Der Digitalisierungs-Hype ist auch bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) angekommen – also Handwerkern, Selbstständigen, Vertretern freier Berufe. Was lösen die täglichen, mit Buzzwords wie „disruptiv“ und „agil“ garnierten Meldungen über neue Produkte, die Gefahr der Substitution durch Roboter, die Bedrohung durch globale Technikkonzerne und „bereits abgefahrene Züge“ im Mittelstand aus?

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Grundsätzliche Leitempfehlungen

Neben Aufbruchsstimmung werden oftmals Unsicherheit, Ängste und Handlungsdruck empfunden. Nicht selten fehlt es an Know-how und Orientierung. Dieser Beitrag ist Teil einer Serie, in der ich Ihnen praxisnahe Tipps gebe, die sich im langjährigen Kontakt mit Mittelständlern bewährt haben. Alles mit dem Ziel: einfach und erfolgreich digital durchzustarten.

Zu Beginn sollten Geschäftsführer von KMU folgende Leitsätze beherzigen:

  • Nehmen Sie die Digitalisierung als wirklich wichtiges Thema positiv an – sitzen Sie sie keineswegs aus.
  • Begegnen Sie etwaigen Ängsten konstruktiv, indem Sie Informationsdefizite abbauen. Eine große Hilfe sind etwa Info-Formate wie Digitalisierungs-Events für den Mittelstand, Barcamps, Fuckup-Nights, Meetups oder Veranstaltungen der Kammern und Verbände.
  • Suchen Sie gezielt nach Chancen und Potenzialen – Digitalisierung kann sehr lohnend sein und eine hohe „Digitale Dividende“ bringen.
  • Entwickeln Sie die Digitalisierung mittel- bis langfristig zu einem weiteren Kernkompetenzfeld. Lagern Sie das Thema nicht komplett aus, da Sie sich damit abhängig machen.
  • Holen Sie sich Hilfe zur Selbsthilfe, und schöpfen Sie Fördermöglichkeiten wie das Programm „go-digital“ aus.
  • Machen Sie kleine, überlegte Schritte, und lösen Sie dadurch die Komplexität der Aufgabe nach und nach auf.
„Selbst kleine, gut umgesetzte Schritte in Richtung Digitalisierung zahlen sich aus.“

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Mein Rat: Abgefahrene High-End-Lösungen oder die Einführung eines für Ihre Firma komplett neuen digitalen Geschäftsmodells sollten Sie wahrscheinlich zunächst beiseitelassen. Konzentrieren Sie sich besser auf folgende drei Handlungsfelder, die insbesondere das digitale Marketing betreffen. Sie markieren den idealen Beginn einer Reise ins digitale Zeitalter, da sie das stark gewandelte Informationssuchverhalten des Endkunden abbilden:

  1. Homepage: Erstellen Sie einen attraktiven, technisch modernen und in der Google-Suche gut auffindbaren Internet-Auftritt für Ihr Unternehmen.
  2. E-Mail: Legen Sie eine professionelle Firmendomain mit Adressen nach dem Muster vorname.name@firmenname.de an.
  3. Soziale Medien: Sorgen Sie für Auftritte in den branchenrelevanten Netzwerken, die mit aktuellen, werthaltigen Inhalten gefüllt sein sollten.
„Einen guten Anfang stellen Optimierungen beim digitalen Marketing in Richtung Kunde dar.“
Oliver Kepka
Oliver Kepka Oliver Kepka (© 2017 Telekom)

Oliver Kepka ist als Senior Segmentmarketing Manager im Bereich KMU bei der Telekom Deutschland für die Vermarktung von IT- und Cloud-Lösungen bei kleinen und mittleren Unternehmen zuständig.

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An die erfolgreiche Umsetzung dieser Maßnahmen schließen sich digitale Lösungen zur Optimierung der Arbeitsabläufe an, etwa die Einführung eines leistungsfähigen Kundenbeziehungssystems (Customer Relationship Management, CRM). Außerdem ein verlässliches Daten-Backup-Konzept unter Einbeziehung der Cloud, zur Erhöhung der IT-Sicherheit. Darüber hinaus sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt – bis hin zur Einführung völlig neuer digitaler Geschäftsmodelle.

Bei allem, was Sie tun, ist entscheidend, das Thema Digitalisierung nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern möglichst jetzt einen Anfang zu finden und sich konstruktiv und mit einem positiven Grundgefühl anzunähern. Inspirationen für die ersten Schritte finden Sie in meinen weiteren Beiträgen.