Nach Adam Ries: Rechnen Sie genau nach

In Sachen Ferien der Belegschaft müssen Chefs ihre Rechte und Pflichten bis auf den I-Punkt akkurat kennen. Das gilt für den Urlaubsanspruch bei Mutterschutz oder den Resturlaub bei Kündigung – und natürlich auch für den Urlaubsanspruch bei Teilzeit.

Hier kommt es im Detail darauf an, welche Vereinbarung Sie mit Ihren Angestellten getroffen haben. Erstes Beispiel: Eine Teilzeitkraft arbeitet drei Tage in der Woche für jeweils vier Stunden.

Nun suchen Sie Ihre Variablen zusammen und spitzen den Bleistift:

  • Wie hoch ist der Mindesturlaub für eine Vollzeitkraft an fünf Tagen in der Woche? Das könnte zum Beispiel die Mindestanzahl von 20 Tagen im Jahr sein.
  • Teilen Sie diese Menge von Urlaubstagen durch jene von Tagen, an denen ein Vollzeitbeschäftigter anwesend ist.
  • Das Ergebnis multiplizieren Sie mit der Anzahl der Arbeitstage der Teilzeitkraft.

In unserem Beispiel also: 20 durch fünf mal drei gleich zwölf Urlaubstage.

Teilzeit nach Stundenregelung: Urlaubsanspruch gewähren

Doch was, wenn das Modell der verringerten Arbeitszeit in Ihrem Fall ganz anders aussieht? So haben Sie eventuell keine festen Tage vereinbart, an denen Ihr Mitarbeiter auf der Matte steht, sondern gemeinsam eine Mindestanzahl von Stunden festgelegt.

Natürlich gibt es auch dafür eine Formel. Ein Beispiel: Üblicherweise werden in Ihrem Unternehmen 37,5 Stunden pro Woche Vollzeit gearbeitet. Bei einer Teilzeitstelle müssen 18 Stunden abgeleistet werden. Und zwar völlig egal an welchen Tagen.

Jetzt wird bei der Berechnung des Urlaubsanspruchs von einer Fünftagewoche ausgegangen, denn die 18 Stunden kann Ihr Angestellter nach Belieben in der Woche hin und her schieben. Das bedeutet:

  • Solange die Urlaubstage nicht durch tarifliche Regelungen oder interne Absprachen anders geregelt sind,
  • hat Ihr Mitarbeiter Anspruch auf das Minimum von 20 Urlaubstagen im Jahr.

Nichts dem Zufall überlassen: Planen Sie einen Wechsel minutiös

Nicht selten wechseln Arbeitnehmer von einer Vollzeit- auf eine Teilzeitstelle. Worauf müssen Sie in solchen einem Fall achten? Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat erst Anfang 2015 eine neue Regelung bezüglich des Urlaubsanspruches beschlossen.

Und demnach dürfen Ihre Untergebenen sogar mit mehr Urlaub rechnen. Warum? Das erklärt der Vorsitzende Richter Gernot Brühler in der "Welt":

"Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) darf die Zahl der Tage des bezahlten Jahresurlaubs wegen des Übergangs in eine Teilzeitbeschäftigung nicht verhältnismäßig gekürzt werden."

Das heißt, der Urlaubsanspruch wird beim Wechsel nicht umgerechnet. Im Beispiel sieht das so aus:

  • Im Juli wechselt einer Ihrer Angestellten von Voll- auf Teilzeit.
  • Von Januar bis Juni hat er noch keinen Urlaub genommen.

In solch einem Fall errechnen Sie zuerst den Urlaubsanspruch für das erste Halbjahr in Vollzeit. Es ergibt sich die Hälfte des Jahresanspruchs – bei 20 Urlaubstagen also zehn Tage.

Jetzt kalkulieren Sie die Urlaubstage für das zweite Halbjahr in Teilzeit:

  • Das Ergebnis der ersten Rechnung – in unserem Fall zehn – teilen Sie durch die Anzahl der wöchentlichen Arbeitstage bei normaler Beschäftigung – zum Beispiel fünf.
  • Multiplizieren Sie das Ergebnis mit der Anzahl der Arbeitstage in Teilzeit – beispielsweise drei.

Heraus kommt: zehn geteilt durch fünf mal drei gleich sechs Urlaubstage. Für den Gesamtanspruch beim Wechsel von Voll- auf Teilzeit addieren Sie die beiden Resultate aus den Halbjahren. Der Urlaubsanspruch beim Wechsel auf Teilzeit beträgt in unserem Fall 16 Tage.

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