Frauen an die Macht

Die Startup-Szene in Deutschland wandelt sich langsam aber sicher. Sie wird weiblicher – und sie wird immer internationaler: Nach Ergebnissen des Startup Monitor 2016 ist der Frauenanteil unter den aktuell 1.224 Startups mit 14 Prozent so hoch wie nie zuvor. Es sind Startups wie die auf persönliche Stilberatung spezialisierten Outfittery und Modomoto oder das Blumen-Abo-Startup Bloomy Days, die von Frauen wie Anna Alex und Julia Bösch, Corinna Powalla und Franziska von Hardenberg gegründet wurden.

DIe Startup-Hotspots in Detschland DIe Startup-Hotspots in Detschland (© 2017 Digitaler Mittelstand)

Man spricht Englisch

Längst schon ist Englisch die Muttersprache aller Startups. Schließlich kommt bereits ein Drittel ihrer Mitarbeiter aus dem Ausland – in Berlin sind es sogar 42 Prozent –, und 80 Prozent der Startups planen weitere Internationalisierungen. „Startups sind internationale Unternehmen. Sie werden von internationalen Gründer-Teams für internationale Märkte gegründet und beschäftigen Mitarbeiter aus aller Welt“, erklärt Florian Nöll, Vorstandsvorsitzender des Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Berlin ist die deutsche Startup-Hauptstadt

Wie der Startup Monitor 2016 der Unternehmensberatung KPMG und des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für E-Business und E-Entrepreneurship der Universität Duisburg-Essen herausfand, spielen die Regionen eine zunehmend wichtige Rolle innerhalb des deutschen Startup-Ökosystems: „Berlin ist immer noch unangefochtene Startup-Hauptstadt in Deutschland, jedoch werden andere Hot Spots wie München oder Hamburg immer wichtiger. Auch die ländlichen Regionen holen auf“, erklärt Nöll. Als leuchtendes Beispiel nennt er lunative.com. Das Startup aus dem rheinland-pfälzischen Wölferlingen hat sich auf Textilien mit vernähter Lichttechnologie spezialisiert und gerade den „German Design Award 2017“ gewonnen.

Ein weiterer Trend: Gründer und etablierte Unternehmer arbeiten zusammen. Startup und Mittelstand sind geradezu ein Dreamteam: Von der Kooperation profitieren laut Noll beide: „Die einen haben Kapital und ein belastbares Netzwerk aus Partnern, Kunden und Zulieferern, die anderen können digital. Eine Kooperation kann enorme Synergien freisetzen“, so der Fachmann.

Startups in Kürze

Laut Startup Monitor gelten folgende Voraussetzungen für die Definition des Begriffs Startup:

  • Die Gründungen sind jünger als zehn Jahre.
  • Sie sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell hochinnovativ.
  • Sie haben ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum oder streben es an.

Startups arbeiten mit "alter" Wirtschaft zusammen

Laut Startup Monitor 2016 arbeiten bereits rund 70 Prozent der mehr als 1.200 Startups in Deutschland mit etablierten Unternehmen zusammen. Tobias Kollmann, Professor für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen beobachtet diesen Trend schon länger in der Industrie: „Der Stahlkonzern Klöckner kooperiert mit seinem Startup Klöckner.i in Berlin oder der Duisburger Traditionskonzern Haniel mit der Digitalschmiede Schacht One in Essen“, sagt er. „Aber auch mittelständische Unternehmen gehen diesen Weg: Der Wuppertaler Haushaltsgeräte- und Küchenmaschinenhersteller Vorwerk hat beispielsweise mit Vorwerk Ventures ein Investmentprogramm für junge Startups in der digitalen Wirtschaft aufgelegt“, führt er aus.

TechBoost: Das Telekom Förderprogramm

Um Startups schneller am Markt zu etablieren, hat die Telekom im März das Förderprogramm TechBoost ins Leben gerufen. "Das Maßnahmenpaket umfasst ein Startguthaben in Höhe von 100. 000 Euro je Startup für IT-Ressourcen wie Rechen- und Speicherkapazität aus der Open Telekom Cloud", sagt Miriam Mertens, Leiterin B2B-Startup-Kooperationen bei der Telekom. "Außerdem können Startups von Sonderkonditionen bei Mobilfunk- und Festnetztarifen profitieren. Wir suchen 100 Startups aus Deutschland, die softwarebasierte Angebote entwickeln", so Mertens. Das Angebot ist mehr als nur monetäre Förderung: "Wenn uns das Geschäftsmodell überzeugt, unterstützen wir es auch bei der Vermarktung", sagt sie. "Startups mit digitalem Geschäftsmodell können sich unter telekom.de/techboost für das Programm bewerben."

Miriam Mertens Miriam Mertens, Leiterin B2B-Startup-Kooperationen bei der Telekom. (© 2017 Eric Remann)

Davon profitiert beispielsweise NavVis. Die Gründer aus München entwickelten eine Methode, um das Innere von Gebäuden zu digitalisieren. Kameras und Lasersensoren erstellen. dabei ein 3D-Modell von Räumen. Die Daten werden anschließend unter anderem für eine Indoor-Navi-App genutzt, die nach dem gleichen Prinzip wie Google Street View für drinnen funktioniert. Bisher fehlte NavVis der Zugang zur hochattraktiven Zielgruppe Mittelstand. „Der deutsche Mittelstand zeichnet sich durch einen sehr hohen Spezialisierungsgrad und tiefes Expertenwissen aus“, sagt Mitgründer Felix Reinshagen. Diese Brücke soll nun das Förderprogramm TechBoost schlagen.

Felix Reinshagen, CEO von NavVis Das Startup NavVis (im Bild: der NavVis-Trolley, der Gebäude mit Kameras und Lasersensoren digitalisiert) bietet eine Navigations-Lösung für drinnen und wird dabei von der Telekom unterstützt. (© 2017 Christian Wyrwa)

Bereits seit Längerem unterstützt die Telekom gezielt Startups. So hat sie im Jahr 2012 den Inkubator hub:raum in Berlin ins Leben gerufen. Im Rahmen der Initiative fördert die Telekom Ideen bereits im frühen Stadium nicht nur finanziell, sondern auch mit internem wie externem Know-how – und begleitet vielversprechende Startups auf ihrem Weg zur Marktreife. Aktuell beobachteter Trend: verstärkte Aktivitäten im Bereich Künstliche Intelligenz.

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