Der junge Mann am Nebentisch ist versunken in eine Folge seiner Lieblingsserie, die er auf seinem Tablet guckt. Und die Enddreißigerin am Tisch rechts checkt noch mal E-Mails und die frisch aktualisierten Vertriebszahlen, bevor sie sich auf den Weg zum nächsten Kundentermin macht. Das sind Szenen, die ich jüngst in einem Café in Berlin-Mitte beobachtet habe. Warum beschreibe ich das? Weil Szenen wie diese längst unverzichtbarer Teil unseres Alltags geworden sind.

Und weil inzwischen selbstverständlich ist, was vor Kurzem noch undenkbar war: Zwei von drei Menschen, so eine Netflix-Studie, schauen Filme und Serien nicht mehr nur zu Hause, sondern auch unterwegs, etwa auf dem Tablet. 61 Prozent der Unternehmen in Deutschland ermöglichen mobiles Arbeiten per Smartphone oder Tablet, das hat das Statistische Bundesamt errechnet. 80 Prozent dieser Unternehmen lassen Beschäftigte auf das unternehmenseigene E-Mail-System zugreifen, und mehr als jedes Dritte lässt seine Mitarbeiter von unterwegs firmeninterne Geschäftssoftware nutzen.

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Die Cloud – Basis für 5G

Ohne IT aus Rechenzentren kommerzieller Anbieter kein 5G: Die Cloud gilt nicht umsonst als unverzichtbare Basis der Digitalisierung. Mit der Open Telekom Cloud bietet die Telekom flexible Rechen- und Speicherressourcen aus mehrfach zertifizierten Rechenzentren, die der Provider selbst in Sachsen-Anhalt betreibt.

Wahnsinn – wenn man bedenkt, dass wir vor etwas mehr als zehn Jahren mit dem Mobiltelefon noch nicht einmal ins Internet konnten. Und dennoch handelt es sich im Grunde nur um eine Durchgangsstation auf dem Weg in eine technische Zukunft, deren nächster Quantensprung unmittelbar bevorsteht: Der Einsatz von 5G. Ich bin davon überzeugt: Die neue Netztechnologie wird unser ganzes Leben auf den Kopf stellen.

Warum? Zum Beispiel, weil wir mit 5G Maschinen in Echtzeit steuern können. Aber auch, weil damit künftig jedes Gerät mit entsprechender Internet-Verbindung zum Supercomputer wird. Denn das Funknetz der Zukunft überträgt riesige Datenmengen in kürzester Zeit und reagiert dabei ultraschnell. Die Folge: Mobile Endgeräte wie etwa Smartphones brauchen künftig keine hohe Rechenleistung mehr – und führen dennoch komplexeste Anwendungen aus. Die nötige Rechenpower dafür kommt aus der Cloud.

Das eröffnet eine schier unvorstellbare Zahl neuer Anwendungsmöglichkeiten, nicht nur für Smartphones, sondern für alle Dinge, die mit dem Internet verbunden sind – vom Industrieroboter über Datenbrillen bis hin zum autonom fahrenden Fahrzeug.

Erweiterte Realität aus der Cloud

Korbinian Lehner
Korbinian Lehner Korbinian Lehner (© 2017 Telekom)

Korbinian Lehner versteht sich als „Senior Digital Native“ und ist bei der Telekom Deutschland für alle IT-Themen verantwortlich. Zuvor war er in verschiedenen Positionen bei anderen IT-Dienstleistern tätig.

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Die Telekom hat kürzlich eine Anwendung für eine Augmented-Reality-Brille (AR-Brille) präsentiert, die virtuelle Zusatzinformationen für ein Autorennen auf einer Carrera-Bahn anzeigen kann. Der Spieler trägt die Brille auf der Nase, die Brille erfasst mit einer Kamera die Position der Fahrzeuge auf der Rennstrecke und sendet diese Information verzögerungsfrei in die Cloud. Dort erkennt eine Software die Position des Fahrzeugs, spielt diese Information zurück und spiegelt sie direkt über dem entsprechenden Auto auf der Brille ein.

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Momentan liegen die einzelnen Micro-Services der Anwendung noch auf der Brille selbst. Die wird dadurch vergleichsweise schwer und verbraucht viel Strom. Weil sich die Anwendung dank 5G und Edge Computing künftig nahtlos aus der Cloud auf die Brille spielen lässt, werden AR-Brillen künftig deutlich kleiner, filigraner und kaum noch von einer normalen Brille zu unterscheiden sein.

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5G macht Industrie 4.0 erst möglich

Von steigenden Datenübertragungsraten, stark sinkenden Reaktionszeiten und zuverlässigen Übertragungsstandards profitiert vor allem die produzierende Industrie. Kurz: Der Technologieschub namens 5G wird Industrie-4.0-Anwendungen massentauglich machen. Denn Unternehmen können damit beispielsweise komplette Maschinenparks so miteinander vernetzen, als wären sie direkt per Glasfaserkabel untereinander verbunden. So kann jede Maschine künftig mit sämtlichen anderen Maschinen eines Unternehmens weltweit und verzögerungsfrei kommunizieren – in Echtzeit also. Auch hier wird die Cloud eine wesentliche Rolle spielen. Denn dort liegen die Plattformen, mit denen Unternehmen ihre Maschinenparks dezentral orchestrieren.

Europas erste 5G-Antennen

Die Telekom hat in Berlin bereits 2017 vier 5G-Funkzellen eingerichtet – die Antennen sind die ersten in Europa, die live und in realer Umgebung über 5G funken. Und die ersten, die bereits heute zeigen, was in Sachen Kommunikation künftig Standard sein wird: Die Telekom erreicht damit Übertragungsraten von zwei Gigabit pro Sekunde auf einem einzelnen Endgerät und eine Latenz von nur drei Millisekunden. Es ist eine beeindruckende Demonstration der beiden wesentlichen Vorteile der Technologie: extrem hohe Übertragungsraten und enorm kurze Reaktionszeiten. Hinzu kommt die hohe Verfügbarkeit: Signale im Frequenzbereich der 5G-Technologie sind nochmals deutlich stabiler als bisherige Mobilfunksignale.

Ähnliches gilt für autonomes Fahren oder die Telemedizin – Anwendungen, die ohne verzögerungsfreie Kommunikation gar nicht möglich wären. Schließlich können computergesteuerte Fahrzeuge nicht darauf warten, dass ein Datenpaket mit der Information über eine Unfallstelle hinter der nächsten Kurve entscheidende Sekundenbruchteile zu spät eintrifft, weil das Netz die Informationen zu langsam überträgt. Und wenn ein Chirurg aus Asien künftig eine komplizierte Herz-OP in den USA fernsteuert, entscheidet eine zuverlässige Echtzeitübertragung der Steuerungsbefehle im wahrsten Sinne des Wortes über Leben und Tod.