„Ich will nicht nach Berlin“, singt die Band Kraftklub in ihrem Hit mit reichlich Ohrwurmpotenzial. Für die Gründerszene ist die Hauptstadt dagegen immer noch die erste Adresse: jung, kreativ und hip. Inzwischen stimmen jedoch viele Gründer in den Refrain von Kraftklub mit ein – und entscheiden sich zunehmend für einen Standort jenseits der Millionenmetropole. Aus gutem Grund: Denn abseits der kreativen Kapitale finden Startups Strukturen vor, die ihnen zu Wettbewerbsvorteilen verhelfen. „Die Gründer-Hotspots außerhalb Berlins werden immer aktiver“, bilanziert die Unternehmensberatung KPMG in der Studie „Deutscher Startup Monitor 2016“.

Starker Mittelstand an Rhein und Ruhr

Die Metropolregion Rhein-Ruhr etwa mag auf den ersten Blick zwar findige Gründer aufgrund hoher Mieten abschrecken. Doch anders als Berlin bietet die Region eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur. Zudem werden junge Unternehmen in Nordrhein-Westfalen in einem großen Einzugsgebiet mit aktuell rund 70 Hochschulen auf der Suche nach Fachkräften schnell fündig. Ein weiteres Plus: Der gesunde Mittelstand und die starke Industrie sind potenzielle Kunden junger Digitalfirmen. Ob Telekommunikationsunternehmen, Versicherungen oder Energieversorger – Startups profitieren von einem gesunden Branchenmix in ihrer Nachbarschaft.

„In Köln kann man sich mehr auf das Business konzentrieren und wertvolle Kooperationen mit Mittelstand und Industrie knüpfen“, sagt Tobias Kollmann, Professor für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen und bis vor Kurzem NRW-Digitalbeauftragter, in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Im Gegensatz zu Berlin haben wir das wirtschaftliche Umfeld dafür.“

Ausfahrt Berlin: Für Startups ist die Hauptstadt immer noch die erste Adresse – doch andere Städte holen in der Gunst der Gründer auf. Ausfahrt Berlin: Für Startups ist die Hauptstadt immer noch die erste Adresse – doch andere Städte holen in der Gunst der Gründer auf. (© 2017 Shutterstock / canadastock)

München lockt mit Tech-Kompetenz

Rund 600 Kilometer südlich von Berlin wächst eine weitere Startup-Hochburg heran: München. Die bayerische Landeshauptstadt hat bereits zahlreiche erfolgreiche Firmen wie den Lieferdienst foodora oder den Möbel-Onlineshop Westwing hervorgebracht. Die Mieten erreichen zwar schwindelerregende Höhen und toppen Standorte wie Köln und Berlin spielend. Dafür glänzt die Ingenieursstadt mit ausgewiesener Tech-Kompetenz – dank renommierter Universitäten und starker Konzerne wie Siemens oder BMW.

Von der Nähe zur Technischen Universität München (TUM) profitiert auch der Telekom-Partner NavVis. Aus einem ehemaligen Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Medientechnik hervorgegangen, hat das Startup mit „Indoor Digitalisierung“ eine Lösung zur Digitalisierung von Innenräumen entwickelt. Damit können Unternehmen das Innere von Gebäuden zentimetergenau digital vermessen und einen digitalen Gebäudezwilling erstellen. Basis dafür ist ein Trolley, der durch die Räume geschoben wird und mithilfe von Sensoren und Kameras die nötigen Daten erhebt. „Nicht zuletzt ist die TU unsere wichtigste Quelle für Praktikanten, Werkstudenten und neue Mitarbeiter“, sagt Felix Reinshagen, CEO von NavVis.

Internet-Giganten an der Elbe

Gut aufgehoben sind Startups auch in Hamburg. Am größten Medienstandort der Bundesrepublik haben sich zahlreiche bedeutende Internet-Firmen wie Google, Facebook oder Dropbox mit ihren deutschen Unternehmenszentralen niedergelassen. Ebenfalls an der Elbe ansässig: das berufliche Netzwerk Xing, die Spielehersteller InnoGames und Goodgame und E-Commerce-Gigant Otto.

Die Elbmetropole hat noch mehr zu bieten: Airbus macht Hamburg zum wichtigsten Luftfahrtstandort des Landes; der drittgrößte Hafen Europas sorgt für Anbindungen in die ganze Welt. Im Netzwerk Hamburg@work e. V., dem größten Netzwerk der Internet-Branche, haben sich 650 Unternehmen der digitalen Wirtschaft zusammengeschlossen.

Marketingkampagnen made in Hamburg

Das Hamburger Startup B2B LeadFactory unterstützt B2B-Unternehmen dabei, auf der Basis intelligenter Datennutzung neue Kunden zu gewinnen. Gegründet 2013, hat B2B LeadFactory inzwischen eine der größten branchenübergreifenden Entscheiderdatenbanken mit mehr als 1,8 Millionen Ansprechpartnern in einer Million Unternehmen aufgebaut. B2B LeadFactory darf sich über die Aufnahme ins TechBoost-Programm der Deutschen Telekom freuen.

Top 10 – Verteilung von Startups in Deutschland nach Bundesländern

     

    • NRW 19,1 %
    • Berlin 17 %
    • BaWü 12,4 %
    • Bayern 12,1 %
    • Niedersachsen 12,1 %
    • Hamburg 6,4 %
    • Hessen 5,4 %
    • Sachsen 5,1 %
    • Rheinland-Pfalz 2,7 %
    • Schleswig-Holstein 1,9 %

     

    Quelle: Deutscher Startup Monitor 2016, KPMG

    „Startups brauchen vor allem Kontakte, digitale Startups außerdem Rechenkapazitäten“, sagt Miriam Mertens, Expertin Startup-Kooperation der Deutschen Telekom. „Der Standort und die Nähe zu etablierten Unternehmen können deshalb entscheidend sein. Mit unserem TechBoost-Programm bieten wir den Startups Zugang zu einem umfassenden Vertriebs- und Marketing-Netz im deutschen Mittelstand und unserem Public-Cloud-Angebot.“

    „Berlin ist eine schöne Stadt, aber wir finden auch in Hamburg gute Bedingungen für Startups vor“, sagt LeadFactory-Geschäftsführer Michael Breyer.

     

     

     

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