Frischwaren aus dem Web sind in

Lebensmittel galten lange Zeit als letzte Bastion des stationären Einzelhandels. Dank ausgefeilter Logistik lassen sich heute auch Frischwaren wie Fleisch, Wurst, Obst und Gemüse problemlos im Internet bestellen und nach Hause liefern. Bereits ein Viertel der Online-Shopper nutzt diese Möglichkeit, so die Ergebnisse einer Erhebung des Berliner Digitalverbands Bitkom. „Viele Verbraucher sparen sich das Schlangestehen an der Kasse und das Tütenschleppen“, erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Online Shopping Lebensmittel Laut Bitkom-Studie erledigen immer mehr Menschen ihren Supermarkteinkauf online und lassen sich Wein, Gemüse, Milch oder Fleisch bis an die Haustür liefern. (© 2017 Bitkom)

Lebensmittel-Einkauf rund um die Uhr

Die steigende Akzeptanz der Verbraucher bescherte dem Warensegment Online-Lebensmittel im dritten Quartal 2017 eine Umsatzsteigerung um 26,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Somit wurde ein Umsatz von 292 Millionen Euro erzielt. Diese Zahlen stammen aus einer Verbraucherstudie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh). Das sei aber nur der Anfang, meint Max Thinius, verantwortlich für den Bereich Online-Lebensmittel beim bevh. „Mit den neuen Bestellmöglichkeiten unterwegs über WhatsApp oder zu Hause per Sprachsteuerung via Alexa und Co. wird es noch bequemer, Lebensmittel unabhängig von Ladenöffnungszeiten zu ordern“, erklärt er. 

Vom Boom wollen viele profitieren

Davon profitieren etablierte Supermarktketten wie Rewe und neuerdings Real, aber auch Startups wie die Vollsortimenter Food.de oder AllyouneedFresh. Auch der Internet-Riese Amazon will mit seinem Angebot AmazonFresh im boomenden Online-Lebensmittel-Geschäft mitmischen. Daneben etablieren sich Spezialisten wie die Abo-Box-Versender HelloFresh und Foodist sowie Bio-Shops wie Pure Food Store. Sie setzen bei ihren Angeboten auf ausgewählte Produkte von regionalen Manufakturen, was diesen Betrieben neue Umsatzchancen eröffnet.

„Über Jahre haben wir ein Netzwerk von sorgfältig ausgewählten Lieferanten aufgebaut und arbeiten direkt mit ihnen zusammen.“

Nils Herrmann 
Vice President Operations HelloFresh Deutschland
Nils Herrmann Nils Herrmann blickt in eine rosige Zukunft. (© 2017 HelloFresh)

Auf seiner Lieferantenliste stehen unter anderem bekannte Hersteller wie die Herzberger Bäckerei, der Obst- und Gemüsehändler Godeland, die Molkereiprodukte von Andechser Natur sowie die Fleischwaren der WFS Wurst-Fleischwaren-Service Vertriebs GmbH. „Wir arbeiten aber auch mit kleinen Unternehmen und Familienbetrieben zusammen, von denen wir die Ware direkt beziehen“, sagt Herrmann. In diesem Jahr stammte der weiße Spargel für Kochboxen vom Erdbeer- & Spargelhof C. v. Laer, einem Familienbetrieb aus Herford bei Bielefeld.

Foodist Foodist nimmt Waren nicht nur in seinen Online-Shop auf, sondern bringt sie auch deutschlandweit in ausgewählte Supermärkte und Drogerien. (© 2017 Foodist)

 

Vom Internet in den Filialhandel

In seiner Überraschungsbox stellt das Hamburger Startup Foodist neue Produkte von kleinen Manufakturen vor, die sonst nur auf Wochenmärkten zu finden sind. „Unsere Mitarbeiter sichten pro Monat 400 Angebote, die zu unserem Sortiment passen könnten“, erklärt Alexander Djordjevic, Mitgründer von Foodist. Was bei den Abonnenten gut ankommt, nimmt er nicht nur im Foodist-Online-Shop auf, sondern bringt es auch deutschlandweit in ausgewählte Supermärkte und Drogerien. Auf diese Weise wurde so manche kleine Manufaktur bundesweit bekannt. So etwa die Hamburger Manufaktur Brandgut mit ihren Brotaufstrichen aus knusprig gebrannten Nüssen oder die Berliner Manufaktur Kebe Living mit ihren Butterbrotsalz-Mischungen.

 

Ähnlich geht Jana Weber, Mitgründerin des Hamburger Startups Pure Food Store, vor. Sie hat sich auf Produkte spezialisiert, die zu 100 Prozent pur sind, also auf künstliche Inhaltsstoffe verzichten, weizenfrei sind und keinen zugesetzten raffinierten Zucker enthalten. „Kleine, unbekannte Marken können wir schnell und unkompliziert in unser Sortiment aufnehmen. Davon profitieren alle: Wir bieten den Herstellern eine leicht zugängliche Vertriebsplattform und unseren Kunden eine Auswahl neuer und spannender Produkte, die noch nicht in jedem Biomarkt erhältlich sind“, erklärt Weber. 

Digitalisierung: Der Mittelstand muss seine Chancen besser nutzen

Nach Ergebnissen des Deutschen Startup Monitors (DSM) 2017 kooperiert in diesem Jahr nur etwa die Hälfte der mittelständischen Unternehmen mit Startups. Vertane Chancen, findet Tobias Kollmann, Professor für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. „Eine Kooperation kann enorme Energien freisetzen: Die einen haben Kapital und ein großes Netzwerk an Partnern, Kunden und Zulieferern. Die anderen können Digitalisierung“, erklärt der Autor der Studie.

Außer in Kooperationen können sich mittelständische Unternehmen in dem wachsenden Online-Lebensmittelmarkt auch als Investoren betätigen und bei für sie passenden Geschäftsmodellen beratend oder finanziell einsteigen. Wolf Michael Nietzer, einer der Mitbegründer von Food Angels, einem professionellen Netzwerk aus erfahrenen Experten der Lebensmittelbranche, sieht in Lebensmittel-Startups gar „das nächste große Ding im Internet“. 

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