Gründungen in Deutschland: Braucht es eine Frauenquote?

Laut aktuellem Startup-Monitor von Deutsche Startups werden nur 13,9 Prozent der Startups hierzulande von Frauen gegründet. Der Digitalverband Bitkom bemängelt, dass aktuell nur jeder vierte Startup-Beschäftigte eine Frau ist.

Frau Mertens, wie erklären Sie sich den geringen Frauenanteil in den deutschen Startups?
Dafür gibt es nicht den einen Grund, sondern das hat mehrere Ursachen. Startups sind stark getrieben durch Branchen wie Hightech, Software-Entwicklung und Naturwissenschaften.

Frauen sind in diesen sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) aktuell noch schwächer repräsentiert. Es fehlen vor allem Vorbilder von erfolgreichen Gründerinnen. Sicherlich spielen später auch die Familienplanung und Teilzeitmodelle eine Rolle, sodass Frauen das Thema gar nicht auf ihrem Radar haben beziehungsweise es sich gar nicht zutrauen. Das führt zu der sogenannten selbsterfüllenden Prophezeiung, dass es Frauen tatsächlich auch eher nicht zugetraut wird, dass sie erfolgreich gründen. Weil es weniger Förderung für Frauen gibt, gibt es auch weniger Gründerinnen – das ist ein richtiger Teufelskreis.

Wie lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen? Was muss Ihrer Meinung nach in Deutschland getan werden, um mehr Startup-Gründerinnen zu ermutigen?
Wir müssen anfangen, die Gender-Stereotypen, also die Darstellung der Frauen in den Medien und in der Politik zu verändern, und Vorbilder schaffen, an denen sich Frauen orientieren können. Ich plädiere für eine gezielte Förderung von Frauen in den MINT-Fächern, die bereits in der Schule anfängt und im Studium weitergeht. Das wird schon in der Wahrnehmung der Frauen etwas ändern und dazu führen, dass Frauen eine Gründung eher als einen Weg für sich sehen. Meine Beobachtung bei den jungen Gründerinnen ist, dass sie schon deutlich selbstbewusster sind. Da findet gerade ein Generationswechsel statt.

Der Fall eines Google-Mitarbeiters, der die biologische Unfähigkeit von Frauen bei Programmierarbeiten anprangerte, schlug hohe Wellen und provoziert eine Debatte über die Eignung von Frauen in der Computerbranche. Wie ist Ihre Haltung dazu?
Ich finde es richtig und wichtig, dass Google die Vielfalt ausdrücklich fördert, denn auch in den USA beträgt der Anteil der Mitarbeiterinnen in Startups gerade einmal 30 Prozent und liegt damit weit unter dem Durchschnitt aller Branchen. Trotzdem ist die Sichtweise dieses mittlerweile gefeuerten Mitarbeiters eine sehr interessante „Fallstudie“ und sicher noch die Sichtweise einer großen Mehrheit auch in Deutschland. Die Wahrnehmung von Frauen gerade in der Tech-Branche ist eher negativ, es herrscht eine extrem männlich geprägte Denke vor, was sehr schädlich für die Innovationskraft der Tech-Branche ist.

Wie lautet Ihr persönlicher Rat für Frauen, die gründen wollen?
Sich nicht beirren lassen und vor allem das machen, was man gerne macht. Ich finde es Quatsch, den Frauen zu sagen, sie sollten sich wie Männer verhalten und in Bereiche hineingehen, nur weil diese das nächste große Ding zu werden versprechen. Es gibt ja oft interessante Kombinationen, in denen sich die eigenen Talente mit den neuesten Technologien verbinden lassen wie etwa Medizin und Robotik. Natürlich sollten sie das wirtschaftliche Potenzial im Auge behalten und vor allem: ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen!

Weiterführende Links zum Thema

Köpfe: Miriam Mertens

Miriam Mertens: "Deutschland braucht mehr Gründerinnen."

Startup-Monitor September 2017: Frauen bringen den Erfolg