Veränderungsziele auch in kritischen Situationen im Griff behalten

Das Bahn-Ticket wird per Smartphone vorgezeigt, der Tisch für das Geschäftsessen per App reserviert, das Zuhause wird smart. In banalsten Alltagsdingen wie in den großen Konzernen ist die digitale Transformation längst Wirklichkeit. Doch die Umstellung auf IP-Telefonie oder selbst die Nutzung von Big Data und künstlicher Intelligenz sind nur die eine Seite des Wandels – die andere, oft schwierigere, ist es, die Mitarbeiter einzubinden auf dem digitalen Weg. „Sobald eine Firma eine gewisse Größe überschritten hat, bringt der Change-Prozess strukturelle und planerische Veränderungen mit sich, davor haben viele Respekt – und davor, wie die Mitarbeiter darauf reagieren, wie man sie darauf vorbereitet und mitnimmt“, so Willms Buhse, Experte für digitale Transformation und CEO von doubleYUU. Die Lösung kann nur lauten: die Mitarbeiter fit machen für die Digitalisierung und sie zu digitalen Champions ausbilden.

Die Möglichkeiten dazu sind mittlerweile vielfältig; manche Kurse, wie „CAS Change und Innovation Management“ an der Hochschule St. Gallen, sind besonders intensiv. Der Weiterbildungsstudiengang ist aus der Erkenntnis entstanden, dass der Change-Prozess auf allen Ebenen spezifische Kompetenzen erfordert. In mehreren Modulen vermittelt er die zentralen Kenntnisse und Fertigkeiten, auf denen nachhaltig erfolgreicher Wandel beruht: Change-Prozesse verstehen und gestalten, sich selbst und andere effizient führen sowie die Ziele und Wege der Veränderung auch in kritischen Situationen im Griff behalten.

 

„Ich muss überzeugt sein von dem, was ich tue“

Simone Ziegelmeyer, Projektmanagerin bei Canyon Bicycles, über ihre Erfahrungen im Weiterbildungsstudiengang „CAS Change und Innovation Management“.

Die Grundlagen des Challenge Managements

Gegründet wurde der Studiengang im Frühjahr 2016 von Wladimir Klitschko und seiner Klitschko Management Group sowie dem Institut für Customer Insight (ICI-HSG) der renommierten Universität St. Gallen, um die Grundlagen des Selbst- und Challenge Managements zu vermitteln. Die akademische Leitung haben Professor Wolfgang Jenewein, Professor Andreas Herrmann und Professor Torsten Tomczak inne, die seit Januar 2009 gemeinsam das Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen leiten. In vier intensiven Themenblöcken wird die Kombination aus „Selbstmanagement“ und „Challenge Management“ von Grund auf angegangen und differenziert bearbeitet. Klitschko als langjähriger Schwergewichtsweltmeister, Doktor der Sportwissenschaft und erfolgreicher Unternehmer zieht Parallelen zwischen den Disziplinen: Ähnlich wie im Leistungssport könnten die Herausforderungen des digitalen Wandels nur im komplexen Zusammenspiel von Beweglichkeit, Ausdauer, Koordination und Konzentration erfolgreich gemeistert werden.

Was im Unternehmensumfeld zusätzlich hinzukommt: die Fähigkeit, neue gesellschaftliche Strömungen, Kundenbedürfnisse und wechselnde Marktumfelder vorwegzunehmen und mit größtmöglicher Geschwindigkeit adäquat zu reagieren. „Im Seminar gehen wir diesen Dingen sehr genau auf den Grund“, sagt Jens von Klitzing-Seiß, Prokurist bei der Firma Frederix in Hannover. Gemeinsam mit 27 anderen Teilnehmern aus unterschiedlichsten Bereichen und Führungsebenen lernt er in St. Gallen den Umgang mit dem digitalen Wandel.

Fünf Regeln für gutes Change Management

(© 2017 )

Willms Buhse ist Experte für digitale Transformation und CEO von doubleYUU. Er nennt fünf wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Change Management.

1. Die Strategie: Muss klar und realistisch ausgerichtet und formuliert sein. Wer keine Strategie hat, kann sich nicht zielgerichtet verändern.
2. Einstimmiger Beschluss: Die oberen Führungskräfte, Eigentümer und Gesellschafter müssen sich einig sein und den Wandel offen mittragen.
3. Vom Top-Entscheider bis zum Praktikant: Digitalisierung ist nicht nur Chefsache und kein reines IT-Thema, sondern ein Business-Thema für alle Abteilungen und Mitarbeiter.
4. Antizipieren und reagieren: Das Unternehmen muss agil aufgestellt sein, um bei Veränderungen von außen und möglichen Gefahren schnell und sicher agieren zu können.
5. Neue Methoden: Wer einen Wandel vollziehen will, muss Neuem gegenüber offen sein. Das heißt: Prozesse wie Design Thinking, schnelle Entscheidungen (innerhalb eines Tages!) und agileres Arbeiten in den Alltag integrieren.

Je länger das Zögern, umso schwieriger der Wandel

Wer sich für den Studiengang in St. Gallen anmeldet, hat den Bedarf an einer organisatorischen Begleitung des Wandels erkannt. Das sei nicht immer der Fall, meint Transformationsexperte Buhse. „Nicht wenige Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Kunden und Mitarbeiter die Digitalisierung nicht wollen – und sie selbst sie also nicht brauchen“, so Buhse. „In gewisser Weise scheint das tatsächlich zu stimmen. Die wahren Gründe sind aber umso verheerender“, sagt er. Potenzielle Neukunden und Mitarbeiter, die für andere Impulse sorgen könnten, erreichen solche Firmen laut Buhse aber nur schwer – gerade weil sie nach sehr traditionellen Mustern arbeiten und daher von vielen kaum wahrgenommen werden. „Ein Teufelskreis, der in wenigen Jahren schwere Folgen nach sich ziehen kann“, sagt der Experte. Dann stehen diese Firmen vor der noch viel größeren Herausforderung, die Einführung von neuen Technologien und Arbeitsweisen und gleichzeitig einen grundlegenden Richtungswechsel im Denken und Handeln voranzutreiben.

Kommunikation und Empathie

Aus diesem Grund legt der Studiengang seinen Schwerpunkt nicht nur auf die konkreten Schritte des Challenge Managements, sondern auch auf die damit einhergehende Anpassung einzelner Ablauf- oder Organisationsvorgänge – sowie vor allem auf eine permanente und proaktive Bewusstseins- und Verhaltensänderung. Neben der Theorie spielt deshalb auch die Praxis in St. Gallen eine große Rolle. An der Umsetzung wird über das praktische Anwenden von Inhalten, vielmehr aber noch im Austausch mit Praxisexperten gearbeitet. In Kleingruppen spielen die Studierenden zudem Fallbeispiele durch, finden praktische und individuell anwendbare Problemlösungen, erarbeiten Kommunikationswege und schulen ihren Blick für das Wesentliche. „Ich war hier sehr überrascht, wie einfach sich verhärtete Probleme manchmal aufbrechen lassen, wenn man offen mit Mitarbeitern und Kollegen kommuniziert“, so Klitzing-Seiß.

 

 

Zwei Stipendiaten berichten

Die Telekom hat im Rahmen ihrer Partnerschaft mit der Klitschko Management Group gemeinsam mit dieser drei Stipendien für den Weiterbildungsstudiengang „CAS Change und Innovation Management“ an Führungskräfte mittelständischer Unternehmen vergeben. Hier berichten sie von ihren Erfahrungen nach dem ersten Modul im März 2017.

(© 2017 )

Anne-Karina Wegmann ist Bereichsleiterin der IT bei der Firma TRILUX Group Management GmbH.

„Die Führungsebene muss sich verändern“

Frau Wegmann, was versprechen Sie sich vom Seminar?

In der IT ist es wichtig, die Fachbereiche und ihre Bedürfnisse genau zu kennen. Nur dann kann man ein kompetenter IT-Businesspartner und Ideengeber für die individuelle digitale Transformation sein. Im Seminar möchte ich noch mehr über das große Ganze erfahren und die entsprechenden Soft Skills erlernen, die über Vision und Strategie hinausgehen.

Was hat Sie überrascht?

Es ist sehr spannend, abseits des Arbeitsalltags mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Firmen zusammenzukommen. Interessant und auch beruhigend ist: Alle stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Alle reden also über dasselbe, das ist sehr hilfreich.

Gab es im ersten Seminarblock bereits Lösungsansätze für diese Herausforderungen?

Klar wurde: Die Führungsebene muss sich verändern. Sie muss allen im Unternehmen mehr Raum geben, für mehr Interaktion und Partizipation sorgen und Vertrauen entgegenbringen. Wie das geht, haben wir im Seminar bereits besprochen. Nun bin ich gespannt, was im nächsten Modul geschieht.

 

 

(© 2017 )

Jens von Klitzing-Seiß ist Prokurist des IT-Dienstleisters Frederix GmbH.

„Empathie und soziale Kompetenz sind entscheidend“

Herr von Klitzing-Seiß, warum haben Sie sich für das Stipendium beworben?

Um noch besser zu werden und mich fortzubilden. Davon profitieren anschließend auch meine Kollegen.

Was haben Sie im ersten Modul gelernt?

Besonders lehrreich war, wie man Vision, Strategie, Organisation und Unternehmenskultur miteinander in Einklang bringt und ins Unternehmen integriert. Bei Frederix ist uns bewusst, dass wir fokussiert und agil sein müssen, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können. Beim Seminar lerne ich nun, all das noch besser in der Praxis umzusetzen. Empathie und soziale Kompetenz sind entscheidend, das wurde mir im Seminar bestätigt. Also Stimmungen im Team aufzuspüren, zu kanalisieren, daraus Maßnahmen zu ergreifen und sie mit Kollegen auf Augenhöhe zu besprechen.

Können Sie erste Ideen für Ihre Firma adaptieren?

Ja, wir hatten bereits Maßnahmen eingeleitet, die nun verfeinert werden. Dabei geht es beispielsweise um offene Strukturen und regelmäßige, sinnvoll strukturierte Meetings.

 

Weiterführende Links zum Thema:

Wie funktioniert Führung im digitalen Zeitalter?
https://digitaler-mittelstand.de/business/news/wie-funktioniert-fuehrung-im-digitalen-zeitalter-32698

Telekom und Klitschko Management Group weiten ihre Partnerschaft aus
https://www.telekom.com/de/medien/medieninformationen/detail/telekom-baut-partnerschaft-aus-443682

Leistungssport hilft Management: Hagen Rickmann und Wladimir Klitschko im Interview
http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/leistungssport-hilft-management-15541/

Website des Studiengangs CAS Change & Innovation Management http://k-mg.de/studiengang/cas-changeinnovation/