Mit dem sogenannten „Dieselgate“ ist das Thema Luftverschmutzung in den Städten wieder in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik gerückt. Mehr als 80 Städte in Deutschland halten laut Umweltbundesamt die von der EU festgelegten Stickstoffdioxid-Grenzwerte nicht ein – es drohen Fahrverbote. Für einen beträchtlichen Teil dieser Umweltbelastung ist der Autoverkehr verantwortlich; in der Stadt laut einer Untersuchung der Uni Innsbruck bis zu 80 Prozent. Allein ein Drittel dieses Verkehrs wiederum verursachen Autofahrer auf der Suche nach einem freien Parkplatz in der City. Um zumindest die Parkplatzsuche zu vereinfachen, hat die Telekom eine smarte Lösung entwickelt, die jetzt in Hamburg eingeführt wird: Park and Joy.

Sensoren auf Parkflächen melden, ob ein Parkplatz frei oder besetzt ist, und senden diese Info an eine Smartphone-App. Der Autofahrer kann sich so einfach zu einem freien Parkplatz navigieren lassen und diesen auch gleich über die App bezahlen. Lösungen wie diese, die sich das Internet der Dinge zunutze machen, tragen erheblich zur Erleichterung des Alltags und der Erhöhung der Lebensqualität der Bürger bei.

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Frische Ideen vom Hackathon 2017

Smart Parking spart nicht nur Zeit und reduziert unnötigen Spritverbrauch, sondern mindert auch Straßenlärm und Abgasbelastung. Um beides messen zu können, haben sich findige Tüftler den „Pollution Butler“ ausgedacht. Der Minicomputer ist mit Sensoren bestückt und misst Luftqualität und Lärmpegel in der Stadt. Mit dieser cleveren Lösung belegte das Entwicklerteam Platz drei des Wettbewerbs Hackathon 2017 in der Bonner Zentrale der Deutschen Telekom, bei dem sich alles um das „Smart Public Life“ drehte.

Platz zwei ging an die Trackinglösung „Be on Track“, mit der sich Kinder oder hilfsbedürftige Menschen orten lassen. Am besten kam bei den Juroren der „Smart City Hub“ an: Diese Anwendung erleichtert Bürgern den Zugriff auf alle Dienste, die ihre Stadt zu bieten hat. Mittels einer App finden Nutzer aktuelle Infos zu Fahrplänen von Bussen und Zügen, buchen Tickets, verlängern Ausweise, stellen Anträge oder finden ihr jeweiliges Wahllokal.

Dem Ideenreichtum waren beim Hackathon keine Grenzen gesetzt: Ein Team schlug vor, Müllfahrzeuge mit Kameras auszustatten, um Schlaglöcher in den Straßen zu erfassen. Oder Bäumen per Feuchtigkeitssensor und Funkmodul zu ermöglichen, bei Trockenheit ihren Baumpaten zu benachrichtigen. Einige solcher Ideen für Smart Cities, die sich erst dank der Vernetzung vollständig realisieren lassen, hat die Telekom bereits in vielen europäischen Städten umgesetzt.

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Vernetzter Park in Bukarest

In Bukarest etwa hat Telekom Romania verschiedene Smart-City-Lösungen im beliebten Park Tineretului installiert. Die Parkplätze rund um den Park sind vernetzt; ein WLAN-Hotspot ermöglicht kostenlosen Internet-Zugang. Die Laternen im Park wurden mit stromsparenden LED-Leuchten und Sensoren ausgestattet: Sie schalten sich nun selbstständig ein, wenn es dunkel wird, und werden heller, sobald sich ein Besucher nähert. Ein Videoüberwachungssystem meldet der Polizei zudem automatisch Vandalismus im Park und erkennt hilfsbedürftige Personen.

 

Im nordspanischen Gijon, der größten Stadt der Provinz Asturien, haben wir ebenfalls ein solches Smart-Lighting-Projekt gestartet. Über 1.000 intelligente Straßenlaternen, die sich über ein Webportal auch aus der Ferne dimmen lassen und Störungen selbsttätig melden, bringen der Stadt pro Jahr Einsparungen von mehr als 100.000 Euro. Eine offene IoT-Plattform ermöglicht es, stadtweit weitere Lösungen wie WLAN-Hotspots, Bewegungsmelder oder Sensoren zur Messung der Luftqualität einzubinden. Damit die Bürger von Gijon davon auch etwas mitbekommen, können sie die gesammelten Daten übersichtlich auf einer Webseite oder einer Anzeigetafel in der Stadt ablesen.

IoT-Lösungen müssen den Bürgern einer Stadt einen konkreten Mehrwert bringen.

Amin Larimian

Amin Larimian
Amin Larimian Amin Larimian (© 2017 Telekom)

Amin Larimian verantwortet als Commercial Manager M2M und IoT bei der Telekom Deutschland die Produkteinführung entsprechender Lösungen in den deutschen Markt.

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Für die Akzeptanz von Smart-City-Projekten ist es wichtig, den Bürger einzubeziehen. Bei früheren Initiativen drehte es sich oft nur darum, möglichst viel Technologie einzusetzen. Philadelphia etwa, eine der größten Städte der USA, hatte ein – gut gemeintes – Programm für arbeitssuchende Bürger aufgelegt, bei dem die Beteiligten unter anderem per Smartphone an einem digitalen Jobtraining teilnehmen konnten. Nicht bedacht hatten die Initiatoren, dass viele Arbeitslose und Geringverdiener kein Smartphone besitzen.

Heute ist der Tenor: IoT-Lösungen müssen den Bürgern einen konkreten Mehrwert bringen. Sie müssen ihnen den Alltag erleichtern, sei es bei Behördengängen, bei der Parkplatzsuche oder durch frei verfügbaren Internet-Zugang. Wenn die Städte dazu noch Geld sparen und durch eine höhere Energieeffizienz nachhaltiger werden – umso besser.