Urlaubsgeld: Entlastung für die Urlaubskasse

Für Mitarbeiter ist das Urlaubsgeld ein begehrter Bonus. Verständlich, denn ein Familienurlaub kann durchaus große Löcher in die Familienkasse reißen. Für einen Arbeitgeber ist das der Moment, in dem er durch eine Sonderzahlung seine Wertschätzung gegenüber der Belegschaft besonders gut zum Ausdruck bringen kann.

"Die Mitarbeiter entlastet die Auszahlung in finanzieller Hinsicht enorm – das stärkt die Bindung ans Unternehmen", sagt zum Beispiel die Rechtsanwältin und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Brands for Talents Ina Claßen. Urlaubsgeld sei damit "eine lohnende Investition für beide Seiten."

Gerade mittelständische Arbeitgeber sollten diesen Effekt nicht unterschätzen: Oft seien bei kleineren Betrieben Incentives rarer als bei den großen. Entsprechend "groß" sei die Freude darüber seitens der Belegschaft, weiß Ina Claßen.

Urlaubsgeld: Wie hält es der Mittelstand?

Tatsächlich ist Urlaubsgeld bei zahlreichen kleinen und mittleren Betrieben kein Fremdwort: Rund 36 Prozent der Kleinbetriebe mit weniger als 100 Beschäftigten zahlten Ihren Mitarbeitern im vergangenen Jahr Urlaubsgeld. Bei den größeren Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten waren es 56 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Umfrage des Portals Lohnspiegel.de.

Die wesentlichen Ergebnisse auf einen Blick:

  • Beschäftigte mit Tarifbindung erhalten zu 59 Prozent Urlaubsgeld.
  • Arbeitnehmer ohne Tarifbindung zu 33 Prozent.
  • Im Westen fällt der Anteil höher aus (48 Prozent) als im Osten (32 Prozent).

Die Höhe des ausgezahlten Urlaubsgelds variiert in ähnlichem Maße: Zwischen 155 und 2.204 Euro bekamen tariflich entlohnte Beschäftigte im vergangenen Jahr, wobei Arbeitnehmer in der Landwirtschaft und im Steinkohlenbergbau die niedrigsten Eingänge auf ihren Konten verbuchten.

Arbeitnehmer der Holz- und Kunststoffverarbeitung, in der Druck- sowie in der Metallindustrie gehörten dagegen in Sachen Urlaubsgeld zu den Spitzenreitern.

Dazu verpflichtet, Angestellten Urlaubsgeld auszuzahlen, sind Arbeitgeber aber nicht. Es sei denn, der Urlaubsbonus ist im Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder im Arbeitsvertrag festgeschrieben. Ist dies nicht der Fall, ist die Sonderzahlung eine freiwillige Leistung, über die der Arbeitgeber von Jahr zu Jahr neu entscheiden kann.

Urlaubsgeld ist eine freiwillige Leistung

Doch Vorsicht: Die freiwillige Leistung kann auch zur fixen Kostensteigerung werden: "Wird wiederholt Urlaubsgeld ausbezahlt", warnt die Juristin Claßen, "kann dies als betriebliche Übung eingestuft werden. Hieraus kann sich ein dauerhafter Anspruch des Arbeitnehmers ergeben."

Insbesondere kleine mittelständische Betriebe stellt das mitunter in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vor Probleme. Claßen rät daher, die sommerliche Extra-Zahlung in einem Schreiben an die Mitarbeiter anzukünden. Hierin sollte ausdrücklich auf die "Freiwilligkeit der Leistung" hingewiesen werden. Eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag allein sei dagegen oftmals nicht ausreichend.

Ist der Anspruch erst einmal zementiert, kann dieser nur durch eine Änderungskündigung wieder rückgängig gemacht werden. Doch die ist zäh, kompliziert und selten von Erfolg gekrönt.

Was Arbeitgeber bei der Auszahlung von Urlaubsgeld außerdem beachten müssen:

  • Es gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung: Wer ein sommerliches Extra zahlt, muss dieses allen Arbeitnehmern zukommen lassen.
  • Die Sonderzahlung ist als normaler Arbeitslohn voll steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Die steuerfreie Alternative zum Urlaubsgeld

Es gibt aber auch eine steuer- und sozialversicherungsfreie Alternative zum Urlaubsgeld, sagt Thomas Rau, Steuerberater bei der Kanzlei Simon & Partner: "Möglich ist stattdessen die Ausgabe von Warengutscheinen. Diese sind bis zu einem Betrag von 1080 Euro im Rahmen des Rabattfreibetrages steuer- und sozialversicherungsfrei."

Hierbei gilt jedoch, dass sich die Gutscheine auf Waren beziehen müssen, die der Arbeitgeber üblicherweise vertreibt. Sich das Geld alternativ vom Aussteller des Gutscheins auszahlen zu lassen, ist indes nicht erlaubt.

"Daneben können Erholungsbeihilfen gewährt werden, die pauschal vom Arbeitgeber mit 25 Prozent versteuert werden. Zusätzlich fallen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und pauschale Kirchensteuer an", sagt Rau. "Die Beihilfen dürfen im Kalenderjahr 156 Euro für den einzelnen Arbeitnehmer, 104 Euro für den Ehegatten und 52 Euro für jedes Kind nicht übersteigen."