Die Gründer von NavVis hatten eine dieser außergewöhnlichen Geschäftsideen, die den ganz großen Erfolg bringen können. Die Münchener entwickelten einen mobilen Trolley mit Spezialkameras, Laser- und Funksensoren. Während ein Mitarbeiter das zwei Meter hohe Gestell durch ein Gebäude schiebt, fotografieren die Kameras jeden Winkel, Meter für Meter. Die Fotos bilden die Basis für eine Indoor-Navigations-App, die Benutzer zum ihrem Ziel lotsen soll. „Das ist wie Google Street View, nur für drinnen“, schwärmt Tim Günther, Business Development Manager bei NavVis während einer Präsentation auf dem CeBIT-Stand der Telekom. Um die Technik zu demonstrieren, hatte die Telekom ihren eigenen Messestand vor der Eröffnung der CeBIT mit einem der Trolleys gescannt.

„Wer braucht denn ein Navi für drinnen?“, fragte Moderator Simon Beeck dennoch skeptisch auf der CeBIT-Bühne. „Die Frage hat sich beim Navi im Auto zu Beginn auch jeder gestellt“, antwortet Tim Günther. „Heute nutzt es praktisch jeder. Mit unserer Lösung verläuft sich einfach keiner mehr in Gebäuden wie Flughäfen, Krankenhäusern oder auch hier in den Hallen der Messe Hannover.“

3-D-Gebäudedaten

Der schlaue Wegweiser von NavVis kann aber mehr als bloß die Richtung weisen. Die Lasersensoren der Mess-Trolleys scannen jedes noch so kleine Detail der Umgebung. Auf diese Weise entsteht ein detailliertes 3-D-Modell der Räume, „eine Art digitaler Zwilling“, sagt Günther von NavVis. Das kann beispielsweise nützlich für Wartungs- oder Renovierungsarbeiten sein. „Wir können mit unserer Lösung die Position jedes Feuerlöschers, jeder Lampe und jeder Revisionsklappe im Inneren von Gebäuden im 3-D-Modell kartographieren.“

Kein anderer Hersteller weltweit bietet ein derartiges System. Kein Wunder, dass Kunden auf der ganzen Welt den NavVis-Stand besuchen. Die Jungunternehmer wollen vor allem Mittelständler ansprechen. „Der deutsche Mittelstand ist aber sehr heterogen“, sagt Günther. „Er zeichnet sich durch einen sehr hohen Spezialisierungsgrad und tiefes Expertenwissen aus. Eine solide Vertriebsstruktur für diese Zielgruppe aufzubauen, stellt uns vor eine große Herausforderung. Die Telekom dagegen verfügt über ein sehr breites Vertriebsfeld, von dem wir als Startup optimal profitieren können.“

Vorteile für alle Beteiligten

Um die hochattraktive Zielgruppe zu erreichen, kooperiert NavVis seit kurzem mit der Telekom. Zweiter Grund für die Partnerschaft zwischen Startup und Konzern: Datensicherheit und Datenschutz. Die Telekom speichert die Daten aus den Innenraumscans und die Navi-App in der Open Telekom Cloud. Besonders in Deutschland profitiert NavVis von den mehrfach zertifizierten Rechenzentren der Telekom. Denn sämtliche Daten aus den Innenraumscans, die dort verarbeitet werden, unterliegen den strengen deutschen Datenschutzbestimmungen.

Außerdem hat die Telekom die Lösung in das eigene Produktportfolio integriert. Basierend auf der NavVis-Technologie bietet die Telekom ihren mittelständischen Kunden eine Komplett-Lösung an: Neben der Planung und Durchführung der Innenraum-Scans, bearbeitet und hostet sie die digitalen Daten in der Open Telekom Cloud, stellt die Navigationsapplikation bereit und übernimmt den Support.

„Damit digitalisieren wir Gebäude“: Tim Günther (rechts), Business Development Manager bei NavVis, im Gespräch mit einem Messebesucher auf der CeBIT. „Damit digitalisieren wir Gebäude“: Tim Günther (rechts), Business Development Manager bei NavVis, im Gespräch mit einem Messebesucher auf der CeBIT. (© 2017 Christian Wyrwa) - Christian Wyrwa

Orientierungshilfe für tausende Mitarbeiter

Nützlicher Nebeneffekt für den Konzern: In der Bonner Unternehmenszentrale nutzt die Telekom die Lösung von NavVis bereits selbst. Mithilfe der Trolleys hat der Provider bereits die Innenräume der sechs Gebäude mit ihren 150.000 Quadratmetern digitalisiert. Künftig können sich damit die rund 4.500 Mitarbeiter am Telekom Campus mit der NavVis-App orientieren. Denn die Konzernzentrale besteht aus mehreren Gebäuden, in denen sich nur wenige Besucher auf Anhieb zurechtfinden. Mit der Navigations-App von NavVis soll das nun bald leichter werden. „Wir ergänzen uns perfekt“, freut sich Patrick Eberwein, zuständig für Startup-Kooperationen bei der Telekom. „Und unseren Kunden können wir mit der NavVis-Lösung etwas einmaliges bieten, das sonst nirgendwo auf der Welt erhältlich ist. Im Gegenzug bekommt NavVis einen direkten Zugang zum Mittelstand.“

Neues Startup Förderprogramm TechBoost

In Zukunft will die Telekom neben der Kooperation mit Startups außerdem deutlich mehr Startups unterstützen: Der Bonner Provider hat auf der diesjährigen CeBIT das Startup-Förderprogramm TechBoost ins Leben gerufen. Damit können sich Startups mit einem digitalen Geschäftsmodell ab sofort für das Förderprogramm bewerben. Die jungen Unternehmer erhalten Sonderkonditionen bei Festnetz-, Mobilfunk- und Cloud-Tarifen – etwa ein Startguthaben in Höhe von 100.000 Euro für Rechen- und Speicherkapazitäten aus der Open Telekom Cloud. „Doch unser Angebot ist mehr als monetäre Förderung“, sagt Miriam Mertens, Leiterin B2B-Startup-Kooperationen bei der Telekom auf der CeBIT. „Wenn wir die Gründer unterstützen, bleiben wir am Ball, wie das Beispiel NavVis zeigt.“

Alle Details zum Startup-Förderprogramm TechBoost und der Lösung von NavVis erfahren interessierte Besucher auf dem CeBIT-Messestand der Telekom in Halle 4.