Perspektivenwechsel: In die Rolle des Kunden schlüpfen

Wenn meine Mitarbeiter über meine Ideen lachen, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich denke gern weit voraus und mache dabei einen Perspektivenwechsel: Ich versetze mich in die Rolle des Kunden. Mit dieser Denkweise bin ich zum Marktführer geworden – und so werde ich es auch in Zukunft halten. Denn wer seine Perspektive ändert, sieht die Dinge in einem ganz anderen Licht.

Natürlich kann man auch Umfragen starten. Doch die Ergebnisse – zu den Wünschen der Kunden – sind für mich eher ein Blick in den Rückspiegel. Meine Aufgabe als Unternehmer sehe ich darin, Kunden für Entwicklungen zu begeistern, die sie noch gar nicht kennen! Denn nur, indem wir uns immer wieder neu erfinden, sichern wir unsere Marktführerschaft.

Dazu brauche ich in meinem Familienunternehmen natürlich den Rückhalt meiner Frau und meines Sohnes. Mein Sohn ist inzwischen meine rechte Hand: Er ist jetzt 22 Jahre alt und hat unser Tochterunternehmen Columbus Digital unter seinen Fittichen. Er kümmert sich um die technischen Entwicklungen und Umsetzungen.

Aus Kundensicht denken

Wie gehe ich in der Regel vor? Ich schaue mir unser Produkt streng aus Kundensicht an: Welche Bedeutung hat der Globus heute, wo es doch Google Maps mit Satellitenfotos gibt? Der Vorteil: Der Globus bietet einen blitzschnellen Zwei-Sekunden-Überblick über die Welt im richtigen Größenverhältnis. Das kann keine elektronische Landkarte leisten.

Zur Person
Torsten Oestergaard, 52, leitet den Columbus Verlag in vierter Generation. Sein Sohn Niklas, die mittlerweile fünfte Generation, ist dabei seine rechte Hand. Die älteste noch produzierende Globusmanufaktur der Welt gilt als führende Marke für Globen im Fachhandel und als Innovationsträger der gesamten Branche. Alle Globen und Wandkarten des Columbus Verlags werden in Deutschland entwickelt und hergestellt. Gerade als Globushersteller, der die Welt täglich vor Augen hat, fühlen sich Oestergaard und seine Mitarbeiter der Nachhaltigkeit ihrer Produktion besonders verpflichtet. Der innovationsfreudige Chef behauptet sich mit immer neuen Ideen gegen die Konkurrenz.

Dann überlege ich, wie der Spagat von unserem analogen Produkt in die digitale Welt zu schaffen ist und welchen Mehrwert die Kunden in Zukunft wünschen könnten. Auf diese Weise sind schon der „sprechende Globus“ mit dem Audio-Stift entstanden und unsere 4-D-App. Damit kann man Wetterdaten und andere Infos der Metropolen weltweit in einer – wie wir es nennen – vierten Dimension oberhalb der Globuskugel schweben lassen. Wie auf dem Holodeck von Raumschiff Enterprise. Unsere Kunden geraten regelrecht aus dem Häuschen, wenn sie das sehen.

In der App ist ein Länderlexikon eingebunden, das spannende Informationen zu allen Ländern präsentiert. Dazu kooperiere ich mit Fremdenverkehrsämtern und wir verlinken deren Filme auf Youtube. Wer ein eigenes Youtube-Konto hat, kann seine Urlaubsfilme einbinden. Die Kunden erhalten so ihren individuellen Globus.

Zum Perspektivenwechsel gehört für mich auch, bestehende Vertriebswege infrage zu stellen und neue zu erschließen. Im Januar 2016 stellten wir daher einige unserer Globen zu einem befreundeten Möbelhersteller auf den Messestand der imm cologne. Dort haben wir den Globus als Teil des hochwertigen Interieurs platziert. Heute, nach einem Jahr, kann ich voller Freude sagen: Die imm cologne 2017 war die erfolgreichste Messe, seitdem ich bei Columbus bin!

Fertigung eines Columbus Globus am Standort des Columbus Verlags in Krauchenwies. Fertigung eines Columbus Globus am Standort des Columbus Verlags in Krauchenwies. (© 2017 jan Greune)

Fünf überraschende Fakten zur Weltkugel

  • Wenige Produzenten: Während es Anfang der Neunzigerjahre noch eine Vielzahl an Globusherstellern gab, sind es heute nur noch eine Handvoll auf der ganzen Welt. Hier ist Columbus führend.
  • Von Klein bis Groß: Den kleinsten Globus, den Columbus bisher hergestellt hat, war auf einem Tischtennisball kaschiert und ziert heute in Mekka ein Modell unseres Planetensystems. Der größte Globus steht als Mercateum in Königsbrunn bei Augsburg und hat einen Durchmesser von zwölf Metern.
  • Handarbeit gefragt: Ein großer Magnum-Globus wird in Handarbeit hergestellt und bedarf vieler Tage Arbeit – von einem Holzbildhauer, einem Glasbläser, Metallbieger und Gravierer und mindestens drei erfahrenen Globus-Kaschiererinnen. Die Montage aller einzelnen Gewerke erfolgt dann in circa zwei Stunden.
  • Die Erde schwebt: Im Jahr 2000 präsentierte Columbus den ersten serienmäßig produzierten Globus mit freischwebender Kugel.
  • Sprung in die Moderne: Dank einer eigenentwickelten 4-D-App werden Wetterdaten oder Sehenswürdigkeiten der Regionen in Verbindung mit einem iPhone oder iPad, ähnlich einem Hologramm, oberhalb der Globuskugel projiziert.