Digitaler Wandel, Big Data, Industrie 4.0: Jedes Unternehmen ist mittlerweile auch ein Softwareunternehmen, denn digitalisierte Prozesse sind heutzutage unausweichlich. Da gibt es den Dachdecker, der seine Konstruktionspläne per iPad abruft, die komplett vernetzte Bäckerei oder das Live-Tracking von Schiffscontainern dank innovativer M2M-Lösungen. Alles ganz schön futuristisch – und doch schon längst im Alltag angekommen.

Aber inwieweit hat diese digitale Transformation die Führungsspitzen erreicht? Wie viel digitales Know-how braucht ein CEO, um sein Unternehmen erfolgreich zu lenken? Das wird derzeit heiß debattiert. Bei zahlreichen Workshops mit Titeln wie „Digitalisierung ist Chefsache“, in diversen Studien und in Büchern wie „#DigitalLeadership“. In dieser Publikation geben 31 Spitzenkräfte persönliche Einblicke in das Thema Digitalisierung der Arbeitswelt – und sie stellen ihre jeweiligen Lösungsstrategien vor.

Digital Leadership bedeutet nicht nur, mit allen Devices umgehen zu können. Ganzheitliches Systemwissen gehört auch dazu. Digital Leadership bedeutet nicht nur, mit allen Devices umgehen zu können. Ganzheitliches Systemwissen gehört auch dazu. (© 2017 Shutterstock / Pressmaster)

Die Spielregeln ändern sich

Dass Industrie 4.0 mehr ist als nur ein Technologie-Update im Unternehmen, hat auch die Chefetage begriffen. Doch es bedeutet auch, dass sich bisherige Führungsstile gehörig wandeln müssen. Früher gab es in Unternehmen klare Hierarchien – sowohl Wissen als auch Macht lagen allein in der Hand des Vorgesetzten. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Heute ist entscheidend, vorhandenes Wissen zu teilen und daraus neue Ideen für Produkte und Prozesse zu entwickeln.

Im vergangenen Jahr wurden 277 Industrieunternehmen für den „Deutschen Industrie 4.0 Index 2016“ befragt. Das Ergebnis: 74 Prozent der Befragten empfanden fehlendes Wissen und mangelnde Qualifikation bei Führungskräften als größtes Hindernis für die digitale Entwicklung. Neben dem Wissen braucht es auch effizientere Führungstechniken. Laut Zukunftsforscher Lars Thomsen verändern sich die Spielregeln für Unternehmen derzeit gewaltig. Im Zuge der Digitalisierung entsteht ein hoher Innovationsdruck. Und innovativ ist nur, wer agil denkt und arbeitet. Dazu braucht es keine strengen Hierarchien, sondern eine Führung, die Freiraum für Kreativität lässt, die wissbegierig und risikobereit ist, die sich für neue Ziele begeistert und das auch vorlebt.

Ein Generationswechsel steht bevor

Ein erfolgreicher CEO braucht heute neben Willen und Mut zur Veränderungen auch ganzheitliches Systemwissen. Dann kann er auf Augenhöhe mit digitalen Fachkräften neue Wege beschreiten. Dass diese Art des Managements unumkehrbar ist, scheint auch in Familienunternehmen und im Mittelstand angekommen zu sein. Auch Headhunter müssen auf diese neuen Gegebenheiten reagieren. Laut Alexander Melchior, Personalmanager im Architekturbüro Gewers Pudewill, steht derzeit ein Generationswechsel bevor – auch auf der Führungsebene: „Von einem 50-jährigen CEO erwartet niemand, dass er voll digital kommuniziert und alle Kanäle wie selbstverständlich beherrscht. Von einem 40-jährigen Topmanager dagegen erwartet man es schon. Diese Generation ist mit der Entwicklung der IT aufgewachsen, für sie ist Arbeiten und Handeln in der digitalen Welt völlig normal.“ Diese Generation scheut weder Facebook, Twitter und Co. und denkt viel digitaler als ihre Vorgänger.

Der CEO als Digitalversteher

Was aber immer noch gilt: Derjenige, der bislang mit Wissensvorsprung punkten konnte, hat auch heute gute Karten. Laut LinkedIn steht Wissensmanagement noch immer an oberster Stelle der wichtigsten Hard Skills für Topmanager – dicht gefolgt von der Fähigkeit zur Datenanalyse. Zu letztgenannter gehört dieser Tage die lösungsorientierte Interpretation von Daten. Sie ist in Zeiten von Industrie 4.0 erfolgsentscheidend und wachstumsfördernd. Dafür muss ein CEO kein technischer Spezialist, sondern vielmehr ein Digitalversteher sein. Wer dazu Kreativität, Risikofreude, Motivationskraft besitzt und die Fähigkeit hat, Teams sinnvoll zusammenzustellen und zu leiten, ist bestens geeignet. Dann ist und bleibt Digitalisierung Chefsache.

Die wichtigsten Fähigkeiten im Überblick:

  • Wissensmanagemen
  • Ganzheitliches Systemwissen
  • Fähigkeit zur Datenanalyse und -auswertung
  • Projektmanagement
  • Führungskompetenz
  • Unternehmergeist
  • Change Management