Venture-Capital als feste Größe in der deutschen Start-up-Szene

Egal, wie gut die Geschäftsidee: Solange die Unternehmensfinanzierung nicht steht, sind Sie als Jungunternehmer ausgebremst. Mit Venture Capital können Sie Ihr Vorhaben in fortgeschrittenen Gründungsphasen auf Touren bringen.

Venture-Capital-Gesellschaften investieren vorrangig über sogenannte Venture Capital-Fonds in junge Unternehmen. Dabei tragen sie einen Teil des finanziellen Risikos, bekommen dafür aber Anteile am Unternehmen. Da Venture Capital-Gesellschaften meist einen Branchenschwerpunkt haben, unterstützten sie ein Start-Up im Idealfall aber nicht nur mit Kapital, sondern auch mit wertvollem Know-how.

In Deutschland hat sich diese Art der Unternehmensfinanzierung seit den Achtzigerjahren immer mehr etabliert:

  • Gemäß BVK (Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften) wurde 2013 mit 670 Millionen Euro so viel Venture Capital in deutsche Unternehmen investiert, wie seit Jahr dem Jahr 2008 beziehungsweise dem Beginn der Finanzkrise nicht mehr.

Im Gegensatz zu der amerikanischen befindet sich die deutsche Venture-Capital-Szene jedoch noch immer im Aufbau. Daher buhlt eine größere Anzahl an Jungunternehmen um die Gunst einer kleineren Anzahl an Investoren. Bei Ihren Bemühungen um Venture Capital sollten Sie daher keinesfalls wahllos vorgehen: Nur wenn Ihr Businessplan überzeugend ist und beim richtigen Adressaten landet, dürfen Sie auf Erfolg hoffen.

Venture-Capital-Investoren: Welcher ist der Richtige?

So unterschiedlich wie die Start-ups sind auch die Investoren. Je nach Branchenfokus und Investitionssumme kann in vier Investorengruppen unterschieden werden:

  • Klassische Venture-Capital-Gesellschaften
  • Venture-Capital von Förderbanken
  • Corporate Venture-Capital-Gesellschaften (CVC) und
  • Gründerfonds

Klassische Venture-Capital-Gesellschaften fokussieren sich meist auf wenige Branchen und bringen daher wichtiges Know-how für das Start-up mit. Ihre Mindestinvestitionssumme liegt jedoch meist über 50.000 Euro, weswegen sie nur für große Vorhaben geeignet sind.

Die Mindestbeteiligung bei den Beteiligungsgesellschaften von Förderbanken beginnt hingegen schon ab 20.000 Euro. Da hier grundsätzlich jedoch kein spezieller Branchenfokus besteht, bringt eine Förderbank tendenziell weniger Kenntnisse in das Start-up mit ein.

Corporate Venture Capital-Geber wie beispielsweise die BASF Venture Capital GmbH sind Tochtergesellschaften von Großunternehmen und unterstützen dementsprechend Start-ups in verwandten Branchen.

Der High-Tech Gründerfonds stellt eine besondere Form von Venture Capital dar. Finanziert von der KfW Förderbank, dem BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) und privaten Unternehmen wie Siemens oder Bosch, fördert der Fonds hauptsächlich technologieorientierte Unternehmen mit Risikokapital. Als weitere Variante von Gründerfonds haben sich aber längst auch private Fonds wie etwa der Heureka Growth Fund von Acton Capital Partners und Burda etabliert.

Venture Capital-Gesellschaften unterscheiden sich jedoch nicht nur nach Branchenfokus und Investitionssumme, sondern auch nach der Investitionsphase:

  • Einige finanzieren Start-ups ausschließlich in der „Seed“- bzw. der Vorgründungsphase.
  • Bei der Gründungsfinanzierung fließt das Geld hingegen erst zur Markteinführung und nachdem die Produktentwicklung abgeschlossen ist.
  • Auf Expansion fokussierte Venture-Capital-Geber bezuschussen erst dann, wenn erste Umsätze erzielt worden sind und der Ausbau der Marktposition ansteht.

Ist der richtige Investor gefunden? Dann beginnt nun die Überzeugungsarbeit.

Netzwerke aufbauen und die Idee an den Mann bringen

Die richtigen Venture-Capital-Geber sind ausfindig gemacht, doch wie stellen Sie diesen nun überzeugend Ihre Idee bzw. Ihren Businessplan vor? Dr. Tanja Emmerling, Investment Managerin beim High Tech Gründerfond, rät…

  • an entsprechenden Start-up- oder Pitch-Veranstaltungen sowie an Businessplanwettbewerben teilzunehmen. Hier können wichtige Kontakte geknüpft und erste Gespräche geführt werden.
  • Gründer können ihren Businessplan aber auch immer direkt an den Investor schicken und sich um eine Unternehmensfinanzierung bemühen.

Ob ein Businessplan gut ist, macht Dr. Emmerling an 4 Kriterien fest:

  • Die Technologie ist innovativ.
  • Der USP (Unique Selling Proposition) ist deutlich erkennbar.
  • Das Marktpotenzial ist groß.
  • Die Wettbewerbssituation ist günstig.

Das Konzept muss insgesamt rund und die getroffenen Annahmen nachvollziehbar und transparent sein. Zudem sollte eine klare Vorstellung von potenziellen Exit-Szenarien vorhanden sein: Die Investoren wollen wissen, wann und an wen Sie Ihre Anteile im Anschluss an die Förderung gewinnbringend verkaufen können.

Neben einem durchdachten Business-Plan und klaren Vorstellungen, wie der Markt angegangen werden soll, achtet Dr. Emmerling bei einem ersten Kennenlernen auch auf das „Commitment“ des Stat-up-Teams:

„Die Gründer sollten 100 Prozent an Board sein und nicht noch diverse Nebenbaustellen haben.“

Risiken und Chancen der Venture Capital-Finanzierung

Bei der Venture Capital-Finanzierung unterstützt der Investor ein junges Unternehmen nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Know-how. Wenn es gut für ihn läuft, geht er zum Abschluss der Venture-Capital-Finanzierung mit einem Gewinn aus der Vereinbarung. Wenn es schlecht läuft, fährt sein Geld am Ende keine Rendite ein oder geht sogar gänzlich verloren. Das hohe Risiko auf Investorenseite begründet eben auch die Bezeichnung Venture Capital, zu Deutsch Risikokapital.

Für Sie als Gründer hat das Wagniskapital den Vorteil, dass Sie im Falle des Scheiterns Ihrer Unternehmensidee das Geld nicht zurückzahlen müssen. Im Gegenzug für die Unternehmensfinanzierung räumen Sie Ihrem großen Bruder Mitspracherecht ein und müssen bei Erfolg den Gewinn mit Ihrem Investor teilen.

Eine gute rechtliche Beratung ist bei Venture Capital daher Pflicht, so die Anwältin Eva-Juliane Jerratsch:

„Verträge müssen stets von einem guten Rechtsanwalt geprüft werden. Mittlerweile gibt es dafür zahlreiche Beratungsstellen.“

Weiterführende Links:

  • Wie Sie Ihr Geschäftsvorhaben erfolgreich präsentieren, lesen Sie bei gründerszene.de. 
  • Alternative Möglichkeiten der Start-up-Finazierung lesen Sie bei foerderland.de.