Beim Betreten der Wohnung fällt Licht durch bodentiefe Fenster auf walnussbraunes Parkett. Der renovierte Altbau wirkt auch ohne Möbel äußerst wohnlich. Doch leider erweisen sich die Räume bei der Besichtigung viel kleiner als auf den Bildern der Internet-Annonce. Damit ist schnell klar: Das Objekt kommt nicht infrage.

Enttäuscht, weil Abbild und Realität nicht übereinstimmen: So, wie es mir kürzlich bei der Suche nach einer Wohnung in der Bonner Innenstadt erging, fühlen sich täglich viele Menschen: Nicht nur, dass die Hoffnung auf die Traumbude verpufft – auch die Zeit für den Besichtigungstermin ist verloren. Modernes Marketing sieht anders aus: VR-Brille aufsetzen und bequem von zuhause aus einen realitätsnahen Eindruck der potentiellen neuen Wohnung verschaffen – davon profitieren nicht nur Kunden, sondern auch Makler, denn sie erhalten nur Anfragen von Menschen, die wirklich Interesse haben. Viele unnötige Besichtigungstermine blieben auch ihnen erspart.

VR im Sales- und Marketing-Umfeld

Korbinian Lehner
Korbinian Lehner Korbinian Lehner (© 2017 Telekom)

Korbinian Lehner versteht sich als „Senior Digital Native“ und ist bei der Telekom Deutschland für alle IT-Themen verantwortlich. Zuvor war er in verschiedenen Positionen bei anderen IT-Dienstleistern tätig.

>> Mehr zu Korbinian Lehner auf seiner Köpfe-Seite

Doch manche denken aktuell, der Virtual-Reality-Hype sei längst vorbei. Das liest man zumindest hier und da in der Presse. Dem stimme ich sogar teilweise zu: Gemäß des Hype-Cycles der Marktforscher von Gartner ist virtual Reality schon lange über den Zenit der überzogenen Erwartungen hinaus. Doch das bedeutet nicht, dass Virtual Reality nun in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Ganz im Gegenteil: Jetzt geht es erst richtig los.  So rechnen die Marktforscher von ABI Research bereits in vier Jahren mit einem weltweiten Umsatz von 60 Milliarden Dollar. Und ob Vertrieb, Marketing oder Design, ob Immobilienwirtschaft, Fahrzeugbau oder Handel: Viele Lösungen sind bereits heute im Einsatz: . Das Start-up NavVis aus München etwa hat eine Technologie entwickelt, Räume im Handumdrehen zu digitalisieren. Und so digitale Haus- und Wohnungsbesichtigungen via Virtual Reality möglich zu machen. Die Telekom ist Vertriebs-Partner der Münchener und hostet das System in der Open Telekom Cloud.

Auch interessant: Besser bauen mit Brille

Beste Basis für VR: die Open Telekom Cloud

Public Cloud Computing bietet die optimale Basis für Virtual-Reality-Anwendungen: Flexibel skalierbare IT-Ressourcen auf Abruf stellen jederzeit die hohe Leistung bereit, die für Video- oder Grafik-basierte Anwendungen nötig sind. Wie etwa die Open Telekom Cloud – die Public Cloud der Deutschen Telekom mit offenen Schnittstellen auf Basis von OpenStack. Die Telekom betreibt die Cloud, die höchste IT-Sicherheit und größtmöglichen Datenschutz bietet, in deutschen Rechenzentren in Sachsen-Anhalt.

Auch in der Design-Entwicklung im Automobilbau ist virtuelle Realität nicht mehr wegzudenken: Was früher das Tonmodell war, ist heute der digitale Prototyp. Der Vorteil: Über ihre Virtual-Reality-Brillen können sich Designer in Deutschland und China in einer virtuellen Garage zum Austausch treffen und das digitale Modell bearbeiten, als stünden sie gemeinsam direkt davor. Ein gewaltiger Vorteil für Automobilbauer wie beispielsweise Mercedes-Benz, die Design-Zentren in den USA, Europa und China betreiben.

