Auf Langstrecken ist es schon längst gang und gäbe: Während des Flugs zu einem geschäftlichen Termin auf dem Smartphone ein passendes Hotel buchen, im Firmenintranet via VPN schnell noch ein paar Infos abrufen und ganz nebenbei den Aktienmarkt checken. Doch die Mehrheit der Passagiere würden am liebsten auch auf Kurzstrecken über den Wolken surfen: Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger würden 90 Prozent der Fluggäste einen WLAN-Zugang im Flugzeug nutzen.

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Bis vor kurzem waren Internetverbindungen an Bord von Flugzeugen aufgrund technologischer Herausforderungen noch recht teuer. Denn herkömmliche 3G-Mobilfunknetze sind für Flugzeuge ungeeignet, weil sie nur in sehr geringer Höhe leistungsfähig sind. Deshalb setzen die meisten Betreiber derzeit für WLAN im Flugzeug noch auf teure Satellitenkommunikation. Hierbei stören allerdings die hohen Latenzzeiten: Der Weg des Funksignals vom Flugzeug über einen Satelliten zur Erde und wieder zurück macht die Datenübertragung träge. Und etwa Streaming oder den Transfer großer Datenmengen schwierig bis unmöglich.

European Aviation Network: Schnelles Internet im Flugzeug

Um der hohen Nachfrage nach WLAN im Flugzeug gerecht zu werden, haben die Deutsche Telekom und Satellitenkommunikationsanbieter Inmarsat im Februar 2018 das European Aviation Network (EAN) entwickelt, ein Netzwerk, das den Luftraum der Europäischen Union inklusive Norwegen und Schweiz abdeckt. Es kombiniert einen sogenannte S-Band-Satelliten mit LTE-Antennen von Technologiepartner Nokia am Boden und sorgt so für flächendeckenden Empfang im gesamten europäischen Luftraum – auch über dem Meer.

WLAN im Flugzeug – wie geht das eigentlich?

Karsten Pfrommer
Karsten Pfrommer Karsten Pfrommer (© 2017 Telekom)

Seit 2017 verantwortet Karsten Pfrommer die Entwicklung des Portfolios für Mobilfunk und WLAN-Produkte für Geschäftskunden der Telekom in Deutschland. Als Tarif-experte im Mobilfunk entwickelt er zudem die Mobilfunktarife für Geschäftskunden.

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Eine Lösung, die die Nachteile bisheriger Anbieter ausmerzt. Der von Inmarsat bereitgestellte Satellit im geostationären Erdorbit leuchtet ganz Europa aus. Zusätzlich wurden 300 LTE-Basisstationen auf dem ganzen Kontinent verteilt. Das mag zunächst wenig erscheinen. Schließlich haben herkömmliche Antennen eine Reichweite von lediglich rund zehn Kilometern und decken somit nicht jeden Winkel Europas ab. Die Stationen von Nokia sind jedoch besonders leistungsstark. Sie haben eine Reichweite von jeweils 80 Kilometern – und übertreffen damit jede Reiseflughöhe. Somit reichen die wenigen hundert Antennen der Telekom aus, um ganz Europa abzudecken: vom hohen Norden in Oslo bis in die südlichsten Zipfel auf Kreta.

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Das Flugzeug ist mit zwei Antennen an der Ober- und Unterseite ausgestattet. Hat sich ein Fluggast nun mit dem WLAN an Bord verbunden und möchte aus acht Kilometern Höhe auf sein Firmennetzwerk zugreifen, werden die Bits und Bytes aus der Kabine entweder über die Antenne an der Oberseite des Flugzeugs an den Satelliten, oder über den Sender an der Unterseite an eine Bodenstation gesendet – je nachdem, welche Verbindung zu diesem Zeitpunkt stärker ist. Der Dienst schaltet immer automatisch auf die bessere Verbindung um. Über dem offenen Meer etwa springt der Satellit ein, über Land die LTE-Masten am Boden. Die hohe Geschwindigkeit der Flugzeuge stellt dabei kein Problem dar. Die LTE-Hardware erreicht selbst Objekte, die sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1.200 Kilometern pro Stunde bewegen.

Welche Airlines bieten WLAN im Flugzeug an?

Internet im Flugzeug wird in Zukunft vermutlich ein alltäglicher Service sein. Noch bieten ihn allerdings längst nicht alle Airlines an. Und diejenigen, die bereits online sind, unterscheiden sich stark in Preis und Qualität. Lufthansa war einer der Pioniere in Sachen WLAN über den Wolken. Die meisten Maschinen der Airline sind bereits um Antennen erweitert und bieten mit dem Internetangebot FlyNet, das von der Telekom bereitgestellt wird, Geschwindigkeiten von bis zu 15 MBit pro Sekunde. Auch Lufthansa-Tochter Eurowings ist bereits dabei, in ausgewählten Flugzeugen erhalten hier die Passagiere sogar zehn Minuten gratis WLAN. Künftig werden auch Geschwindigkeiten von bis zu 75 MBit pro Sekunde möglich.

Im Flugzeug surfen: Noch Luft nach oben

Das FlyNet-WLAN-Angebot auf europäischen Flügen ist eines der ersten am Markt. Ein Angebot, das dem Zeitgeist entspricht. Schließlich zählt die Luftfahrtindustrie in Europa knapp eine Milliarde Passagiere pro Jahr, von denen 90 Prozent ihr eigenes Device mit in die Kabine nehmen. Ein Internetzugang wird da sicher bereits in naher Zukunft von den meisten wie selbstverständlich erwartet.

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