Frühzeitige Reaktion auf eine Unternehmenskrise

Egal ob Sie Fatalist oder Optimist sind: Eine Unternehmenskrise verlangt Führungspersönlichkeiten viel ab. Wir schlagen uns hier zwar deutlich auf die Seiten der positiven Denker, reibungslose Strategien zum Krisenmanagement gibt es allerdings nicht.

Das wird schon beim ersten Tipp deutlich: Lassen Sie es erst gar nicht zu einem unternehmerischen und existenzbedrohenden Dilemma kommen. Stecken Sie mitten in einer Krise, bringt Ihnen das freilich wenig bis gar nichts. Trotzdem gehört vorausschauendes Planen zum Thema Krisenmanagement beziehungsweise zum Turnaround Management. Wir berühren mithin ganz grob zwei Problemfelder:

  • Wie Sie Krisen vermeiden.
  • Wie Sie eine Krise bewältigen.

In beiden Fällen zeigen Ihnen ein paar wichtige Grundregeln, wie Sie richtig führen.

Vermeidbarkeit von Krisenfällen

Reagieren Sie in jedem Fall so früh es geht auf Krisen. Das bedeutet konkret, sobald alte Geschäftsstrategien in absehbarer Zeit nicht mehr profitabel sind, leiten Sie eine Wende ein. Das geht nur mit einem funktionierenden Controllingsystem.

Ganz allgemein gesagt, achten Sie immer auf:

  • Umsätze
  • Kosten
  • Gewinne

Optimierungen finden Sie nur, wenn Sie gleichzeitig mit Ihrer Führungsebene und den Mitarbeitern kommunizieren. Leiten Sie hingegen die Geschicke Ihre Firma vom Elfenbeinturm aus, ist ein Fehlschlag fast schon vorprogrammiert. Richtig führen heißt, Sie fördern den Austausch innerhalb der Firma und lassen alle Beteiligten an der Problemlösung teilhaben.

Prozesse im Krisenmanagement

Eine Unternehmenskrise kommt nur in den seltensten Fällen aus heiterem Himmel. Missstände lassen sich in verschieden Phasen unterscheiden, die zeitlich aufeinanderfolgen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat die Wichtigsten zusammengefasst:

  • Strategiekrise. Diese Phase fällt in das oben beschriebene Schema der Früherkennung. Aus den unterschiedlichsten Gründen geht Ihr unternehmerisches Handeln nicht mehr auf.
  • Erfolgskrise. Es wird ernst und der Zustand hat sich deutlich verschlimmert. Sie erreichen Ihre Ziele nicht mehr, fahren vielleicht sogar schon Verluste ein und dem ganzen Unternehmen ging es schon mal besser.
  • Liquiditätskrise. Die Unternehmenskrise ist bereits im Endstadium, wie das BMWi urteilt. Sie können nicht mehr zahlen, Ihre Kredite werden nicht bedient und das Vertrauen der Kunden ist dahin.
  • Insolvenz. Am Schluss des Elends droht die Zahlungsunfähigkeit. Und trotzdem gibt es noch Chancen für einen Neuanfang.

In allen Zeitabschnitten müssen Sie richtig führen können.

Handlungsmöglichkeiten in der Krise

Unternehmenskrisen, egal in welcher der beschriebenen Phasen, lassen sich meistens auf Geldprobleme herunterbrechen. Oft sind entweder die Einnahmen zu niedrig oder Ihre Kosten zu hoch.

Sind Ihre Einkünften zu gering , identifizieren Sie das Problem und leiten Sie Gegenmaßnahmen ein:

  • Stellen Sie die Konzeption Ihrer Zielgruppen infrage. Wer soll Ihr Produkt kaufen? Existieren diese Menschen wirklich oder nur in der Theorie?
  • Funktioniert Ihr Marketing überhaupt? Kommt die Werbebotschaft an und wird sie verstanden? Sie müssen unbedingt die richtigen Kommunikationskanäle für Ihre Zielgruppe nutzen.
  • Pflegen Sie Ihre Stammkunden und gelingt die Neukunden-Akquise? Beides ist wichtig, vor allem Ihre regelmäßigen Abnehmer machen das Gros Ihrer Einkünfte aus.
  • Ist Ihr Produkt zu teuer? Die Konkurrenz hat Sie im Preiskampf vielleicht längst abgehängt. Überwachen Sie den Markt.
  • Ist Ihr Produkt teuer genug? Das heißt, können Sie die Preise unter Umständen erhöhen?
  • Haben Ihre Kunden überhaupt einen Nutzen von Ihrem Produkt? Ist die Unternehmenskrise besonders schwerwiegend, müssen Sie gegebenenfalls Ihr Erzeugnis verbessern oder verändern.

