Wo sich junge Gründer treffen

Apples Sprachassistent Siri kennt inzwischen fast jeder. Die clevere Sprachsteuerungs-Software ist auf vielen Millionen iPhones installiert und liefert seinen Besitzern Antworten auf viele Fragen und führt auch auf Befehl Anwendungen auf dem iPhone aus. Wer Siri oft einsetzt, merkt, dass Siri mit der Zeit dazu lernt und immer komplexere Aktionen ausführen kann. Apple war der Wegbereiter für diese Form der sprachgsteuerten Helfer. Branchengrößen wie Microsoft, Amazon, Samsung oder Google folgen inzwischen dem Trend.

 

Ein digitaler Assistent, der nicht nur auf Sprache reagiert, sondern auch auf Gestik, und gleichzeitig mehr Datenschutz bietet als Apple, Google und Co. ist das Ziel der Gründer von SemVox. Das Startup aus Saarbrücken entwickelt ein ganzes Assistenz-Plattform – genannt ODP S3 – , das Unternehmen in ihre Produkte integrieren können. Die Plattform ODP S3 bietet Entwicklern die Möglichkeit, ihren eigenen Digital Assistant  zu bestimmen, also ein Sprachassistent mit tausend Gesichtern: Name, Stimme, Reaktionen und Befehle können individuell an die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens angepasst werden.

 

Jochen Steigner SemVox auf der Scale Zufrieden auf der Scale11: Jochen Steigner ist einer der vier Gründer von SemVox. (© 2017 Christian Wyrwa)

Eine der größten Vorteile, die ODP S3 bietet, ist ein umfassender Schutz der Daten nach deutschem Recht. Während Alexa, Siri und Co auf die Cloud zugreifen und dafür Server nutzen, die irgendwo in den USA stehen, entscheidet bei der SemVox-Lösung der Nutzer, wo seine Infos verarbeitet werden. Es funktioniert embedded, cloud-basiert und hybrid. Die ODP S3 Cloud-Lösungen können also auf den eigenen Infrastrukturen gehostet werden, ausschließlich über das Internet kommunizieren oder beides. Die Datenhoheit ist somit gewährleistet. Bei ihrer Suche nach neuen Partnern und Kunden setzt SemVox auf die CeBIT und ist bereits zum dritten Mal im Startup-Bereich vertreten.

Google-Maps für Innenräume

Auch das Münchner Startup NavVis ist in der Halle 11 auf der Scale11 anzutreffen. Es bietet ein Art Navi-System für das Innere von Gebäuden – eine Idee, die den ganz großen Erfolg bringen könnte. Auf der Messe präsentieren sie einen mobilen Trolley mit Spezialkameras, Laser- und Funksensoren, der durch ein Gebäude geschoben wird. Dabei nehmen die Kameras jeden Winkel auf. Die Fotos bilden die Basis für eine Indoor-Navigations-App, die Benutzer zum ihrem Ziel lotsen soll. „Das ist wie Google Street View, nur für drinnen“, schwärmt Tim Günther, einer der Gründer von NavVis.

NavVis auf der Scale11 Staunen bei NavVis: Das mobile Gestell für die Aufnahme und Vermessung der Innenräume wird von den Besuchern akribisch erforscht. (© 2017 Christian Wyrwa)

SCALE11 ist jedoch mehr als nur eine Ausstellungsfläche für findige Unternehmer. Es ist ein Ort für Networking und Community-Events. In Vorträgen und Workshops wird ebenso praktische Wissen für Unternehmensgründer vermittelt wie auch erfolgreiche Go-to-Market-Strategien vorgestellt.

Die Startups auf der CeBIT präsentieren sich in 17 Community Areas zu verschiedenen Themen und werden von so genannten Themenpaten aus der Wirtschaft begleitet. An Bord ist etwa der Cloud Computing-Spezialist Salesforce (Themenpate für: Big Data & Analytics, Cloud & Xaas), der Kreditkarten-Riese Mastercard (Themenpate für Commerce) und die Commerzbank-Tochter Main Incubator (Thema: moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen, kurz FinTech). Volkswagen übernimmt die Rolle als Community Captain für die Themen Transportation & Logistics, Mobility & Automotive und Smart Cities.

Auch die Telekom engagiert verstärkt für Startups: Der Bonner Provider hat das Förderprogramm TechBoost ins Leben gerufen. Damit können Startups mit einem digitalem Geschäftsmodell ab sofort für das Förderprogramm bewerben. Die jungen Unternehmer erhalten Sonderkonditionen bei Festnetz-, Mobilfunk- und Cloud-Tarifen – etwa ein Startguthaben in Höhe von 100.000 Euro für Rechen- und Speicherkapazitäten aus der Open Telekom Cloud.

Konferenzprogramm mit drei Ansätzen

01: SCALE11 - SCOPE

SCOPE ist der SCALE11-Marktplatz für das Startup-Ökosystem. Hier treffen Startups auf Entscheider aus der etablierten Wirtschaft, auf Investoren, Mentoren und Gleichgesinnte. Im Forum können Besucher über die Tage 36 Vorträge hören. Die Themen sind breit gefächert: Artificial Intelligence, Automotive & Mobility, Big Data, Blockchain, Business Electronics & Equipment, Cloud, Communication & Networks, Digital Office, Internet of Things, Security und Virtual Reality.

02: SCALE11 - Stage

Besonders lohnend ist die Startup-Bühne, genannt Scale Stage: Hier können sich Startups kurz vorstellen und mit ihren Lösungen und Geschäftsmodellen um Kapital, Kooperationspartner und Kunden pitchen.

03: CeBIT camp

Auf den Barcamps bieten Startups die Möglichkeit mit jungen Unternehmen, erfahrenen Entscheidern und potenzieller Investoren ins Gespräch zu kommen. Geplant sind offene Workshops zu den Themenbereichen Artificial Intelligence, Big Data & Analytics, Digital Health, eCommerce, Human Resources, FinTech, Mobility & Automotive sowie Virtual Reality.

Gestensteuerung trifft Spracherkennung: Ein Video zur Plattform von Semvox