Virtuelles Marketing am Point of Sale (POS)

Doch Virtual Reality kann auch direkt am POS verkaufsfördernd wirken. So nutzen beispielsweise einige Audi-Händler VR-Anwendungen, um ihre Kunden nicht nur im klassischen Autohaus, sondern auch in die digitale Welt zu begleiten. Also dort, wo sie mittlerweile deutlich häufiger anzutreffen sind. So können Kunden Fahrzeuge erleben oder gar kaufen, bevor sie überhaupt auf dem Markt sind oder beim Händler im realen Showroom stehen. Oder um Zusatzausstattung erlebbar zu machen, statt sie nur im Hochglanzprospekt oder in der Preisliste zu betrachten.

Mehr Erfolg im Sales durch digitale Welten verspricht sich auch Badspezialist Villeroy und Boch: Kunden nutzen die Digitalisierung nicht nur, um ihr Wunschbadezimmer auf der Homepage zu konfigurieren: Kurze Zeit später können sie es auch als virtuelles 3-D-Modell bewundern – dank einer VR-Brille, die Kunden sich aus einer Pappschablone des Bad-Armaturen-Herstellers im Handumdrehen selbst basteln können: Smartphone in den Pappschlitz schieben, App öffnen – fertig.

Auch interessant: Virtual Reality: Ikea hat den "begehbaren" Möbelkatalog

Ein Prinzip, das sich auf jedes Produkt übertragen ließe. Und nur ein Beispiel, das zeigt, wie auch Online-Händler ihre Verkäufe steigern könnten und dabei gleichzeitig ihre größte Schwäche ausmerzen: das Fehlen eigener Verkaufsflächen, das Vor-Ort-Begutachten eines Produkts, bevor es zum Kauf kommt.

Mehr standardisierte Lösungen für den Mittelstand nötig

Aus meiner Sicht allesamt tolle Beispiele, die die große Bandbreite und das enorme Potenzial von VR-Technologie belegen. Doch wie profitiert der Mittelstand von dieser Entwicklung? Die Herausforderung für Unternehmen besteht aktuell darin, die Technologie massentauglich zu machen. Start-ups entwickeln sie, Großkonzerne nutzen sie – der Mittelstand bleibt bislang in der Regel noch außen vor.

Verwechslungs-gefahr: VR versus AR

Virtueller Realität wird oft mit Augmented Reality – der erweiterten Realität – in einen Topf geworfen. VR ist immersiv, das heißt: Nutzer tauchen vollends in die virtuelle Welt ab. Augmented Reality hingegen ist eine Ergänzung der realen Welt durch digitale Zusatzinformationen. Ein Beispiel aus der AR-Welt sind beispielsweise Head-up-Displays in Autos oder die Datenbrille Google Glas. Für VR-Anwendungen greifen Nutzer hingegen zu VR-Headsets wie Oculus Rift oder HTC Vive. Oder zum Smartphone, denn mit einer Pappschablone und dem eigenen Handy bauen sich Anwender schnell und günstig ihre eigene VR-Brille.

Hier sind Lösungen gefragt, die auch kleine und mittelständische Unternehmen ohne tiefgreifendes IT-Know-how nutzen können. Der Markt braucht VR-Plattformen, die sich Unternehmen für ihre Bedürfnisse nach dem Baukastenprinzip zusammenstecken können. Mein Appell daher an Start-ups: Entwickelt mehr Lösungen für die wichtigste Zielgruppe im Business-Umfeld – kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Denn die stellen mehr als 99 Prozent aller Firmen in Deutschland.

 

Auch interessant: Mixed Reality: Sieben Einsatzmöglichkeiten für Firmen

Die Voraussetzung dafür ist die richtige Technologie. Schließlich ist virtuelle Realität – wie alle grafikbasierten Anwendungen – extrem rechen- und speicherintensiv, benötigt enorme Hard- und Software-Ressourcen. Und die beziehen Unternehmen am sinnvollsten aus dem Rechenzentrum eines kommerziellen Anbieters – sprich: der Public Cloud, statt sie selbst zu kaufen, zu installieren und zu warten. Mein Tipp: Public-Cloud-Ressourcen der Telekom. Denn die sind nicht nur mehrfach zertifiziert, hoch sicher und bieten höchsten Datenschutz. Sie sind auch auf allen Ebenen skalierbar – selbst in Sachen Bandbreite. Und auf die kommt es insbesondere bei Daten-Intensiven Anwendungen schließlich an.