Die Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Landwirte in den entwickelten Ländern üben längst einen Hightech-Beruf aus, oder?

Ja, das ist so. Ackerbau und Tierhaltung werden durch die Datenrevolution immer mehr vom Handwerk zum industriellen Produktionsprozess. Der Bauernhof wird zur Fabrik, mit dem entscheidenden Unterschied, dass kein Dach drauf ist.

Aber wollen die Bauern überhaupt diesen großen Wandel vollziehen?

Die Landwirte mögen das. Alles, was unsere Systeme leisten, um die Maschinen zu 
regulieren, einzustellen und zu optimieren, finden sie prima. Sie wollen ja nicht ständig aussteigen. Lieber sitzen sie in der klima-tisierten Treckerkabine und lesen auf dem iPad oder verschicken E-Mails.

Klimatisierte Kabinen – es hat sich in der Landwirtschaft wohl sehr viel verändert. Das fing aber schon mit dem Strukturwandel vor Jahren an, oder?

Ja, und noch immer ist der Strukturwandel in vollem Gange. Die Zahl der Betriebe sinkt immer weiter, dafür werden sie immer größer. 1970 gab es in Deutschland noch mehr als eine Million Höfe, heute sind es knapp 287 000. Nach dem Zweiten Weltkrieg ernährte ein Landwirt hierzulande rund zehn Menschen, heute kann er 145 Mitbürger versorgen. Längst haben sich die Bauern spezialisiert: Die einen betreiben Viehhaltung und bauen auf ihren Feldern nur noch Futtermittel an. Andere setzen auf Getreide und andere Feldfrüchte.

Wird die digitale Technik diese Tendenz verstärken?

Ein klares Ja! Früher hieß es doch: Wachsen oder weichen. Heute: Digitalisieren oder weichen.

Tatsächlich scheinen doch sehr viele Landwirte technikaffin zu sein.

Sie setzen zumindest Innovationen schnell in die Praxis um. Der Renner in Brasilien und Argentinien zum Beispiel ist eine Drohne. Dort müssen die Viehzüchter alle Zäune abreiten, um zu prüfen, ob sie in Ordnung und alle Rinder gesund sind. Jetzt lassen sie das morgens und abends einfach die Drohne erledigen.

Werden sich nur die Großen den Hightech-Mähdrescher leisten können – und damit das Höfesterben beschleunigen?

Das stimmt so nicht. Von der Digitalisierung können gerade kleine Betriebe stark profitieren.