende Vorbereitung. Dr. Jörg Zeuner von der KfW: „Grundsätzlich wichtig ist es, dass ein Unternehmer seine Nachfolge frühzeitig regelt. Besonders bei externen Nachfolgern sehen wir aber einen kritischen Engpass.“ Doch WIE eine vorausschauende Nachfolge-Regelung richtig gestalten. Der DIHK rät:

  • „Die Braut schmücken“: Schon drei bis zehn Jahre vor der geplanten Übergabe sollte der Inhaber damit beginnen, sein Unternehmen fit für die Übergabe zu machen. Ist das Portfolio marktgerecht? Stimmen die Margen? Ist meine Produktion auf dem neuesten Stand? Muss ich neu investieren? Stimmt die Unternehmensorganisation? Habe ich die richtigen Zulieferer und Finanzierungspartner?
  • Nachfolger-Suche: Spätestens drei Jahre vor der geplanten Übergabe mit der heißen Phase der Suche starten.
  • Unternehmen übergeben: Spätestens zwölf Monate vor Abschluss der Nachfolge den Prozess der Übergabe beginnen.
  • Stunde „O“: Nach Übergabe des Unternehmens muss das Spannungsfeld der Interessen von Inhaber, Familie, Nachfolger und Unternehmen harmonisiert sein.

An den 580.000 Unternehmen, die bis 2017 in neue Eigentümer-Hände übergehen werden, hängen übrigens vier Millionen Arbeitsplätze.

 

 

Den Richtigen finden: Wirtschaftsjournalist Thomas Jannot gibt im mDM-Video praktische Tipps, wie Betriebe den passenden externen Unternehmensnachfolger finden:


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