Wenn im Fernsehen die Traum-Bilder von Formel-1-Rennen live über den Bildschirm jagen, wenn Bundesliga-Fans etwa vom 1. FC Köln aus dem Häuschen geraten oder Millionen Zuschauer die Handball-Champions-League im TV verfolgen – dann läuft das über die Technik der Kölner _wige Group: 250 Mitarbeiter, 60 Millionen Euro Umsatz. Hauptsitz: Köln. Einsatzgebiet: die ganze Welt.

Die Kundenliste liest sich wie das Who´s who internationaler Top- und Life-Style-Brands: Porsche, Audi, Mercedes/AMG, Red Bull, VW, Fisherman´s Friend, RTL, DTM.

Jenseits der Technik produzieren die Kreativ-Redakteure auch Inhalte: Formate, die sprühende oder menschelnde Geschichten jenseits von Rennstrecke oder Spielfeld erzählen und das Sport-Ereignis veredeln. U.a. im Portfolio des Event-Allrounders:

  • Sponsoren akquirieren
  • Teilnehmer organisieren
  • Licht, Ton und Video stellen
  • Live-Übertragung ins TV
  • Redaktion
  • Vermarktung in TV und digitale Medien
Szenen-Foto eines _wige-Clips: Der Polo schießt den Ball mit der Flanke Richtung Tor - eine On-Board-Kamera rechts am Heck fängt die Szene "auf Augenhöhe" ein. Szenen-Foto eines _wige-Clips: Der Polo schießt den Ball mit der Flanke Richtung Tor - eine On-Board-Kamera rechts am Heck fängt die Szene "auf Augenhöhe" ein. (© 2015 _wige MEDIA AG)

_wige ist auch Erfinder-Company. Sie hat z. B. die elektronische Zeitnahme im Motorsport revolutioniert oder die visualisierten Weltrekordlinien beim Schwimmen erfunden.

Nächstes Umsatz-Ziel: 100 Millionen Euro

Das Unternehmen hat manche Krise durchstehen, die Aktie manche Turbulenzen überstehen müssen. Lauterbach übernahm erst vor zwei Jahren das Ruder, hat nach Umsatzverdoppelung und Umstrukturierung das Unternehmen letztes Jahr zurück in die Gewinnzone geführt. In drei Jahren will er die 100 Millionen Euro-Grenze knacken und im EBIT-Ziel-Korridor zwischen fünf und acht Prozent landen.

Peter Lauterbach in der Flottenhalle vor Ü-Wagen, die für den nächsten Live-Einsatz gerüstet werden. Peter Lauterbach in der Flottenhalle vor Ü-Wagen, die für den nächsten Live-Einsatz gerüstet werden. (© 2015 P. Lauterbach)

Peter Lauterbach kennt das internationale Sport-Business wie seine Westentasche: Früher moderierte der gelernte Journalist (Reuters, Pro7/Sat1, SKY) und Selfmade-Unternehmer jahrelang Formel-1-Rennen und andere Groß-Ereignisse, ist per Du mit Boris Becker, Michael Schumacher, Bernie Ecclestone.

Die zehn Meter vom Schreib- zum Konferenztisch in seinem Büro legt der 38-Jährige so präzise und mit so viel Verve zurück wie ein Formel-1-Bolide, der an die Startlinie der Pole-Position heranfährt. Fragen und Antworten zu Wachstum via Instinkt.

mittelstand DIE MACHER: Sie sind ein mittelständisches Unternehmen mit hoher Wachstums-Geschwindigkeit und ambitionierten Zielen – wie geht Wachstum?

Peter Lauterbach: „Wir wachsen über Produkt-Führerschaft und Diversifizierung sowie durch das Nutzen lukrativer Nischen. Wir kommen ja aus dem TV-Mediengeschäft im Motorsport und anderen emotionalen Sportarten, bieten aber unser Know-how in digitaler Kommunikation auch Unternehmen an. Man muss – und wir werden – die Nischen finden, in denen wir durch Produkt und Know-how einzigartig sind. Diese Nischen aufzuspüren – das ist meine Aufgabe: die Erlösquellen von morgen identifizieren. Dabei zielen wir zunehmend auf die Entwicklung von einzigartigen Plattformen, Produkten und Inhalten inkl. Distribution.“

Beispiel?

