Wissenstransfer führt zu Wettbewerbsvorteil

Ein Mitarbeiter der Abteilung A hat sich mit einer Mitarbeiterin der Abteilung B zum Mittagessen verabredet. Dort klagt er über eine Aufgabe, die ihn schier zur Verzweiflung bringt. Sie hört aufmerksam zu und hilft mit einigen Tipps, da sie ein ähnliches Problem in der Vergangenheit bereits bewältigt hat. Der Mitarbeiter der Abteilung A geht anschliessend mit neuem Schwung und neuen Ideen an die Aufgabe heran und erledigt sie zur Zufriedenheit aller.

Das Beispiel zeigt den Vorteil eines Wissentransfers zwischen Mitarbeitern eines Unternehmens. Denn das Wissen einer Firma speist sich nicht nur aus erhobenen Daten, sondern in großem Umfang aus dem Erfahrungsschatz eines jeden Angestellten. Damit die Firma von diesen Ressourcen auch profitiert, ist der Transfer dieses Wissens zwischen den Mitarbeitern unerlässlich. Doch dieser sollte sich nicht nur spontan beim Mittagessen ereignen, sondern im Optimalfall systematisch im Unternehmen implementiert werden. Denn dann kann das gesammelte Know-how der Mitarbeiter zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden.

Selbst die Mittagspause kann dem Wissenstransfer dienen, wenn eine Atmosphäre der Kommunikation geschaffen wird. Selbst die Mittagspause kann dem Wissenstransfer dienen, wenn eine Atmosphäre der Kommunikation geschaffen wird. (© 2017 Shutterstock / wavebreakmedia)

Wissen persönlich austauschen

Um einen effizienten Wissenstransfer zu implementieren, gibt es verschiedene Methoden. Ganz allgemein sollte der persönliche Austausch gefördert werden. Dieser setzt immer die Bereitschaft zur Kommunikation voraus, und diese wird durch eine freundschaftliche Arbeitsatmosphäre gestärkt. Unterhaltungen von Angesicht zu Angesicht gehören genauso dazu wie auch der virtuelle Austausch in Chaträumen oder per Videokonferenz.  Folgende Maßnahmen haben sich bewährt, um den persönlichen Wissenstransfer zu fördern:

  • Teams mit gemischten Altersklassen erstellen: Junge Mitarbeiter bringen den aktuellen theoretischen Wissensstand mit und sind in der Regel technikaffiner als erfahrene Kollegen, die ihrerseits über viel mehr Praxiserfahrung verfügen. In Teams mit einer gemischten Altersstruktur profitieren beide Gruppen voneinander.
  • Lerntandems bilden: Ein unerfahrener Mitarbeiter bekommt bei einer Aufgabe einen erfahrenen zur Seite gestellt. Mit dem Kompetenzzuwachs des unerfahreneren Mitarbeiters kann sein Kollege schrittweise abgezogen werden. Mentoring oder Patenschaften gehen in eine ähnliche Richtung.
  • Moderierte Übergabegespräche: Wenn Mitarbeiter in den Ruhestand gehen oder das Unternehmen aus anderen Gründen verlassen, ist es wichtig, das Wissen in der Firma zu halten. Das gelingt am besten, wenn ein Dritter dem Übergabegespräch beiwohnt, um einen aktiven Dialog zu gewährleisten.
  • Regelmäßige Vorträge oder Workshops: Darin vermitteln Mitarbeiter ihre Expertise auf bestimmten Gebieten an die Kollegen. Diese Art des Wissenstransfers ist vor allem für komplexere Inhalte empfehlenswert.
  • Ideentreffs einrichten: Anders als Workshops finden diese Meetings in ungezwungener Atmosphäre statt, gerne außerhalb des Büros. Sie sollen dazu einladen, über den Tellerrand hinauszublicken und kreative Gedanken zu fördern.
Wissen kann in Workshops auf persönlichem Wege ausgetauscht werden. Wissen kann in Workshops auf persönlichem Wege ausgetauscht werden. (© 2017 Shutterstock / garagestock)

Neben dem persönlichen Austausch sollten Unternehmen zudem gewährleisten, dass Informationen zur Weiterbildung in schriftlicher Form zur Verfügung stehen. Datenbanken wie Wikis, die im Intranet abgefragt werden können, oder die gezielte Verbreitung per E-Mail sind geeignete Methoden, alle Mitarbeiter am Unternehmenswissen teilhaben zu lassen.

Problem: Knowledge Hiding

Aber nicht jeder Mitarbeiter will seine Kenntnisse mit den Kollegen teilen – selbst wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen wurden. Dieses Verhalten wird als Knowledge Hiding (Verstecken von Wissen) bezeichnet. Vor allem Misstrauen gegenüber den Kollegen und ein fehlendes Klima für den Wissenstransfer in den Unternehmen sind die Gründe dafür, ergab eine Studie kanadischer Wissenschaftler. Die Entscheider in den Firmen könnten dieser Tendenz aber entgegenwirken, indem direkte Formen der Kommunikation der Schriftform vorgezogen und positive Beispiele von Kooperationen auf Vertrauensbasis herausgestellt werden.

Checkliste: Wissenstransfer in Unternehmen gewährleisten

  • Wissenstransfer systematisch im Unternehmen implementieren
  • Arbeitsatmosphäre schaffen, die Kommunikation fördert
  • Gemischte Altersstruktur in den Teams schaffen
  • Lerntandems bilden oder Mentoring/Patenschaften einführen
  • Übergabegespräche nutzen, um Wissen im Unternehmen zu halten
  • Regelmäßige Workshops und Ideentreffs einrichten
  • Wissen in Datenbanken und per E-Mail zur Verfügung stellen