Viele Investoren mit kleineren Beträgen

Wer ein Startup gründen möchte, sollte sich frühzeitig Gedanken über die Finanzierung machen, denn die ist unverzichtbar für einen professionellen Businessplan. Ein mögliches Finanzierungsmodell ist hier Crowdinvesting: Nicht ein großer Geldgeber wie eine Bank oder ein Investor hilft dabei mit einer Anschubinvestition aus, sondern viele kleine greifen den Gründern unter die Arme.

Diese Art der Finanzierung hat sich mittlerweile etabliert und ist attraktiv für Vorhaben in einer frühen Entwicklungsphase. Auch wenn sich die Startsumme in Grenzen hält und deshalb keines strategischen Investors bedarf, kann das eine interessante Alternative sein. 

Crowdinvesting: Die Grundidee

Einzelne Personen oder auch kleinere Gruppen sichern sich durch die Zahlung eines individuellen Beitrags Anleihen oder Wertpapiere eines jungen Unternehmens. Im Gegenzug erhalten Schwarminvestoren später einen entsprechenden Anteil des Gewinns der Firma oder können bei einem Verkauf von der Wertsteigerung des Startups profitieren. Geht das Unternehmen pleite, verliert der Investor jedoch sein ganzes Geld.

Vorteile des Crowdinvesting

Crowdinvesting hat eine Reihe von Vorteilen. Vor allem aus Marketing-Gesichtspunkten ist diese Finanzierungsform sinnvoll. Wenn Dutzende Personen ein Interesse daran haben, dass das Startup floriert, werden sie es aus Überzeugung loben und bekannt machen – bessere Markenbotschafter können sich Gründer nicht wünschen.

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Darüber hinaus kommen aus dem Investorenkreis oft wertvolles Feedback und gute Ideen. Außerdem können sich Kontakte zu neuen Kunden und Kooperationspartnern ergeben. Sehr wichtig: Das Startup muss keine Sicherheitsleistungen vorlegen, um an das Kapital zu gelangen.

Startups präsentieren sich auf Crowdinvesting-Plattformen

Crowdinvesting erfolgt über eine Plattform, auf der sich das Startup möglichen Interessenten präsentiert. Üblicherweise wird vorher eine Mindestsumme festgelegt, die erreicht werden muss, damit die Finanzierung überhaupt zustande kommt. Waren diese Beträge früher kaum sechsstellig, sind  heutzutage sogar Millionenbudgets keine Seltenheit mehr.

Die Gründer sollten sich zuvor informieren, welche Plattform am besten zu ihnen passt. Etabliert haben sich:

  • Companisto gibt es seit 2012 und ist mittlerweile eine der führenden Crowdinvest-Adressen für Startups in Europa. Die Mindestbeteiligung der Geldgeber liegt bei 100 Euro, die Kosten für die Startups betragen zehn Prozent der Investitionssumme. Es stehen verschiedene Anlageklassen zur Verfügung wie Gewinnbeteiligung oder Festzins bei Venture Loans.
  • Seedmatch ist 2011 gestartet und damit die erste deutsche Crowdfunding-Plattform. Startups können sich bewerben, wenn sie zukunftsweisende Technologien und nachhaltige Produkte entwickeln. Die Mindestinvestitionssumme beträgt 250 Euro, die Art der Beteiligung ist ein partiarisches Nachrangdarlehen. Die Funding-Phase dauert 60 Tage. Die Kosten für die Gründer liegen zwischen fünf und zehn Prozent.
  • Deutsche Mikroinvest legt den Fokus auf mittelständische Unternehmen und Startups. Investitionen sind ab 250 Euro möglich.

Haben sich Gründer für eine Plattform entschieden und diese willigt ins Crowdinvesting ein, legt das Startup dort ein eigenes Investmentprofil mit Kurzbeschreibung und oft auch mit Businessplan an. So können sich mögliche Investoren einen Überblick über das Unternehmen verschaffen.

Dann startet die Investmentphase, die meist zwei Monate dauert. Bei erfolgreicher Finanzierung über die Crowd erhalten die Gründer im Anschluss das Geld ausbezahlt und die Investoren entsprechende Beteiligungsverträge. Erst nach Ablauf der Vertragslaufzeit, die oft zwischen fünf und acht Jahren liegt, bekommen die Anteilseigner ihr Geld wieder ausbezahlt.

Vor allem für junge Gründer kann Crowdinvesting eine sinnvolle Alternative sein. Vor allem für junge Gründer kann Crowdinvesting eine sinnvolle Alternative sein. (© 2018 Shutterstock / OPOLJA)

Nachteile des Crowdinvesting

TechBoost

Die Telekom unterstützt mit ihrem TechBoost-Programm Startups und begleitet sie auf dem Weg zum Erfolg.

>> Zum TechBoost-Programm

Es gibt keine Garantie dafür, dass die angepeilte Mindestinvestitionssumme erreicht wird. Das kann passieren, falls sich das Produkt oder die Dienstleistung nicht deutlich genug von der Konkurrenz absetzt. Dann ist viel Zeit vergangen, ohne dass sich das Unternehmen weiterentwickeln konnte. Wenn dringend Geld benötigt wird, eignet sich Crowdinvesting also nur bedingt.

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Auch der administrative Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Zum einen müssen die Gründer ihre Ideen auf der Plattform griffig präsentieren – und zum anderen die Investoren regelmäßig mit Dokumentationen und Reportings auf dem Laufenden (und bei Laune) halten.

Das Risiko beim Crowdinvesting für Unternehmer: Es gibt keine Garantie dafür, dass die Mindestinvestitionssumme erreicht wird. Das Risiko beim Crowdinvesting für Unternehmer: Es gibt keine Garantie dafür, dass die Mindestinvestitionssumme erreicht wird. (© 2018 Shutterstock / IhorL)

Crowdinvesting contra Crowdfunding

Nicht zu verwechseln ist Crowdinvesting mit Crowdfunding. Bei Letzterem handelt es sich zwar auch um eine Schwarmfinanzierung, die Gegenleistung ist jedoch nicht monetär. In der Regel bekommen die Investoren ein Exemplar des Crowd-finanzierten Produkts – gegebenenfalls zum Vorzugspreis. Der Geldgeber geht damit kein Beteiligungsverhältnis ein.