Neulich bin ich gefragt worden, ob die neue Funktechnologie NarrowBand-IoT denn wirklich notwendig sei. Schließlich gebe es doch 2G, 3G und LTE, worüber wir schon seit Jahren drahtlos kommunizieren. Das ist richtig – einerseits. Andererseits weiß jeder, der schon einmal mit seinem Handy im Keller oder im Aufzug telefonieren wollte, dass das Signal bis dort nur selten durchdringt. Ähnlich verhält es sich tief innerhalb von Gebäuden, etwa in großen Werkshallen. Wer dort seine Maschinen vernetzen will, braucht kein Breitband, sondern sparsames Schmalband. IoT-Lösungen, die sich auf Machine-to-Machine-Kommunikation beschränken, haben also einen ganz anderen Anspruch.

Vorteile: Geringe Übertragungskosten und lange Batterielaufzeit

Mit 2G, 3G und LTE allein ist es nicht möglich, die komplette technologische Infrastruktur für das Internet der Dinge zu bauen – die Reichweite in Gebäuden ist oft zu gering, die massenhafte Verbreitung von vernetzten Geräten und die Datenübertragung meist zu teuer. Wie sollen finanziell ohnehin angeschlagene Städte öffentliche Parkplätze im gesamten Stadtgebiet mit Sensoren ausstatten, um Smart Parking zu ermöglichen? Und wie sollen Müll- und Altglascontainer flächendeckend vernetzt werden, um Teil einer Smart City zu werden? Städte benötigen innovative Funktechnologien wie NB-IoT: Die Module versenden hier in größeren Abständen kleine Datenpakete und verfallen – wenn sie nicht gebraucht werden – in einen energiesparenden Ruhemodus. Das sorgt für geringe Übertragungskosten und eine sehr lange Batterielaufzeit.

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NB-IoT, ein sogenanntes Low Power Wide Area Network (LPWAN), eignet sich jedoch nicht nur für Smart-City-Anwendungen, die ihr volles Potenzial erst dann entfalten, wenn sie flächendeckend ausgerollt werden. Ob in Logistik, Industrie und Handel oder Landwirtschaft, ob Tracking von Containern oder Paletten, Monitoring von Anlagen, Messung von Energieverbrauchsdaten oder Wettersensoren auf dem Feld: Schmalbandnetze und NB-IoT-Module sind bestens für diese und viele andere Anwendungen geeignet.

Amin Larimian
Amin Larimian Amin Larimian (© 2017 Telekom)

Amin Larimian verantwortet als Commercial Manager M2M und IoT bei der Telekom Deutschland die Produkteinführung entsprechender Lösungen in den deutschen Markt.

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Weniger als fünf US-Dollar pro Funkmodul

Noch dazu stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis: NB-IoT-Module werden weniger als fünf US-Dollar pro Stück kosten, weil das Chipdesign auf das Notwendigste reduziert und das Produktionsvolumen hoch ist. Mittels NB-IoT-Technologie ist etwa die Stadt Hamburg in der Lage, Staus, Verkehrslärm und Luftbelastung den Kampf anzusagen. Die Elbmetropole setzt auf die Lösung „Park and Joy“ und lässt in den kommenden drei Jahren von T-Systems bis zu 11.000 Parkplätze mit Bodensensoren ausrüsten. Über NB-IoT übertragen die Bodensensoren Position und Belegungsstatus. Auf diese Weise senden die Sensoren Daten mit höchster Zuverlässigkeit – auch aus dem Untergeschoss eines Parkhauses.

In anderen Städten ist NB-IoT ebenfalls Grundlage für eine flächendeckende Vernetzung. Seit Kurzem nutzt etwa Bonn in einem Pilotprojekt die Funktechnologie für die intelligente Vernetzung von Straßenlaternen und Abfallcontainern und die Messung der Luftqualität. Damit spart die Stadt künftig bis zu 60 Prozent der Betriebskosten ein. Die Frage, ob NarrowBand-IoT notwendig ist, sollte sich damit nicht mehr stellen.

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