Vertrauensarbeitszeit: Darum geht es

Es lebe die Flexibilisierung: In der heutigen Wirtschaftswelt wird die Arbeitszeit immer häufiger variabel gestaltet. Eines der Modelle ist die Vertrauensarbeitszeit. Das bedeutet konkret: Der Chef verzichtet auf eine penible Erfassung der geleisteten Stunden und räumt seinen Mitarbeitern mehr Spielraum ein. Die Belegschaft kann sich somit selbst einteilen, wann sie ihre Aufgaben erledigt.

Flexible Arbeitszeit: Das sind die Vorteile

Es ergibt keinen Sinn, Mitarbeiter zum Absitzen ihrer Arbeitszeit zu verdonnern. Vor allem Fachkräfte sind durchaus bereit, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen: Sie planen ihre Projekte größtenteils selbst und haken die Task ab, wenn Sie es für sinnvoll erachten. Dies setzt allerdings auch eine gewisse Reife und Arbeitserfahrung voraus.

Vertrauensarbeitszeit führt dazu, dass ...

  • ... Sie konjunkturelle Schwankungen besser ausgleichen. Die Produktion boomt gerade? Dann können Sie von den Mitarbeitern auch etwas mehr Einsatz erwarten. Ist mal weniger los, dann sollten die Angestellten dafür aber auch früher Feierabend machen dürfen.
  • ... Mitarbeiter ihren Beruf und ihre Familie besser miteinander vereinbaren. Das Kind eben mal von der Kita abholen? Die Großmutter zum Arzttermin begleiten? Alles kein Problem.
  • ... die Mitarbeitermotivation steigt. Wer sich Dinge selbst einteilen darf, stürzt sich mit mehr Freude auf die Arbeit.

Vertrauensarbeitszeit: Vorsicht vor diesen Tücken

Wie so viele Modelle, hat auch die Vertrauensarbeitszeit ihre Nachteile. Was, wenn plötzlich alle Mitarbeiter ihren individuellen Zeitplan zusammenschustern? Dann verlieren Sie als Chef den Überblick, wer zu welchem Zeitpunkt erreichbar ist. Auch für Kunden und Lieferanten kommt es zu Irritationen, wenn E-Mails oder Telefonate zu den regulären Arbeitszeiten unbeantwortet bleiben. Versuchen Sie daher, die Vertrauensarbeitszeit zu strukturieren. Das gelingt mit Kernzeiten (zum Beispiel von 09.00 bis 16.00 Uhr), zu denen Ihre Mitarbeiter auf jeden Fall in der Firma anwesend sind.

Ein weiterer Problemfall der flexiblen Arbeitszeit: Work-Life-Blending. Dieser Begriff beschreibt das Ende der Work-Life-Balance. An deren Stelle tritt eine Verschmelzung von Job- und Privatleben. Das Home Office beschleunigt diese Entwicklung. Aber Vorsicht: Wenn Ihre Untergebenen die Arbeit mit Firmenlaptops mit ins Schlafzimmer nehmen, dann kommt es zu Überlastungen. Für Sie als Chef ist es schwer abzuschätzen, ob sich Mitarbeiter zu Hause zuviel zumuten und ihre gesamte Freizeit für Berufliches opfern. Dies sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Überforderungen, Stress und zu kurze Ruhepausen führen schnell zu Burn-out. Stellen Sie daher sicher, dass Ihre Mitarbeiter genügend Zeit zur Erholung haben.

Ebenfalls wichtig: Ihre Angestellten sollten Ihnen anfallende Überstunden mitteilen. So können Sie Ressourcen rechtzeitig verschieben und übereifrigen Mitarbeitern unter die Arme greifen. Schließlich wollen Sie die Belegschaft mit dem Arbeitspensum auslasten, aber nicht überfordern.

Gar nicht mal so flexibel diese flexible Arbeitszeit?

Darüber hinaus sollten Sie auch beachten, dass ...

  • ... Ihr Vertrauen nicht ausgenutzt wird. Erlauben Sie Vertrauensarbeitszeit nur, falls Ihr Entgegenkommen nicht von der Belegschaft zum Müßiggang missbraucht wird.
  • ... gesetzliche Standards einzuhalten sind.

Wenn Ihr Unternehmen über einen Betriebsrat verfügt, dann muss die Arbeitszeit aufgezeichnet werden. Laut Artikel 80 des Betriebsverfassungsgesetzes hat der Betriebsrat die Aufgabe, die Einhaltung von Tarifverträgen und Mindestruhezeiten zu überwachen. Die Kontrolle der geleisteten Arbeitszeit können Sie als Chef nicht mit der Vertrauensarbeit aushebeln. Dies wird auch durch Artikel 16 des Arbeitszeitgesetzes untermauert. Dort heißt es:

"Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die über die werktägliche Arbeitszeit des § 3 Satz 1 hinausgehende Arbeitszeit der Arbeitnehmer aufzuzeichnen und ein Verzeichnis der Arbeitnehmer zu führen, die in eine Verlängerung der Arbeitszeit gemäß § 7 Abs. 7 eingewilligt haben. Die Nachweise sind mindestens zwei Jahre aufzubewahren."

Weiterführende Links: 

  • Flexible Arbeitszeit? In dieser Infografik sehen Sie, wie die Optimierung des Workflows gelingt.
  • Reizthema flexible Arbeitszeit: Viele Beschäftigte sind im Urlaub erreichbar.