„Rückblick: Wir haben den Zuschlag für die elektronische Ausstattung der Formel-1-Rennstrecke in Sochi erhalten: Video-Überwachung von Fahrzeugen und Gelände, Glasfaserverkabelung, komplette Technik im Bereich Race-Control.  Diese Technik haben wir selbst entwickelt und konnten uns damit im Pitch gegen Siemens und weitere internationale Schwergewichte durchsetzen. Ausblick: Wir arbeiten stark am Ausbau von Second Screen Produkten und Sport-Unterhaltung abseits des klassischen TV-Erlebnisses. Das ist so eine typische Nische, vielmehr Marktlücke, in der wir starkes Wachstumspotenzial sehen. Um uns dafür zu rüsten, haben wir zum Beispiel die Produktions-Gesellschaft South & Browse gekauft und erweitern unsere Sport- und Lifestyle-Expertise um Unterhaltungs- und Format-Expertise.“

Welche Rolle spielt bei Entscheidungen für Geschäftsentwicklung der Instinkt?

„Bei jeder Richtungsentscheidung erarbeite ich mir auf Basis der Faktenlage zuerst mal meine eigene Meinung. Dann spiegele ich diese Meinung mit möglichst kritischen Gesprächspartnern – im Sinne von Härtetest einer Theorie. Dann kommt der ‚Bauch’ – aber ‚Bauch’ spricht erst dann, wenn ‚Kopf’ gedacht hat. Den Ausschlag gibt letztlich der Instinkt: Der Instinkt zeichnet ja den Unternehmer aus: für Entwicklungen, die richtigen Leute, für Kunden und für's Geschäft. Der Instinkt entscheidet am Ende im Zusammenspiel von Fakten, Verstand und Gefühl.

„Am Ende gewinnt immer mein Gefühl."

Entscheiden Sie instinktiv schon mal für oder gegen ein Investment, wenn die Zahlen eigentlich eine andere Entscheidung nahelegen? Weil Sie an die Idee glauben, obwohl die Zahlen eine andere Sprache sprechen?

 „Mach’ ich permanent. Am Ende gewinnt immer mein Gefühl. Beispiel: 2012 steckte das Unternehmen in einer Krise. In der Zeit gab es bei einem wichtigen Kunden ein Riesenproblem – wir brauchten dafür eine befreiende Lösung. Da hab’ ich einen Menschen kennengelernt, einen IT-Experten mit eigenem Unternehmen. Sein Hobby war schon damals Motorsport, er war Renndirektor beim internationalen Automobilverband. Er hat also seine Freizeit dort verbracht, wo wir unser Geld verdienen. Ich wollte ihn für meine Vision von einem technisch getriebenen Content-Haus gewinnen – und er kam tatsächlich zu uns an Bord. Er und sein Unternehmen – es ging um eine sechsstellige InvestitionDas war damals ein Risiko, weil es für diese Summe keine Gegenfinanzierung gab. Und es war überhaupt nicht klar, was daraus werden würde. Aber ich hab’ daran geglaubt, dass er unsere Probleme managen kann – und damit die Refinanzierung gesichert sein würde. Das war damals aber eine irrationale Entscheidung, die ein rein zahlengetriebener Manager natürlich nicht getroffen hätte. Diese Entscheidung war letztlich goldrichtig, hat sich schon x-fach zurückgezahlt. Ohne diesen Menschen hätten wir die Entwicklung, die wir heute bei Produktentwicklung, Innovationen usw. vollziehen, nie im Leben hingelegt. Heute ist dieser Mann bei uns der Technische Kopf.“

Können normale Unternehmen von der Formel 1 lernen?

„Unternehmen können tatsächlich eine Menge von der Formel 1 bzw. von hoch emotionaler Sport-Berichterstattung lernen. Nichts berührt die Menschen mehr als ein guter Film, weil Bewegtbild und Ton mehr Sinne ansprechen und Emotionen freisetzen, als Text und Foto. Auch jenseits von kurzen Werbe-Clips setzen immer mehr Firmen deswegen auch Filme zu Unternehmenskommunikation ein. Wir haben gerade den Auftrag übernommen, für ein Logistikunternehmen an 3.700 Standorten die Technik für filmische interne Kommunikation zu implementieren. Es geht um eine Art Infotainment, eine Mischung aus Unternehmensnachrichten und anderen relevanten Informationen. Das ist eine effektive Infrastruktur, um Mitarbeiter zu informieren bzw. ‚mitzunehmen’, die nicht am PC sitzen, sondern z. B. am Band arbeiten.“

Was hilft in der Krise?

„Demut. Sie hilft einem – egal ob Erfolg oder Misserfolg– die Kraft der Bodenständigkeit zu bewahren.“

Was bedeutet Glück für Sie?

„Meine Kinder sind gesund, meine Frau und ich sind gesund. Und viele Freunde sind gesund. Das allein ist für mich schon das allergrößte Glück.“

Weiterführende Links: