Große Player, feine Startups

Wahrscheinlich ist es ganz gut, dass der Rückflug von San Francisco nach Deutschland elf Stunden dauert. Das ist etwas anstrengend, zumal nach vier Tagen im Silicon Valley, die vollgepackt waren mit Gesprächen, Präsentationen und jeder Menge Inspiration. Doch es ist auch eine gute Gelegenheit, die Tage an der amerikanischen Westküste Revue passieren, die Eindrücke sacken zu lassen und die ersten konkreten Ideen zu entwickeln, wie aus dem Gesehenen und Gelernten in Deutschland Neues entstehen könnte.

Als Partner und Coach bietet die Telekom ihren Kunden bestmögliche Unterstützung in der digitalen Transformation. Nach dem überwältigenden Erfolg unserer B2B Silicon Valley Tour haben wir deshalb zum zweiten Mal rund zwanzig Kunden zu einer Reise ins kalifornische Zukunftslabor eingeladen. Einen Blick hinter die Bühne, auf der die Welt von morgen entsteht, wollten wir unseren Kunden auf dieser Tour wieder bieten. Die Dinge live und in Farbe zu sehen, über die wir tagtäglich in der Zeitung lesen.

"Like"-Schild im Silicon-Valley: Atmosphäre ständiger Verbesserung (© 2017 Shutterstock / Katherine Welles)

Bekannte, große Player wie Cisco und Salesforce standen ebenso auf dem Programm wie kleinere, feine Firmen, darunter Capriza, Zimperium oder Gigster. Die Gruppe, darunter Manager von TÜV Rheinland, Sonepar, IoT Ventures, Searchmetrics oder Rödl & Partner, waren begeistert und überaus motiviert: Ob beim Startup Capriza, bei Docusign, das den elektronischen Austausch von Verträgen und unterschriebenen Dokumenten optimiert, beim Blick in die spannenden Labors von Oculus Rift bei Facebook, Cisco oder beim Dinner in San Francisco: Es wurde ausgiebig und angeregt diskutiert, über disruptive Geschäftsmodelle, die großen Treiber der Digitalisierung, die gigantischen Chancen für mittelständische Unternehmer – und natürlich die Frage, wie all die Erkenntnisse, Produktideen und wertvollen Hinweise, die wir auf der Reise gesammelt haben, sich umsetzen lassen ins tägliche Doing zuhause.

Etwa beim Thema Arbeit 4.0: Leistung hat viel mit guter vielfältiger Kommunikation zu tun – und mit effektiver Zusammenarbeit. Bei Cisco / Meraki konnten wir die sehr kollaborative, aber auch auf Leistungs-Transparenz getrimmte Arbeitswelt live erleben, ebenso wie die beeindruckende Atmosphäre bei Facebook, die von ständiger Verbesserung geprägt und extrem Umsetzungs-getrieben ist. Das neue Produkt „Facebook Workplace“ bildet die Bedeutung von Zusammenarbeit quasi symbolisch ab: eine spannende Kommunikationsplattform für Mitarbeiter innerhalb eines Unternehmens.

"Wir nehmen eine Menge Inspiration aus dem Silicon Valley mit nach Hause": Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland GmbH.  Foto: Focke Strangmann (© 2017 )

Big Data wandelt sich zu Smart Data

Vielleicht stärker als alles andere aber wird Künstliche Intelligenz die Art und Weise verändern, wie wir arbeiten. Das Startup Maluuba bringt Maschinen bei, zu denken, zu entscheiden und zu kommunizieren. Viele Anwendungen stehen noch am Anfang, noch ist nicht alles Gold was glänzt. Doch das „Deep Learning“ ist zweifellos einer der künftigen Megatrends, quer durch die Branchen – von Chatbots im Kundenservice bis hin zu Research- und Analyse-Aufgaben in Wissensberufen wie Anwälten oder sogar Ärzten.

Das große Thema hinter allen Zukunftsthemen, egal ob Künstliche Intelligenz oder kollaboratives Arbeiten, ist natürlich Big Data. Das sich zum Glück immer mehr zu Smart Data wandelt. Unsere Diskussion etwa bei Salesforce, aber eigentlich bei allen Stationen der Reise, zeigte einmal mehr: Erfolgreich ist, wer den Kunden ganz klar in den Fokus rückt. Denn dann entfaltet Smart Data sein ganzes Potential: Absatz und Kundenbindung steigern durch extrem spitzes Targeting („Segment of 1“), datengetriebenes Marketing, feinste Zielgruppensegmentierung. Das alles ist nicht nur schon Realität – es bietet auch das, worauf gerade der Mittelstand völlig zu Recht bei Digitalisierungsprojekten genau achtet: schnelle und messbare Ergebnisse. Mehr Umsatz, höhere Kundenzufriedenheit – hier wird die „Digitale Dividende“, die sich bei jedem Digitalprojekt auszahlen sollte, konkret fassbar. Es muss sich lohnen.

Das ist, natürlich, auch eine Frage der Geschwindigkeit. Weshalb mich persönlich bei jeder Reise ins Silicon Valley am meisten das Tempo beeindruckt und die ultrapragmatische Einstellung: Ausprobieren! Vorwärts! Das ist hier das Mindset. Capriza zum Beispiel, das komplexe Business Workflows auf Mobilgeräte bringt, hat sich auf die Fahne geschrieben, dass jede Transaktion als App den User nicht mehr als eine Minute kosten darf. Und bei den inzwischen legendären Wagniskapital-Gebern von Andreesen Horowitz gilt die Regel: Für jede Minute, die einer der Investoren zu spät zu einem Meeting kommt, sind zehn Dollar Strafe fällig.

Zeit ist eben Geld, und wer zu lange zögert, verpasst schnell den Anschluss. Es kommt, auch das hat unsere Reise wieder gezeigt, nicht auf die eine, perfekte Idee an. Sondern auf das stetige Ausprobieren und Verbessern. Ich bin sicher, wir alle nehmen eine Menge Inspiration für unser eigenes Geschäft aus dem Silicon Valley mit nach Hause. Und ich würde mich besonders freuen, wenn diese Freude und dieser Mut am Ausprobieren dabei eine große Rolle spielen. Eben: Digitalisierung einfach machen.