Work-Life-Balance geht, Work-Life-Blending kommt

Es ist noch nicht lange her, da war häufig von Work-Life-Balance die Rede. Mittlerweile gibt es ein neues Buzzword, das die Debatte prägt: Work-Life-Blending. Obwohl beide Begriffe auf den ersten Blick ähnlich wirken, sind sie in ihrer Bedeutung nahezu entgegengesetzt. Work-Life-Balance verfolgt eine individuell ausgewogene und flexible, gleichwohl klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Genau diese Unterscheidung ist beim Work-Life-Blending aufgehoben. Stattdessen verschmelzen Beruf und Privatleben im Alltag. In vielen Branchen ist dieser fließende Übergang zwischen beiden Bereichen bereits vom Trendthema zum realen Arbeitsmodell geworden.

Work-Life-Blending Verwischen die Grenzen zwischen beruflichen Tätigkeiten und Freizeitaktivitäten, dann entsteht Work-Life-Blending. Bei diesem Modell der New Work gibt es keine festgelegten Arbeitszeiten. Stattdessen erledigen die Beschäftigten Aufgaben oder Privates dann, wenn sie es für richtig halten. Die große Flexibilität soll den Anforderungen moderner Jobs besser entsprechen. Dabei ist allerdings die vereinbarte Dauer der Arbeitszeit einzuhalten.

Disruption ist das Aus der Work-Life-Balance

Hinter dem Wandel vom Primat der Work-Life-Balance hin zum Work-Life-Blending  stehen in erster Linie neue disruptive Technologien. Sie treiben den Grad der Digitalisierung und erzwingen teils die Transformation ganzer Geschäftsmodelle. Hinzu kommen demografische Effekte und anders gewichtete allgemeine Wertvorstellungen. Im Verbund wirken sie auf Arbeits- und Karrieremodelle ein (New Work). Die Folge sind unter anderem ständige Erreichbarkeit per Smartphone und Arbeiten im Home Office – der Anfang von Work-Life-Blending.

Mehr Arbeit = bessere Karrierechancen

Wer in seinem Beruf aufsteigen will, der muss mehr tun. Das zeigt die Umfrage „Talents & Trends“ des Outplacement- und Karriereberaters von Rundstedt unter 623 Berufstätigen in Voll- und Teilzeit. Darin heißt es: „61 Prozent wissen, dass Dienst nach Vorschrift für eine erfolgreiche Karriere nicht ausreicht.“ Und:

„Wer Erfolg haben möchte, muss sich auch über die vertraglich festgelegte Arbeitszeit hinaus für seinen Arbeitgeber engagieren.“

Die beschriebenen Faktoren haben dazu geführt, dass sich Work-Life-Blending nach und nach in vielen Berufsfeldern etabliert. Das trifft nicht nur auf Zustimmung unter den Beschäftigten. So ergab die zitierte Umfrage zur New Work auch:

  • 73 Prozent befürchten, dass viele Arbeitnehmer schlechter vom Job abschalten und dadurch auch gesundheitliche Risiken eingehen.
  • 69 Prozent erwarten, dass die Arbeit tendenziell einen größeren Bereich im Leben einnimmt – auf Kosten des Privatlebens.
  • 64 Prozent treten für eine klare Trennung von Arbeit und Freizeit ein. Andernfalls würde ein Bereich vernachlässigt.

New Work breitet sich aus

Die Befürchtungen sind nicht unbegründet. Laut einer Untersuchung der gfu – Consumer & Home Electronics GmbH rufen 42 Prozent der deutschen Arbeitnehmer in ihrer eigentlich arbeitsfreien Zeit dienstliche E-Mails oder Textnachrichten ab. In einem Drittel der 1.000 befragten hiesigen Haushalte ist es üblich, nach Feierabend und am Wochenende für Kunden, Kollegen und Vorgesetzte erreichbar zu sein.

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Die Bedeutung von Work-Life-Balance schwindet also, die von Work-Life-Blending nimmt zu. Die New Work birgt Chancen, aber auch Risiken. Zu den Vorteilen zählen:

  • Arbeitnehmer können nebenbei private Aktivitäten und Besorgungen erledigen, Familie und Beruf besser in Einklang bringen.
  • Phasen besonderer individueller Produktivität während Tag und Nacht lassen sich unabhängig von starren Arbeitszeiten nutzen.
  • Beschäftigte gestalten ihren Alltag selbstbestimmter und müssen für eigene Anliegen keinen Urlaub einreichen. Das motiviert sie.

Diese Vorzüge konkurrieren mit möglichen Nachteilen von New Work:

  • Unkontrollierte Arbeitszeiten gehen zu Lasten von freier Zeit.
  • Die Gefahr von Selbstausbeutung steigt.
  • Gesundheitliche Folgen wie Burn-out und Erschöpfung sind denkbar.
  • Es entsteht ein übertriebener Leistungsgedanke, der einen Jobverlust zur Lebenskrise machen kann.
Arbeit und Urlaub – Work-Life-Blending trennt dazwischen nicht mehr scharf. (© 2017 Shutterstock / bluedog studio)

Work-Life-Blending richtig steuern

Die richtige Organisation

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Die negativen Folgen können sich einstellen – müssen aber nicht. Gegen Nachteile wirkt ein gut organisiertes Work-Life-Blending – zum Beispiel über Arbeitszeitkonten. Darin werden die Phasen beruflicher Tätigkeiten in ihrer Gesamtheit erfasst. Und zwar unabhängig davon, wann und wo sie anfallen. Das Maß aller Dinge ist allein die vertragliche Vereinbarung zur Arbeitszeit. So sind Modelle auf wöchentlicher, monatlicher oder langfristigerer Basis möglich. Angesammelte überschüssige Stunden lassen sich in festen Abständen oder völlig flexibel abbauen. Machbar sind verlängerte Wochenenden, Urlaube, Sabbaticals oder ein früherer Renteneintritt.

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Die dafür erforderliche Transparenz und Offenheit gewährt ein elektronisches Erfassungssystem, das Arbeitszeiten für alle Beteiligten nachvollziehbar verwaltet. So können Arbeitnehmer und Arbeitgeber jederzeit den aktuellen Stand verfolgen. Das sorgt für Überblick und schafft Vertrauen auf beiden Seiten.