Foodtruck: Mehr als ein Imbisswagen

Vegane Burger, Soul Food oder Steak vom Kobe Rind – wer sich vor einem Foodtruck in die Schlange stellt, darf Besonderes erwarten. Schnell wird klar: Mit dem herkömmlichen Imbisswagen hat das Geschäftsmodell wenig gemein. Nach Currywurst Pommes sucht man hier vergeblich.

Oft sind es ambitionierte Jungunternhemer, die sich mit dem Foodtruck den Traum von der eigenen Gastronomie erfüllen. Dickschädel mit Vision, die weder beim kulinarischen Angebot noch beim Truckdesign Kompromisse machen. Sie entwickeln ein einzigartiges Produkt, kaufen einen Truck und verkaufen ihr Essen überall dort, wo Menschen hungrig auf Neues sind.

Warum sesshaft, wenn es auch mobil geht?

So wie Sanna Luikenga. Anfang Juli geht die 31-jährige Hamburgerin mit ihrem Foodtruck an den Start, zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Sina. Bei "Beet in the Box" ist der Name Programm. Verkauft werden frische vegetarische Gerichte mit regionaler Note. "Wir ziehen für die Kartoffel und die rote Beete als traditionelles Küstengemüse ins Feld und machen daraus leckerleichte Ofenkartoffeln. Für Low-Carb-Begeisterte wird es knackige Salate geben", so Luikenga im Gespräch mit DM.

Die Luikenga-Schwestern sind Quereinsteigerinnen und kommen ursprünglich aus der Branche erneuerbare Energien. Die Idee für den Foodtruck kam Sanna praktisch in der Mittagspause:

"Ich hab gesehen, dass viele meiner Kollegen sich mittags gerne gesünder ernähren würden und nach dem Mittagessen häufig das Leistungstief einsetzte. Als schnelle Alternative auf die Hand gab es nur die Auswahl zwischen belegten Brötchen und Pommes Schranke am Imbiss gegenüber."

Eine Marktlücke, die Sanna und Sina Luikenga jetzt schließen wollen. Seit einem Jahr tüfteln die Zwillinge an ihrem Geschäftsmodell. Der Fiat Ducato mit Kofferaufsatz, mit dem sie das Mittagsgeschäft aufwirbeln wollen, ist genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten – mit Kartoffelofen, einer Saladette und Griddle-Platten. Der Truck ist den Schwestern eine Herzensangelegenheit – vieles daran haben sie selber gemacht. Bis der Wagen in wenigen Tagen auf Jungfernfahrt gehen kann, fällt für die Gründerinnen allerdings noch manche Nachtschicht an.

Kleines Investment für die große Freiheit

Die Luikenga-Schwestern sind nicht die Einzigen, die auf den Foodtruck aufspringen. War das Geschäftsmodell vor drei Jahren hierzulande noch völlig unbekannt, hat sich in vielen deutschen Großstädten mittlerweile eine regelrechte Foodtruck-Szene entwickelt. Was ist der Grund für den Hype?

Der Einstieg ins Foodtruck-Geschäft ist bezahlbar. Ein neuwertiger Truck kostet zwischen 65.000 Euro (Standardausführung) und 140.000 Euro (amerikanisches Luxusmodell). Im Vergleich zu einem Ladengeschäft, das mit mehreren hunderttausend Euro zu Buche schlägt, eine überschaubare Summe. Wer das Geschäftsmodell erst mal austesten will, kann einen Foodtruck auch mieten. Die Preise reichen von 2.600 Euro pro Monat bis 1.200 Euro pro Woche, so Massimo Florio von der Firma Roka zu DM.

Während der Preis klein ist, ist die gestalterische Freiheit groß: Kreative Köpfe können sich in der Foodtruck-Szene so richtig austoben und ohne großes Risiko austesten, ob ihr Geschäftsmodell etwas taugt. Zudem ist die Gelegenheit günstig. Noch sind Foodtrucks auf Deutschlands Straßen rar. Wer sich heute mit einem aufregenden Konzept nach draußen wagt, kann schnell bekannt werden wie ein bunter Hund.

