Ohne fremde Hilfe in den Stiefel kommen

Bootstrapping

Gründer, die sich für Bootstrapping entscheiden, nutzen ausschließlich eigenes Kapital und versuchen, ihr Startup ohne fremde Hilfe aufzubauen.

Ein Bootstrapping-Startup entscheidet sich bei der Unternehmensgründung ganz bewusst gegen jede Art von Fremdfinanzierung. Was das mit Stiefeln zu tun hat? Um das zu erklären, benötigt man ein bisschen Fantasie: Ein Bootstrap ist ein Stiefelriemen, der es ermöglicht, seine Stiefel ohne fremde Hilfe an- und auszuziehen und sie so festzuzurren, dass sie passgenau am eigenen Fuß sitzen.

Ein Bootstrapping-Startup verzichtet ebenfalls auf fremde Hilfe, zumindest in finanzieller Hinsicht. Wählt ein Gründer diese Variante, geht er bewusst ein höheres Risiko ein. Gleichzeitig erhält er sich aber ein Höchstmaß an Selbstständigkeit und kann sein Unternehmen nach seinen Vorstellungen gestalten.

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Bootstrapping-Startup nicht immer die richtige Wahl

Die Idee eines Bootstrapping-Startups mag vielen Gründern zunächst sehr verlockend erscheinen: Keine Einmischung von potentiellen Geldgebern, keine langen Diskussionen mit möglichen Partnern – man entscheidet einfach nach eigenem Ermessen.

Aber Bootstrapping eignet sich nicht für jedes Startup und auch nicht für jeden Gründertyp. Bei Geschäftsmodellen mit langer Entwicklungszeit zum Beispiel ist diese Form der Finanzierung in der Regel keine gute Idee und auch ein Familienvater mit hypothekenbelastetem Eigenheim sollte sich besser nach anderen Alternativen umsehen. Wann also kann ein Bootstrapping Startup eine passende Wahl sein?

Persönliche Risikobereitschaft prüfen

Es lässt sich nicht leugnen: Bei einem Bootstrapping Startup trägt der Gründer das volle Risiko. Seine Risikobereitschaft muss also entsprechend hoch sein. Daneben spielt aber auch die Risikofähigkeit eine Rolle.

So mag der bereits erwähnte Familienvater womöglich durchaus zur Übernahme des Risikos bereit sein – zu empfehlen ist ihm diese Variante nicht. Er sollte stattdessen Erwägung ziehen das Gründungsrisiko durch die Beteiligung von Partnern zu verringern – zumal bei einer Bootstrapping Gründung der Weg zum Erfolg oft länger dauert und steiniger ist, eben weil der Gründer alles allein macht.

Ein Bootstrapping-Startup braucht eine sorgfältige Finanzplanung. (© 2018 Shutterstock / Atstock Productions)

Finanzpolster nicht zu knapp kalkulieren

Neben einer geeigneten Geschäftsidee brauchen Bootstrapping Gründer vor allem Geld für die Umsetzung – eigenes oder von Familie, Freunden und Bekannten zur Verfügung gestelltes. Bei der Berechnung der mindestens benötigten Summe sollte der angehende Unternehmer nicht vergessen, dass er in der Anfangsphase auch noch die Kosten für seinen Lebensunterhalt tragen muss. Ein sorgfältig erarbeiteter, eher konservativ aufgestellter Finanzplan ist daher beim Bootstrapping unverzichtbare Voraussetzung.

Grundlegende Tipps für ein Bootstrapping-Startup

  • Ein Bootstrapping-Startup sollte schnellstmöglich das operative Geschäft aufnehmen, um zügig den Break-even zu erreichen und einen positiven Cashflow zu erwirtschaften. Das zu vermarktende Produkt oder die Dienstleistung sollte also möglichst fix und fertig vorliegen.
  • Bootstrapping bedeutet: Es muss schnell Geld in die Kasse kommen. Dem Vertrieb kommt daher eine Schlüsselfunktion zu. Idealerweise ist der Gründer selbst ein Verkäufertyp; wenn nicht, sollte er sich frühzeitig einen geeigneten Partner suchen.
  • Sparsamkeit und Effizienz stehen beim Bootstrapping über allem. Nicht nur Geld, auch Zeit muss sinnvoll eingesetzt werden. Das bedeutet auch, der Gründer muss nicht immer alles selbst machen. Stattdessen sollte er sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und in anderen Dingen professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. „Outsourcing“ heißt das Stichwort.
  • Perfektion lässt sich mit einem schmalen Budget in der Regel nicht erreichen. Das steht dem Erfolg aber nicht im Wege, solange die knappen Ressourcen an der richtigen Stelle eingesetzt werden.
  • Auch wenn in der Gründungsphase auf einen Kredit verzichtet wird: Den Kontakt zu Banken sollten Bootstrapper dennoch pflegen. Hat das Unternehmen Erfolg und wächst, stellt sich die Situation vielleicht bald ganz anders dar.

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Ein positiver Cashflow ist für ein Bootstrapping-Startup existentiell. (© 2018 Shutterstock / WIN12_ET)

Später Lohn für Bootstrapper

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Ein Bootstrapping-Startup eignet sich also vor allem für Gründer mit hoher Risikobereitschaft, die mit ihrem Geschäftsmodell schnell den Break-even und einen positiven Cashflow erwirtschaften können. So gegründete Unternehmen sind oft effizienter und schlanker aufgestellt als andere, da sie von vornherein sparsam mit Zeit und Geld wirtschaften müssen. Gelingt der Start, gewinnt der Unternehmer enorm an Ansehen bei Kunden und Geschäftspartnern. Daher fällt die Suche nach Kapitalgebern leichter, wenn das Unternehmen expandieren möchte.