Sind die Kosten das Problem, finden und beheben Sie ebenfalls die Fehlerquellen:

  • Dokumentieren Sie Ihre Unkosten, Spesen, Aufwände und so weiter überhaupt punktgenau? Bevor Sie sparen, müssen Sie wissen an welcher Stelle.
  • Wo können Sie Kosten reduzieren? Das beginnt bei der Miete, betrifft aber auch Ihre Outsourcing-Partner, Lieferanten, Sprit- und weitere Energiekosten sowie vieles mehr.

Erschließen Sie eventuell neue Kapitalquellen, indem Sie die Einlagen erhöhen oder neue Geldgeber finden. Sie können auch Anteile Ihrer Firma oder Material wie Maschinen verkaufen, um wieder in den schwarzen Zahlen zu landen. Übrigens: Mit Bank und Finanzamt lässt sich verhandeln. Kreditzinsen können ausgesetzt werden und Steuerzahlungsziele sind verlängerbar.

Krisenkommunikation als Schlüssel zum Erfolg

Einkommen- und Kostenberechnungen allein helfen Ihnen nicht aus der Krise. Sie müssen richtig führen. Das heißt: Sie stellen Transparenz und Kommunikation in den Vordergrund. Sie denken und handeln als Teamplayer, nicht als Einzelgänger.

  • Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter schon in den frühen Phasen mit ein. Niemandem ist geholfen, wenn der Chef Probleme verschweigt.
  • Vermitteln Sie Ihren Angestellten das Gefühl, ihre Arbeit ist geschätzt und wesentlich für die Firma. Zugegeben, das klingt etwas abgegriffen, hilft aber, wenn Sie es ernst meinen und auch so vermitteln.
  • Interne Kommunikationsunfälle werden passieren, besonders mitten in einer Unternehmenskrise. Bitten Sie Ihre Mitarbeiter um Nachsicht und bleiben Sie ihnen essenzielle Informationen nicht schuldig.
  • Bei Versammlungen mit der Belegschaft müssen Sie Rede und Antwort stehen. Schicken Sie keine Vertretung, selbst wenn Sie eine Insolvenz ankündigen.

Ein Kommunikationskonzept wirkt nicht nur nach innen positiv, sondern auch nach außen. Das macht sich gut, sobald die Krise überwunden ist und auch wenn ein Neuanfang gewagt wird.

Professionelle Krisenmanager führen aus der Misere

Den Weg aus einer Unternehmenskrise ist manchmal nur mit Hilfe zu finden. Es gibt externe Coachings für Entscheider, die den richtigen Führungsstil vermitteln, Taktiken zur Stressverminderung aufzeigen und schließlich praktische betriebswirtschaftliche Tipps bieten.

Nachteil: Consultingfirmen lassen sich die Beratung meist teuer bezahlen. Wägen Sie in einer Kosten-Nutzen-Rechnung ganz genau ab, ob ein Coaching für Sie infrage kommt.

Krisenmanagement ist immens wichtig. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) gingen im Juli 2015 3,6 Prozent mehr Unternehmen in die Insolvenz, als im Juli 2014. In absoluten Zahlen bedeutet das: Es gab 2.187 Unternehmensinsolvenzen im besagten Monat 2015. Wollen Sie künftig nicht dazu gehören, sollten Sie zusammengefasst:

  • Vorausschauend planen
  • Probleme finden und lösen
  • Richtig führen

Weiterführende Links:

  • VW macht aktuell im gewissen Sinne eine Unternehmenskrise durch: In der "Welt" kommentieren Topmanager das Krisenmanagement des Großkonzerns.
  • Richtig führen und mehr: Auch das "Capital" hat 6 Tipps für den Krisenfall zusammengestellt.