Auf den Standort kommt es an

Foodtruck kaufen, Essen zubereiten, sich auf die Straße stellen und das Geschäft des Lebens machen? So einfach geht es dann doch nicht, zumindest nicht in Deutschland. Denn das Anhalten und Verkaufen auf der Straße ist hier nur mit Sondergenehmigung erlaubt, und die wird selten erteilt. Wo können Foodtrucker aber dann ihr Geld machen?

  • Privatgelände: Gewerbe- und Industriegebiete sowie Firmengelände mit großem Einzugsgebiet sind als Standort für Foodtrucker die erste Wahl, zumindest werktags. Hier fällt in der Regel keine Standgebühr an und der Bedarf an einem alternativen Mittagsangebot ist in der Regel groß. 200 bis 300 Menschen sollten erreichbar sein, 100 davon als Kunden gewonnen werden, schreibt Fabio Spennato, Foodtrucker aus München auf "foodszene.de".
  • Events: Auf Wochenmärkten, Festivals und Straßenfesten sind Foodtrucks oftmals willkommen. Nachteil: Mitunter fällt eine Standortgebühr an. Zudem ist die Konkurrenz oftmals deutlich schärfer als beim Mittagsgeschäft im Gewerbegebiet.

Erfolgsrezept für Foodtrucker

Appetit bekommen? Das Geschäftsmodell Foodtruck ist durchaus verlockend, bietet aber keine Garantie, Sie auf Dauer satt zu bekommen. Damit Ihr rollendes Lokal die besten Aussichten auf Erfolg hat, gilt es, einige Regeln zu beachten ...

Überzeugendes Produkt: Pizza, Döner und Bratwurst gibt es an jeder Ecke. Da ist es schwer, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Besser, Sie suchen sich eine Nische: Entwickeln Sie ein außergewöhnliches Produkt, das aber das Potenzial hat, den Geschmack der Masse zu treffen.

Kurze Zubereitungszeit: Die Mittagszeit ist begrenzt. Wer mit dem Geschäftsmodell ordentlich Umsatz machen möchte, muss in der Lage sein, innerhalb von zwei Stunden große Mengen rauszugeben. Peter Appelt, der erste Foodtrucker Deutschlands, setzt auf langsam gegartes Fleisch. Davon kann er innerhalb einer Stunde 100 Portionen rausgeben. "Das können die meisten nicht, die ich kenne", so Appelt im Gespräch mit "impulse.de".

Guter Standort: Das Mittagsgeschäft im Gewerbegebiet ist die tragende Säule für das Geschäftsmodell. Deshalb sollten Sie vorab ermitteln, welche Standorte für Sie in Frage kommen. Achten Sie auf ein großes Einzugsgebiet und klären Sie, wie groß die Konkurrenz in Form von Kantinen oder anderen Foodtruckern ist.

Routinen entwickeln: Auch ein mobiles Lokal kann Stammkunden gewinnen. Dafür ist es aber wichtig, dass die Kundschaft weiß, wann Sie in der Nähe sind. Legen Sie eine Route fest und teilen Sie über Handzettel und Social Media mit, wo Sie an welchem Wochentag anzutreffen sind.

Genug Zeit einkalkulieren: Mittags zwei Stündchen verkaufen und mit voller Kasse nach Hause gehen? Ist leider nicht drin. Foodtrucker haben einen langen Arbeitstag: "Wir stehen jeden Morgen um 6 Uhr auf und bereiten das Essen frisch zu", so Peter Appelt. Ein Arbeitstag kann locker zehn Stunden und mehr dauern.

Weiterführende Links:

  • Sie suchen nach einer Finanzierungsmöglichkeit für Ihr Startup? Welche Vorteile das Annuitätendarlehen bietet, lesen Sie bei DM.
  • Gründermut wird belohnt. Lesen Sie hier, welche Fördermittel es gibt.
  • Neben Foodtrucks sind auch regionale Lebensmittel voll im Trend. Lesen Sie selbst, welche spannenden Geschäftsmodelle es hier gib.