Was macht eigentlich dieser junge Mann, der so glücklich in die Kamera schaut? Über das Internet versorgt die Firma von Dominik Richter Menschen mit handlichen Kochboxen samt Rezepten. „Gesunde Ernährung ist das A und O fürs Glücklichsein“, sagt er und lacht verschmitzt.

Die Kochboxen aus dem Web mit ultrafrischen Zutaten machen eine Menge Menschen glücklich: Der Umsatz explodiert, und unter Börsenprofis gilt die junge Online-Firma HelloFresh aus Berlin bereits als „Unicorn“ – zu Deutsch: Einhorn. So werden Start-ups genannt, die vor dem Börsengang mit über einer Milliarde Dollar bewertet werden.

Auf Geld ist Dominik Richter aber nicht aus, Kochen ist seine Leidenschaft. Früher bei seinen Eltern zu Hause, einem Beamten-Ehepaar in München, wurde täglich frisch aufgetischt. Das setzte der Student während seines Studiums in Vallendar und London selbstverständlich fort, kaufte frische Lebensmittel und bereitete zweimal am Tag eine Mahlzeit zu – zum großen Erstaunen seiner Kommilitonen. „Ich mochte kein Fast Food, ich habe lieber selbst gekocht“, erzählt er. Er trägt Jeans und einen schlichten Pulli, mit den wachen blauen Augen, gepflegt nach hinten gekämmten Haaren und strahlend weißen Zähnen könnte er glatt seine eigene Werbefigur sein. Dass er sich gesund ernährt, Sport treibt und auch sonst auf sich achtet, glaubt man ihm aufs Wort.

Nach seinem BWL- und VWL-Studium in Vallendar und London mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship fing er bei einer Bank an. Da wurde ihm aber schnell die Zeit knapp mit den Einkäufen und dem Zubereiten frischer Mahlzeiten. Den Pizzaboten kommen zu lassen kam für ihn nicht infrage. „Geht das nicht alles frischer mit einem ausgefeilten Lieferdienst?“, fragte er sich.

“Standpunkte verschieben sich dann, wenn man mit offenen Augen und wissbegierig durch die Welt geht.“

Dominik Richter
Geschäftsführer HelloFresh Deutschland Management GmbH
Dominik Richter Dominik Richter (© 2016 Werner Amann)

Der Markt für Lebensmittel nahm gerade Fahrt auf, viele neue Firmen wurden gegründet. Seine etwas andere Idee: Statt Pizzaschachteln einfach kleine Boxen mit frischen Kochzutaten verschicken. Ähnliches gab es seit zwei Jahren in Japan; einen Anbieter auch in Schweden. So entstand im November 2011 HelloFresh, eine Firma, die er zusammen mit Jessica Nilsson und Thomas Griesel gründete.

Anfangs schlug ihnen viel Skepsis entgegen. Geldgeber waren von der Idee nicht überzeugt, zu innovativ war der Ansatz. Nach einigen Wochen reichte es dennoch für eine erste Finanzierungsrunde.

Dann ging es im Blitztempo los: Lieferantenauswahl, Zusammenstellung der Kochboxen, Beschaffenheit der Frischboxen, die Rezepte aussuchen und einen zuverlässigen Lieferdienst aufbauen. Ende Januar 2012 wurden die ersten Zutaten ausgeliefert – in Tüten, die Waren kauften die Gründer selbst im Supermarkt ein.

Mit HelloFresh ermöglichen sie es Vielbeschäftigten, zu Hause gesund zu kochen, ohne sich um wechselnde Rezept- ideen und lästige Einkäufe zu kümmern. Kunden abonnieren im Internet ihre Kochbox mit den passgenauen Zutaten samt Rezept, wie alles zubereitet werden kann.

Die Lebensmittel stammen von regionalen Anbietern, die Rezepte erstellt ein Team nach bestimmten Vorgaben, die Zutaten sind genau aufgelistet. „Gesundes Essen sollte nicht kompliziert sein“, sagt Richter. „Wir legen 30 Minuten Zubereitungszeit fest, ein Gericht sollte nicht mehr kosten als eine Pizza und nicht mehr als 750 Kalorien haben.“ Das Essen in der Box mit drei Mahlzeiten für zwei Personen kostet 39,99 Euro.

Dominik Richter macht jetzt genau das, was er schon als Jugendlicher wollte: ein eigenes, nachhaltiges Unternehmen führen. Sooft es geht, spricht er persönlich mit Erstkunden, will den Kundennutzen identifizieren und eine Verbindung aufbauen. „Das ist der Schlüssel zum Erfolg“, meint er. „Daneben bin ich ein Verfechter von hoher Umsetzungsgeschwindigkeit, penibler Verfolgung der Businesskennzahlen und einer Trial-and-Error-Kultur.“

Die Boxen aus Berlin kommen auch im Ausland an: HelloFresh ist in der Schweiz, in Österreich, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Australien und den USA aktiv. Eingekauft wird vor Ort bei Produzenten, dann geht es in die Lager zum Verpacken und anschließend zum Kunden – ein Grund, warum die Ware „deutlich frischer als im Supermarkt ist“, sagt Richter.

Inzwischen zählt HelloFresh weltweit rund 800 000 Abonnenten, der Umsatz 2015 stieg auf 300 Mio. Euro. Kein Wunder, dass der junge Mann glücklich lächelt.