Online-Handel vs. stationäre Geschäfte: Ausgang offen?

Landläufig herrscht die Überzeugung, dass der Online-Handel die Ursache für die zunehmende Verödung der Innenstädte sei. Alle kaufen im Internet, immer weniger gehen in der City einkaufen. Tatsächlich belegt auch eine neue Studie des IFH Köln, dass fast jeder Fünfte der Befragten lieber im Internet shoppt. Die Studie „Vitale Innenstädte“ zeigt aber auch, dass in den meisten Branchen das stationäre Geschäft in der Innenstadt immer noch die erste Anlaufstelle der Käufer ist.

Zur Person

Marco Börries, Jahrgang 1968, gilt als Seriengründer und wurde in den 80er-Jahren als der „deutsche Bill Gates“ bekannt. Mit gerade einmal 16 gründete er seine erste Firma Star Division. Mit seiner Büro-Software StarOffice brachte er eine erschwingliche Alternative zu Microsofts Produkt auf den Markt und verkaufte es 1999 an Sun Microsystems, wo er dann als President of Desktop & Webtop Software arbeitete. Sein 1996 gegründetes zweites Unternehmen Star Finanz verkaufte er an die Sparkassen-Organisation. Sein drittes Startup, Verdisoft, verkaufte er 2005 an Yahoo. Dort leitete er bis 2009 die Mobile-Sparte, bis er mit seiner Familie zurück nach Deutschland kam. Hier gründete er mit NumberFour sein viertes Startup mit den Standorten Hamburg und Berlin, das über sieben Jahre an der Business-Plattform für kleine und Kleinstbetriebe arbeitete. Mit der Markteinführung des Ökosystems für SMBs benannte Börries seine Firma in „enfore“ um.

Digitalisierung muss auch für Klein- und Kleinstbetriebe möglich sein

Weshalb Klein- und Kleinstbetriebe weltweit zu kämpfen haben, liegt meiner Meinung nach eher daran, dass sie kaum Möglichkeiten haben, ihre Geschäftsprozesse zu digitalisieren, wie beispielsweise große Ketten mit eigener IT-Abteilung, entsprechendem Budget und Know-how. Fakt ist, dass wir inzwischen alle Prozesse und Abläufe durch Software abbilden können. Für Kleinunternehmen sind die erforderlichen Tools – vom Verkauf über die Warenwirtschaft bis zur Kundenkommunikation und -bindung – aber noch zu komplex und zu teuer. Das Business wird dadurch für die Kleinen immer unfairer.

Schon seit 32 Jahren, seitdem ich im Business bin, liegen mir gerade die kleinen Unternehmen am Herzen. Mir ist wichtig, dass auch die kleinen Player eine realistische und faire Chance am Markt bekommen und letztlich wir als Kunden und Verbraucher auch mehr Auswahl haben. Damals war es mir mit StarOffice gelungen, eine günstige Alternative zum Branchenführer Microsoft Office auf den Markt zu bringen.

IT für regionale Dienstleister und Händler

In den letzten Jahren habe ich mir überlegt, wie eine IT-Infrastruktur aussehen müsste, die regionale Dienstleister und Händler einfach nutzen können, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber Friseur und Bäcker sind ziemlich unterschiedlich. Wie lassen sich also so heterogene Branchen von der Gastronomie bis zum Handwerk mit einer einheitlichen Lösung abdecken, damit sich jede Branche darin wiederfindet? Das wird keine kleine Herausforderung, dachte ich mir schon.

Marco Börries Marco Börries (© 2017 Andreas Sibler)

 

Ich habe knapp sieben Jahre lang mit meinem Team mit meinem neuen Startup enfore – während der Entwicklungszeit nannten wir es NumberFour – genau an dieser Lösung gearbeitet. Warum hat das so lange gebraucht? Na ja, wenn es einfach wäre, würde es sie längst von einem der großen Softwareanbieter geben. Immerhin zählt das Marktsegment mit weltweit 200 Millionen kleinen und Kleinstbetrieben mit Abstand zum größten Abnehmerkreis, den man sich denken kann.

Eine Plattform für alle Anwendungen und fürs Business

Die Lösung hat uns zu einer Plattform fürs Business geführt, die den Anwendern alle wichtigsten Anwendungen gebündelt zur Verfügung stellt. Auf dieser Plattform wird es später – wie Apple es mit dem iPhone bei den Privatanwendern vorgemacht hat – Business-Apps geben. Wir haben aber nicht nur eine Software-Welt gebaut, sondern auch die Hardware dazu entwickelt. Ein Betrieb erhält nicht nur die Kassensoftware, sondern auch die digitale Ausstattung am Point of Sale, der heute weit mehr ist als eine einfache Kasse.

Der Vorteil dabei: Das gesamte Warenwirtschaftssystem samt Lagerhaltung und dem Bestellwesen sind damit verbunden. Damit wird das Geschäft einfacher, schneller und sicherer. Über unsere Plattform gelangen Kleinunternehmen – vom Tante-Emma-Laden über das Bistro bis zum Friseur und Handwerksbetrieb an der Ecke – in die digitale Welt: Sie haben die Chance, neue Vertriebskanäle wie eine eigene Website zu öffnen, auf der sie ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten oder Reservierungen entgegennehmen können. Sie müssen nicht gleich alle Möglichkeiten nutzen, sondern können ganz in Ruhe nach und nach in die digitale Welt einsteigen. Die Plattform ist dafür bereit, wenn sie es sind.

In einer Welt des ewig Gleichen, die von großen Konzernen wie Amazon, Starbucks, Zara oder Airbnb beherrscht wird, möchte ich jedenfalls nicht leben. Kleinstunternehmer und Small Businesses liegen mir am Herzen. Ich mag den Wettbewerb und die Vielfalt. Wir wollen also die Kleinen mit der Technik ausstatten, die sie brauchen, um in der vernetzten Welt gegen die Großen wettbewerbsfähig zu sein. Mehr nicht, aber weniger auch nicht.