Crowdlending mobilisiert die Massen

Crowdlending

Crowdlending ist eine bei uns noch wenig bekannte Form der Unternehmensfinanzierung. Dabei sammelt ein Unternehmen über eine Plattform Beträge von vielen Privatinvestoren ein, um damit seinen Finanzierungsbedarf zu decken.

Klingt eigentlich ganz einfach: Gründer oder kleine bis mittelständische Unternehmen benötigen Kapital, viele Privatanleger zusammen geben es ihnen. Crowdlending nennt man das – und diese Idee könnte den Markt für Unternehmensfinanzierungen schon in naher Zukunft verändern.

Der Begriff Crowdlending setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „Crowd“ für Menschenmenge und „lend“, leihen. Und so funktioniert es: Online-Plattformen, sogenannte Crowdlender, vermitteln Kredite zwischen vielen privaten Investoren und Unternehmen oder Privatpersonen. Die Kreditsuchenden stellen ihre Pläne und ihren Kreditbedarf auf der Plattform vor und versuchen, genügend Geldgeber für ihre Sache zu begeistern. Die Gruppe der Geldgeber ersetzt sozusagen die Bank. Und durch die Größe der Gruppe können leicht Beträge im sechsstelligen Bereich zusammenkommen.

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Wozu Crowdlending? Es gibt doch Banken!

Banken machen es Unternehmen unabhängig von ihrer Größe oft nicht leicht, einen Kredit zu bekommen. Manchmal ist ihnen das Volumen zu klein, manchmal das Risiko zu groß und immer dauert es, bis überhaupt eine Entscheidung gefallen ist. Einige Banken empfehlen ihren Kunden sogar Crowdlending, weil ihre Aussichten auf einen positiven Bescheid dort erheblich größer sind und sie schneller und weniger bürokratisch an das gewünschte Kapital kommen können. Crowdlending-Plattformen treten nicht selbst als Bank auf, sondern vermitteln nur Kredite zwischen Investoren und Unternehmen. Damit unterliegen sie nicht der strengen Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und können flexibler agieren.

Der zeitliche Aufwand für den Unternehmer ist gering: Rund eine Viertelstunde benötigt er, um eine Online-Maske auszufüllen und seine Unterlagen hochzuladen. Bei Funding Circle, einer deutschen Crowdlending-Plattform, bekommt nach eigener Aussage der Antragsteller in 85 Prozent der Fälle innerhalb von zwei Tagen eine verbindliche Rückmeldung. Mit dem positiven Bescheid erfährt er den Zinssatz, den er zahlen muss, und nach nur sieben Tagen kann er mit dem Geld auf seinem Konto rechnen. Ein Zeitrahmen, der bei Banken schwer zu erreichen ist.

Auch beim Crowdlending sollten Unternehmen genaue Analysen und Zahlen vorlegen können. (© 2018 Joyseulay/Shutterstock)

Auch Crowdlending-Plattformen prüfen und bewerten Risiken

Allerdings bewilligt auch eine Crowdlending-Plattform nicht jeden Kreditantrag. Der Antragsteller muss mit seinem Antrag verschiedene Unterlagen hochladen: Bilanzen und betriebswirtschaftliche Auswertungen zum Beispiel. Die Kreditanalysten der Plattform prüfen den Antrag mittels Datenbanken, Algorithmen und Risikomodellen. In einem automatisierten Verfahren werden Kreditsumme, Laufzeit und Geschäftszahlen unter die Lupe genommen und die Zahlungsfähigkeit des Antragstellers überprüft. Dazu werden auch Schufa-Daten abgerufen und/oder Analysen der Auskunftei Creditreform, die auf Bonitätsprüfungen spezialisiert ist. Eine negative Schufa-Auskunft kann auch bei einer Crowdlending-Plattform zu einem abgelehnten Antrag führen. Im Anschluss an die Analyse wird die Anfrage einer Risikoklasse zugeordnet, aus der sich der Zinssatz für diesen Kredit ergibt.

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Nach positiver Entscheidung wird die Kreditanfrage auf der Plattform platziert. Jetzt können die Privatanleger wie auf einem Online-Marktplatz entscheiden, ob sie sich zu den angegebenen Konditionen für eine Investition entscheiden. Unter Umständen kann das ganz schnell gehen: Der Fußballverein Hertha BSC zum Beispiel, hat von seinen Fans innerhalb von 9 Minuten und 23 Sekunden eine Million Euro eingesammelt! Kann ein Geldgeber nicht genügend Investoren für sein Projekt begeistern, geht er allerdings komplett leer aus: Hier gilt das Prinzip ganz oder gar nicht.

Es lohnt sich also für den Antragsteller, sein Projekt detailliert und mit Herzblut zu präsentieren. Die Investoren beim Crowdlending sind bereit gezielt in den deutschen Mittelstand investieren, sie wollen aber auch wissen, was mit ihrem Geld passiert.

Die Auszahlung des Geldes erfolgt nicht über die Crowdlending-Plattform selbst, da sie über keine von der BaFin ausgegebene Lizenz zur Kreditvergabe verfügt. Stattdessen werden die bewilligten Kredite an ein Kreditinstitut vermittelt, das als Darlehensgeber fungiert und einen Vertrag mit dem Kreditnehmer schließt.

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Auxmoney und Finmar offen für Gründer

In Deutschland gibt es laut einer Studie über die Finanztechnologie-Branche (Fintechs) des Bundesfinanzministeriums (BMF) aus 2016 insgesamt 13 Crowdlending-Plattformen. Alle zusammen vermittelten demnach 2015 Kredite in Höhe von 189 Millionen Euro. Gemessen am Gesamtfinanzierungsvolumen in Deutschland von 152 Milliarden pro Jahr ist das verschwindend wenig; Experten rechnen aber mit einem rasanten Marktwachstum in den nächsten zwei bis drei Jahren. Manche dieser Plattformen haben sich spezialisiert: Auxmoney zum Beispiel gibt Gründer als Zielgruppe an. Auch Finmar bietet Gründern Kredite an, aber auch bestehenden Unternehmen. Dagegen schließen Lendico und smava Gründer explizit aus, stehen aber wie Auxmoney auch Privatpersonen offen.

Höhere Zinsen und Gebühren für Kreditnehmer

Die Investoren auf Crowdlending-Plattformen sind keine Gutmenschen: Sie tragen ein Ausfallrisiko von 100 Prozent und das möchten sie sich bezahlen lassen. Im Klartext heißt das: Ein Kreditnehmer muss beim Crowdlending mit zum Teil deutlich höheren Zinsen rechnen als bei seiner Hausbank. Wie hoch die letztlich genau ausfallen, hängt vom Risiko ab. Das ist der Preis, den er für die Schnelligkeit, die höhere Flexibilität und die größere Risikobereitschaft zahlen muss. Und das ist nicht alles: Auch die Plattform will für ihre Dienstleistung bezahlt werden – über Gebühren.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Crowdlending bietet vor allem kleinen und mittleren Unternehmen und Gründern eine prüfenswerte Alternative, um schnell und unbürokratisch einen Kredit zu bekommen.