Die Kunst des Krieges nutzen

Der Feldherr und Philosoph Sunzi schrieb vor mehr als 2.500 Jahren "Die Kunst des Krieges". Seitdem kursieren viele Legenden rund um das Werk: Angeblich ist jeder General unbesiegbar, solange er sich an das Regelwerk des Chinesen hält. Den Mythos des Sieges nutzen nicht nur Militärs, sondern in heutiger Zeit vor allem auch Manager – aber warum hält ein antiker Text die Gemüter von Entscheidern, Firmenlenkern und Machern so im Bann?

Kurze Antwort: Sunzi bietet mit seinen Sinnsprüchen Lösungsmethoden für ganz konkrete Probleme. Dazu ist vom Leser gewiss eine Transferleistung gefordert, mit anderen Worten eine Interpretation in den betriebswirtschaftlichen Kontext hinein.

Die 13 Kapitel und 68 Thesen des chinesischen Generals starten, wo sonst, bei der Planung ...

Unternehmensstrategien vorbereiten

Bevor Sie in die Schlacht ziehen, müssen Sie die fünf fundamentalen Gesetze des militärischen Gefechtes kennen. In der Philosophie von Sunzi scheinen einige für den modernen Leser ziemlich esoterisch – es ist von Moral, dem Unterschied von Himmel und Erde, aber auch den Methoden der Befehlshaber die Rede.

Das ganze logische Konstrukt weist allerdings auf elementare Fragen und Einstellungen hin, die für die Entwicklung von Unternehmensstrategien interessant sind. Zunächst das Offensichtliche:

  • Berücksichtigen Sie alle Erkenntnisse, die Ihnen zur Verfügung stehen.
  • Jede Information über die Konkurrenz, Marktlage, Kostenentwicklung und die vielen anderen Daten, die Ihnen zur Verfügung stehen, formen erfolgreiche Betriebsprozesse.

Bedenken Sie, Krieg war für Sunzi eine sehr schwerwiegende Angelegenheit. Staatsmänner und Feldherren sollten sich erst nach reiflicher Überlegung auf einen Kampf einlassen. Genauso sollten Firmen erst nach einer tiefgehenden Recherche und Analyse ein Produkt oder eine Dienstleistung anbieten.

Position definieren

Ein wiederkehrendes Element in den Kapiteln von Kunst des Krieges ist die Position. Für Sunzi wird die Entscheidung, wie einzelne Truppen und die ganze Armee auf dem Schlachtfeld angeordnet werden, von vielen Faktoren beeinflusst:

  • Zum Beispiel ist die physische Beschaffenheit des Geländes entscheidend.
  • Außerdem ist es wichtig zu antizipieren, wie der Gegner das Terrain seinerseits liest und nutzt.

Auf dem betriebswirtschaftlichen Schlachtfeld ist es ebenso wichtig, sich mit dem Thema Positionierung auseinanderzusetzen. Die klassischen Varianten der Unternehmensstrategien spiegeln genau dies wider:

  • Differenzierung. Sie positionieren sich bei dieser Spielart in Differenz zur Konkurrenz. Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung ist anders, innovativer und besser. Dafür lassen Sie sich auch etwas mehr finanzielle Mittel fließen als Ihre Gegner, denn Qualität kostet schließlich. Das Risiko ist natürlich, dass Sie Ihrem Kunden tatsächlich die versprochene Güteklasse liefern müssen.
  • Kostenführerschaft. Sie platzieren sich mit niedrigen Kosten und Dauertiefpreisen. Bestes Beispiel für solch eine Unternehmensstrategie sind beispielsweise die Einzelhandelsdiscounter – unschlagbar billig und überall. Es reicht nämlich nicht, Ausgaben und Gebühren niedrig zu halten, Sie müssen gleichzeitig in großer Menge produzieren. Gewinnmargen sind oftmals niedrig, mit der Masse wird dies ausgeglichen.
  • Nische. Beziehen Sie diese Position auf dem ökonomischen Schlachtfeld, bedienen Sie eine hoch spezialisierte Zielgruppe. Preise, Herstellungskosten, Marketing, Branding und alles Andere müssen allerdings streng auf diese Abnehmer gemünzt sein.

Was für Sunzi das Terrain des Schlachtfeldes darstellt, ist im Prinzip mit der Marktsituation gleichzusetzen. Sie müssen aber nicht nur das Gebiet kennen, sondern wissen, wie sich Ihre Konkurrenz darauf bewegen kann.

Unternehmensstrategien dynamisch umsetzen

Laut der Philosophie von Sunzi verändert sich die Schlacht ständig. Feldherren müssen jede Situation stets vorsichtig neu bewerten und alte Handlungsmuster gegebenenfalls anpassen. Dafür ist ein steter Informationsfluss aus verlässlichen Quellen notwendig. So betont der chinesische General im 13. Kapitel seines Werkes etwa, wie wichtig Geheimdienstinformationen sind.

Gemünzt auf Ihre Unternehmensstrategie bedeutet das:

  • Beobachten Sie ständig Ihr Marktsegment.
  • Behalten Sie Ihre Zielgruppe im Auge.
  • Identifizieren Sie wichtiges Know-how.
  • Entwickeln Sie ein Knowledge Management – dazu erfahren Sie auch mehr in unserem Ratgeber.

Ergänzend dazu empfiehlt der "Harvard Business Manager" sinngemäß: Ein strategischer Planungsprozess muss sich immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen. Unternehmensstrategien werden daher nicht nur ein einziges Mal fixiert, sondern wachsen dynamisch mit den Ansprüchen.

Weiterführende Links:

  • Neue Inspirationsquelle: Was Manager von Künstlern lernen können, weiß das Magazin "Capital".
  • Unternehmensstrategien sind ohne die richtigen Führungstypen wertlos: Welche Charaktere Sie in Ihrer Firma brauchen, erklärt das Portal "CIO".