Gelber Schein ab Tag Drei – Grauzone fürs Blaumachen?

Mit 40 Grad Fieber und schniefender Nase dürfen Arbeitnehmer nicht arbeiten – klar. Das einzige, was der Kränkelnde dann tun muss,  ist Sie unverzüglich über seine Abwesenheit zu informieren. Spätestens zu Beginn der Arbeitszeit am ersten Krankheitstag sollte daher ein Anruf kommen. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss dann jedoch noch nicht vorgelegt werden. Der gelbe Schein ist in der Regel erst ab dem dritten Tag Pflicht.

All das ist in §5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes geregelt. Für einen arbeitsscheuen Müßiggänger bietet sich da natürlich ein Schlupfloch zum Krankfeiern: Er kann so immer zwei Tage am Stück blaumachen – ganz ohne ärztliches Attest. Die Drei-Tage-Regelung lässt sich per Betriebsvereinbarung zwar ändern, doch dafür wird die Zustimmung des Betriebsrats benötigt.

Attest anzweifeln: Wenn die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht überzeugt

Als wäre die selbstauferlegte Zwei-Tages-Kur nicht genug, wagen einige Mitarbeiter sogar den Gang zum Arzt, um ihr langfristiges Krankfeiern mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu legitimieren.  Die Praxis zeigt, dass einige Mediziner relativ locker mit dem gelben Block umgehen. Manchmal hat es der behandelnde Arzt aber auch nicht leicht – im Internet finden sich ganze Webseiten und Foren voll mit Tipps für potenzielle Simulanten. Zwar können Sie als Chef das Attest infrage stellen, dafür benötigen sie allerdings gut begründete Zweifel. Diese können sein:

  • Der Arbeitnehmer weigert sich, eine weitere Begutachtung, beispielsweise durch den Betriebsarzt, vornehmen zu lassen.
  • Der Mitarbeiter ist regelmäßig vor oder nach seinem Urlaub oder dem Wochenende krank.
  • Er wird während seiner Abwesenheit bei einer Tätigkeit gesehen, der er aufgrund seiner Erkrankung eigentlich gar nicht nachgehen könnte – etwa eine Renovierung oder ein Kneipenabend.

Der Müßiggänger in freier Wildbahn: Fotos erlaubt?

Da sind Sie nun unterwegs zum Lunch mit dem Geschäftspartner und wen sehen Sie da an der Ampel mit prallgefüllten Shopping-Tüten? Den krankgeschriebenen Mitarbeiter! Jetzt schnell das Smartphone gezückt und ein Foto geknipst. Aber halt: Dürfen Sie das überhaupt? Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz sagt: Ja!

Zwar beeinträchtigen die Aufnahmen das Persönlichkeitsrecht, jedoch müssen Sie als Arbeitgeber natürlich nachweisen, dass Ihr Arbeitnehmer nicht krank ist. So gelten Ihre Aufnahmen sogar als zulässiges Beweismittel. Aber Vorsicht: Nur weil Sie den Kollegen in freier Wildbahn sehen, muss er nicht gleich blaumachen – möglicherweise ist er nur auf dem Weg zum Arzt oder zur Apotheke.

Selfie als Beweislast: Blaumacher in sozialen Netzwerken

Eine weitere Anlaufstelle für die Spurensuche sind soziale Netzwerke. So entschied das Arbeitsgericht Düsseldorf über einen Fall, in dem eine Auszubildende sich krankmeldete und während Ihrer Abwesenheit nicht nur einen offenbar tollen Urlaub auf Mallorca verbrachte, sondern sich auch tätowieren ließ und in den Clubs der Stadt wortwörtliche krank-feierte. Kapitaler Fehler: All das teilte sie öffentlich bei Facebook. Zwar wurde in dem Fall ein Vergleich geschlossen, doch öffentlich verbreitete Fotos auf Facebook, Instagram und Co. können sich zumindest als Indizien erweisen. Anders ist das bei Inhalten, die privat geteilt werden – diese sehen Gerichte aus Datenschutzgründen tendenziell eher ungern.

Mr. Holmes und Dr. Watson – Krankfeiern mithilfe Dritter entlarven

Die Gesetzgebung in Deutschland ist häufig auf der Seite der Arbeitnehmer. Atteste werden selten angezweifelt, müssen also eindeutig widerlegt werden. So viel Zeit und Nerven möchten Sie nicht investieren? Dann holen Sie sich Hilfe.

  • Beauftragen Sie einen Detektiv. Dieser kann den unter Verdacht stehenden Blaumacher beschatten  und so die ärztliche Bescheinigung entkräften. Bedenken Sie jedoch: Die Detektivarbeit ist mit hohen, oft vierstelligen Kosten verbunden. Und eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.
  • Konsultieren Sie den Betriebsarzt, um eine interne Lösung zu finden. Dieser kann eine erneute Diagnose durchführen und so gegebenenfalls die seines Kollegen widerlegen.
  • Letztlich besteht die Möglichkeit, ein medizinisches Gutachten anfertigen zu lassen. Dabei können die gesetzlichen Krankenkassen behilflich sein. Für diesen Lösungsansatz muss jedoch ein begründeter Verdacht auf Blaumachen bestehen.

Blaumachen um jeden Preis aufdecken? – Nein.

Gegen eine Beobachtung – egal ob durch Sie persönlich oder durch einen Detektiv durchgeführt – spricht grundsätzlich erst einmal nichts. Jedoch gilt es einiges zu beachten wie zum Beispiel die Persönlichkeitsrechte. So ist das schnelle Foto oder kurze Video von Herrn oder Frau Blaumacher beim Krankfeiern zwar erlaubt, eine dauerhafte Foto- oder Videoüberwachung jedoch nicht. Auch die Privatsphäre müssen Sie berücksichtigen: Die Spionage im Haus eines Arbeitnehmers ist nicht zulässig.

Sanktionen gegen das Krankfeiern

Nun haben Sie es geschafft und den Müßiggänger in flagranti beim Krankfeiern erwischt! Aber was jetzt? Die Sanktionsmöglichkeiten sind vielfältig und teilweise fallabhängig. Legt der Arbeitnehmer beispielsweise kein ärztliches Attest vor, kann die Entgeltzahlung vorerst verweigert werden. Der Klassiker sind natürlich Abmahnungen. Häufen sich diese, so ist auch eine verhaltensbedinge Kündigung möglich. Sogar Schadensersatzansprüche sind dann drin.

Können Sie das Blaumachen eines arbeitsscheuen Untergebenen tatsächlich nachweisen, so dürfen Sie das Arbeitsverhältnis fristlos und ohne vorige Abmahnung kündigen. Je nach Härte des Falls können Sie zudem eine strafrechtliche Verfolgung anstreben, wenn durch das Blaumachen ungerechtfertigt Entgelt bezogen wurde.

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