Einzelunternehmer haften unterschiedlich

Wer ein Einzelunternehmen gründet, muss sich für eine Rechtsform entscheiden. Die verschiedenen Möglichkeiten unterscheiden sich vor allem in Steuer- und Haftungsfragen. Welche Rechtsform für welche Einzelunternehmung am sinnvollsten ist, hängt aber auch noch von anderen Faktoren ab. Zunächst einmal gilt es zu klären, ob es sich um eine freiberufliche Tätigkeit handelt, um ein Kleingewerbe oder ein vollkaufmännisches Einzelunternehmen. Grundsätzlich ist jeder ein Einzelunternehmer, der keine Mitverantwortlichen oder stillen Teilhaber hat.

Freiberufliche Tätigkeit formlos anmelden

Freiberufler gehen zwar einer selbstständigen Tätigkeit nach und sind verpflichtet, Einkommen- und Umsatzsteuererklärungen abzugeben, müssen aber kein Gewerbe anmelden. Eine freiberufliche Tätigkeit wird im Einkommensteuergesetz definiert: Selbstständig ausgeübte künstlerische, wissenschaftliche, unterrichtende, schriftstellerische und erzieherische Tätigkeiten fallen in diesen Bereich. So können Anwälte, Berater, Lehrer, Journalisten und noch viele andere Berufsgruppen freiberuflich arbeiten. Wer einer solchen Tätigkeit nachgehen will, muss diese formlos beim Finanzamt anmelden. Für entstandene Schäden bei ihren Kunden haften Freiberufler persönlich.

Nicht angestellte Journalisten sind oft als Freiberufler unterwegs. Nicht angestellte Journalisten sind oft als Freiberufler unterwegs. (© 2017 Shutterstock / wellphoto)

Kleingewerbetreibende haften mit Privatvermögen

Eine weitere einfache und oft gewählte Form der Selbstständigkeit für einen Einzelunternehmer ist die Gründung eines Kleingewerbes. Kleingewerbetreibende sind von einigen Pflichten befreit, die andere Rechtsformen mit sich bringen, wie die doppelte Buchführung, die Registrierung im Handelsregister oder das Einbringen eines Mindestkapitals. Sie benötigen lediglich einen Gewerbeschein.

Auch bei dieser Rechtsform erfolgt die Haftung grundsätzlich mit dem Privatvermögen. Der Kleingewerbetreibende muss zusätzlich zur Einkommensteuer auch Gewerbesteuer zahlen. Für diese gilt bei einem Kleingewerbe jedoch ein Freibetrag von 24.500 Euro jährlich. Nimmt das Kleingewerbe im Jahr weniger als 17.500 Euro ein, kann der Gründer auf die Einnahmen-Überschuss-Rechnung verzichten und lediglich eine Steuererklärung abgeben.

Der Firmenname besteht aus Vor- und Nachnamen des Gründers, darf aber einen berufsbezeichnenden Zusatz bekommen (Malermeister Max Mustermann).

Ein Malermeister kann ein Kleingewerbe anmelden. Ein Malermeister kann ein Kleingewerbe anmelden. (© 2017 Shutterstock / Africa Studio)

Der eingetragene Kaufmann

Der gewerbetreibende Kaufmann ist verpflichtet, sich im Handelsregister eintragen zu lassen. Dafür kann er der Firma bis auf den Pflichtzusatz e.K. (eingetragener Kaufmann) auch einen Fantasienamen geben. Die Regelungen zu Mindestkapital und Haftung unterscheiden sich nicht vom Kleingewerbetreibenden. Solange die Umsatzerlöse 600.000 Euro nicht übersteigen und der Jahresüberschuss nicht mehr als 60.000 Euro beträgt, ist eine doppelte Buchführung nicht nötig.

Mit Kapitalgesellschaften die Haftung begrenzen

Für tendenziell größere Gründungsvorhaben von Einzelunternehmen gibt es weitere Rechtsformen, die die Haftung auf das Firmenvermögen beschränken. Für diese ist allerdings ein höherer formeller Aufwand nötig.

  • Die größte Hürde bei der Ein-Personen-GmbH ist für viele das Mindestkapital, denn dieses muss 25.000 Euro betragen. Zudem ist die doppelte Buchführung erforderlich, das heißt, neben einer Gewinn-und-Verlust-Rechnung muss auch eine Bilanz erstellt werden. Bei der Gründung ist ein Notar nötig, zudem erfolgt der Eintrag der Ein-Personen-GmbH ins Handelsregister. Der Name der Firma kann frei gewählt werden, er muss lediglich den Zusatz GmbH enthalten. Das Ansehen dieser etablierten Geschäftsform ist vergleichsweise hoch.
  • Alternativ können Einzelunternehmer auch eine Unternehmergesellschaft (UG) gründen. Dies ist keine eigene Rechtsform, sondern eine vereinfachte Form der GmbH. Bei der UG ist ebenfalls eine Haftungsbeschränkung gegeben, das Stammkapital beträgt aber lediglich einen Euro. Auch die Notarkosten sind bei der Gründung durch den Einsatz eines Musterprotokolls geringer als bei der GmbH. Die UG
    ist jedoch verpflichtet, jedes Jahr 25 Prozent des Jahresüberschusses in die Rücklagen einzustellen – so lange, bis das Stammkapital von 25.000 Euro erreicht ist. Bis auf diese Unterschiede gleicht die UG weitgehend der GmbH – ihr Ansehen ist jedoch geringer.
  • Einzelunternehmer können zudem eine Ein-Personen-Aktiengesellschaft (AG) gründen. Der große Vorteil: Gesellschaftsanteile können schnell übertragen werden, um Eigenkapital zu beschaffen. Zudem ist die Möglichkeit gegeben, später einmal an die Börse zu gehen. Das Ansehen einer AG ist im Vergleich zu den anderen Rechtsformen am höchsten. Der Nachteil: Sie erfordert den größten Organisationsaufwand und ein Mindestkapital von 50.000 Euro. Zudem ist ein Aufsichtsrat nötig. Diese Rechtsform eignet sich also eher für große Gründungen.

Wer sich unsicher ist, welche Rechtsform für sein Startup am besten passen würde, kann sich an eine Gründeragentur wenden, die beratend tätig ist und Formalitäten übernimmt.

Checkliste: Vor- und Nachteile der Rechtsformen für Einzelunternehmer

  • Rechtsformen unterscheiden sich vor allem in Steuer- und Haftungsfragen.
  • Die freiberufliche Tätigkeit ist nur für bestimmte Berufsgruppen möglich.
  • Der Kleingewerbetreibende benötigt nur einen Gewerbeschein, haftet aber mit seinem Privatvermögen. Der Höchstumsatz ist begrenzt.
  • Der eingetragene Kaufmann muss im Handelsregister eingetragen werden. Doppelte Buchführung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen notwendig. Er haftet mit seinem Privatvermögen.
  • Die Ein-Personen-GmbH braucht ein Mindestkapital, dafür ist die Haftung auf das Firmenvermögen beschränkt.
  • Die Unternehmergesellschaft benötigt trotz beschränkter Haftung nur einen Euro Mindestkapital. Das Ansehen ist jedoch geringer als bei der GmbH.
  • Die Ein-Personen-AG muss einen Aufsichtsrat und hohes Startkapital haben, dafür kann schnell Eigenkapital generiert werden.