Vom Kollegen zum Vorgesetzten: Was passiert mit mir?

Zunächst müssen Sie sich Ihrer künftigen Rolle klar werden: Sie sind neuer Chef, werden vom Kollegen zum Vorgesetzten. Als Mitarbeiter wissen Sie ja, wie es für eine Führungskraft ist, sich den gewünschten Ruf zu erarbeiten. Noch kniffliger ist es, wenn die Kollegen Sie bereits als Gleichberechtigten kennen. Jetzt müssen Sie Kommandos geben, Aufgaben delegieren und unzureichende Leistung ansprechen. Gleichzeitig dürfen Sie nicht zu sehr den neuen Chef heraushängen lassen, denn das kann schnell als Arroganz interpretiert werden.

„Es bleibt alles beim alten“ – leider nein

Durch die Beförderung vom Kollegen zum Vorgesetzten ändert sich einiges. Parolen wie „Alles bleibt beim alten“ sind Phrasen und könnten später zum Verhängnis werden. Deshalb: Kommunizieren Sie Ihren Aufstieg richtig und schaffen Sie eine klare Rollentrennung. Das muss natürlich nicht bedeuten, dass Sie unfreundlich und streng werden.

Die richtige Ansprache: Siezen oder Duzen?

Widmen wir uns den Formalitäten: Vielerorts wird ein neuer Chef gesiezt und siezt die Mitarbeiter auch selbst. Doch was, wenn Sie vorher die Kollegen geduzt haben? Bleiben Sie dabei. Neue Mitarbeiter können Sie zunächst Siezen und ihnen dann – ganz normal – irgendwann das Du anbieten, wenn Sie es für richtig halten.

Extra Würste gibt es nur in der Kantine

Einen neuen Chef, der seine Lieblinge bevorzugt, findet wohl jeder unsympathisch. Doch nun drohen Sie möglicherweise selbst so einer zu werden – vielleicht auch ganz unbewusst, als Sie vom Kollegen zum Vorgesetzten wurden. Die kollegialen Freundschaften, die Sie als Mitarbeiter auf gleicher Ebene geschlossen haben, dürfen Ihre Entscheidungen nicht beeinflussen.

Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer

Geschafft! Die Beförderung ist endlich da. Doch meist sind Sie nicht der einzige Kandidat, auch andere Kollegen können sich um die Stelle bemüht haben. Hier ist es wichtig, mit den Unterlegenen in Dialog zu treten, um ein Umkippen des Betriebsklimas zu vermeiden. Bieten Sie ihnen auch neue Aufgaben und Herausforderungen!

Auch nach oben hin zeigen, wer der Boss ist

Nicht nur den ehemaligen Kollegen müssen Sie deutlich machen, dass Sie nun ein neuer Chef sind – auch die obere Führungsetage muss es wissen. Wenn man vom Kollegen zum Vorgesetzten wird, neigt man dazu, das zu tun, was man bisher getan hat und dann vielleicht noch zwei oder drei Meetings mehr beizuwohnen. Dazu identifizieren sich neue Chefs oft noch zu sehr mit „ihrem Team“. Dabei sind Sie nun Teil eines weiteren, neuen Teams.

Unsicheres Verhalten = unsicherer Arbeitsplatz

Wenn man mehr oder weniger plötzlich vom Kollegen zum Vorgesetzten aufsteigt, drohen viele Fallstricke. Der Größte ist wohl Unsicherheit. Deshalb sollten Sie es vermeiden, zögerlich aufzutreten. Beginnen Sie mit kleinen Änderungen, wie zum Beispiel der Etablierung von regelmäßigen Abteilungsmeetings oder Zielvereinbarungen. Kommunizieren Sie alles transparent und beziehen Ihre ehemaligen Kollegen mit ein, so können Sie Unruhe vermeiden.

„Aber Du hast doch gesagt ...“ – Leere Versprechungen vermeiden

Vom Kollegen zum Vorgesetzten zu mutieren, ist ein bisschen wie die Wahl zum Klassensprecher: Es werden viele Versprechen gemacht. Doch damals haben Sie es auch nicht geschafft, die Große Pause zu verlängern oder einen Cola-Automaten aufzustellen. Deshalb: Keine leeren Versprechungen machen, sondern sorgfältig erdachte Entscheidungen treffen, die Sie mit Kollegen und Vorgesetzten abstimmen.

Neuer Chef sein ist kein Sprint, sondern ein Marathon

Ein neuer Chef neigt dazu, schnelle und radikale Maßnahmen zu treffen. Doch im Sprint kann einiges schief gehen und im schlimmsten Fall das Team verloren gehen. Deshalb auch hier: fundierte Entscheidungen treffen, die Ihnen langfristig nicht zum Verhängnis werden können.

Weiterführende Links: