Wiedereinstieg nach Elternzeit: Welche Beschäftigung ist angemessen?

Kehren Mitarbeiter nach der Elternzeit in ein Unternehmen zurück, müssen sie nicht zwangsläufig auf derselben Stelle eingesetzt werden, die sie zuvor verlassen haben. Maßgeblich für den Wiedereinstieg nach Elternzeit ist die Stellenbezeichnung im Arbeitsvertrag.

Je mehr Aufgabengebiete die Stellenbezeichnung potenziell umfasst, desto flexibler kann der Mitarbeiter eingesetzt werden. Eine „kaufmännische Angestellte“ ist demnach leichter einzugliedern als eine „Marketing-Assistentin“, erklärt Rechtsanwalt Alexander Lorenz im Unternehmermagazin „Impulse“.

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Enthält der Arbeitsvertrag eine sogenannte Versetzungsklausel, in der geregelt ist, dass der Mitarbeiter auch in anderen gleichwertigen Arbeitsstellen eingesetzt werden darf, kann der Arbeitnehmer auch dorthin versetzt werden.

Besteht ein Anspruch auf Teilzeit nach der Elternzeit?

Viele Arbeitnehmer möchten beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit ihre Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können. Diesem Wunsch muss ein Arbeitgeber in der Regel entgegenkommen, denn nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung – sofern sie länger als ein halbes Jahr in der Firma arbeiten und der Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Nur wenn wichtige betriebliche Gründe es ausschließen, den Mitarbeiter in Teilzeit im Unternehmen zu beschäftigen, kann der Antrag abgelehnt werden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn …

  • die anfallenden Aufgaben nur im Rahmen einer Vollzeitstelle zu bewältigen sind,
  • die Teilzeitbeschäftigung unverhältnismäßige Kosten für das KMU mit sich bringt oder
  • die Teilzeitbeschäftigung die Sicherheit oder die Arbeitsabläufe beeinträchtigt.

Liegt ein wichtiger betrieblicher Grund vor, stehen die Chancen als Arbeitgeber gut: Wie die „Rheinische Post“ berichtet, urteilen die Arbeitsgerichte beim Thema Teilzeit meist arbeitgeberfreundlich.

Einführung einer Brückenteilzeit ab 2019

Ab dem Jahr 2019 gilt eine neue Regelung, was die Rückkehr nach Teilzeit in eine Vollzeitstelle angeht. Arbeitnehmer dürfen zukünftig weiterhin in Teilzeit arbeiten, aber nicht unfreiwillig in Teilzeit verbleiben müssen. Im Detail müssen Arbeitgeber mit mehr als 45 Beschäftigten ihren Arbeitnehmern die Möglichkeit geben, ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit für einen im Voraus zu bestimmenden Zeitraum von einem bis zu fünf Jahren zu verringern, wenn das Arbeitsverhältnis mehr als sechs Monate bestanden hat. Die Rückkehr zur Vollzeit wird garantiert. Unternehmen zwischen 46 und 200 Mitarbeitern profitieren von einer Zumutbarkeitsgrenze: Sie müssen nur jedem 15. Beschäftigten die Brückenteilzeit gewähren.

Die gilt im Übrigen nicht nur für junge Eltern: Besondere Gründe wie Kindererziehung müssen die Beschäftigten für die befristete Teilzeit nicht geltend machen. 

Wer in Teilzeit arbeitet, kann früher von der Arbeit verschwinden und hat mehr Zeit für andere Dinge. Wer in Teilzeit arbeitet, kann früher von der Arbeit verschwinden und hat mehr Zeit für andere Dinge. (© 2018 Shutterstock / Bacho)

Familienfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen

Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen, stellt viele Mitarbeiter in puncto Organisation vor große Herausforderungen. Damit Arbeitnehmer beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit ihren Pflichten als Eltern nachkommen können, ohne gegen Fristen und Formalia zu verstoßen, lohnt es sich, gemeinsam mit dem Mitarbeiter nach Lösungen zu suchen. Folgende Regelungen kommen dem Familienleben entgegen:

  • Gleitzeit
  • flexible Arbeitszeit
  • Homeoffice

Gleitzeit ist für Arbeitnehmer mit Kind ein Segen, denn wenn es morgens mit dem Anziehen einmal nicht so schnell klappt oder der Bus auf dem Weg zur KiTa im Stau steht, müssen die jungen Eltern nicht gleich zu spät kommen, sondern kommen ganz regulär einfach etwas später rein.

Flexible Arbeitszeiten, die es ermöglichen, auch mal einen Nachmittag von der Arbeit fernzubleiben, lassen Besuche beim Kinderarzt und andere Nachmittagsveranstaltungen wie Kindergeburtstage zu.

Wenn Mitarbeiter die Möglichkeit haben, von zu Hause aus zu arbeiten, müssen sie bei Krankheit des Kindes nicht immer zwingend freinehmen. Stattdessen können sie wichtige Aufgaben vom heimischen Schreibtisch aus erledigen, ohne den kleinen Patienten aus den Augen zu lassen.

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Gleitzeit, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind freilich nicht für jedes Unternehmen geeignet: Müssen Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten vor Ort sein, können diese Maßnahmen kaum umgesetzt werden. Die Überlegung ist aber auf jeden Fall lohnenswert: Je mehr Unternehmer ihren Angestellten in Notfällen unter die Arme greifen, desto lieber helfen diese aus, wenn Not am Mann ist.

Wiedereinstieg verhindern: Wann eine Kündigung möglich ist

Leider kommt ein Wiedereinstieg nach der Elternzeit nicht immer gelegen. Wurde die Stelle bereits anderweitig besetzt, ist die Geschäftslage schlecht oder stand die Zusammenarbeit noch nie unter einem guten Stern, wird sich manch ein Arbeitgeber wünschen, dem Mitarbeiter einfach kündigen zu können. Eine Kündigung während der Elternzeit ist jedoch nur möglich, wenn die zuständige Bezirksregierung diese in einem Ausnahmeverfahren genehmigt. Dies ist der Fall, wenn …

  • der Betrieb stillgelegt wird,
  • insolvent ist oder
  • Teile des Betriebs stillgelegt werden.