Mitarbeiter zu Mitunternehmern machen

Die meisten Startups haben viele gute Ideen. Was sie weniger haben ist Geld. Deshalb können sie nur vergleichsweise geringes Gehalt zahlen. Und das macht sie auf dem Personalmarkt nicht besonders attraktiv. Es gibt allerdings Möglichkeiten, ihre Anziehungskraft zu verstärken. Dazu zählt neben geldwerten Vorteilen die Mitarbeiterbeteiligung, auch Employee Stock Ownership Plan (ESOP) genannt. Damit werden einzelne Beschäftigte oder die komplette Belegschaft in der einen oder anderen Form zum Mitunternehmer gemacht.

Und der Mittelstand?

Nicht nur für Startups ist die Mitarbeiterbeteiligung interessant. Auch Mittelständler können damit Fachkräfte gewinnen und an sich binden. Deshalb sind die hier vorgestellten Modelle – je nach Bedarf – auch für Mittelständler eine Überlegung wert.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Mitarbeiter gehen motivierter ans Werk und verstehen geschäftliche Prozesse sowie daraus resultierende unternehmerische Entscheidungen besser. Die Gründer können am Gehalt sparen und werden für weitere Führungs- und Fachkräfte interessanter.

Es gibt verschiedene Formen der Mitarbeiterbeteiligung. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Dabei spielt auch die Geschäftsform eine wichtige Rolle. Im Folgenden eine Auswahl.

1. Echte Anteile

Bei dieser Variante übertragen die Gründer einer GmbH Geschäftsanteile an ihre Beschäftigten. Die erhalten damit Anrecht auf eine Gewinnbeteiligung, auch im Exit-Fall. Was auf den ersten Blick nach einer einfachen und sinnvollen Lösung klingt, erweist sich der Praxis zumindest für Startups als problematisch. So erhalten die Angestellten mit dieser Mitarbeiterbeteiligung Stimm- und Informationsrechte. Das schränkt unter Umständen den Handlungsspielraum der Gründer ein, was besonders in der Frühphase des Startups nachteilig sein kann. So dürfen die Beteiligten über ihre Kontrollfunktion bei geschäftlichen Entscheidungen, etwa in Finanzierungsfragen, ein Wörtchen mitreden. Außerdem stellt das Verfahren erhebliche bürokratische Anforderungen. Ähnlich sieht es bei Treuhandbeteiligungen aus.

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2. Belegschaftsaktien

Mit Belegschaftsaktien werden Mitarbeiter einer AG am finanziellen Erfolg beteiligt, beispielsweise durch eine Dividende. Diese Form der Mitarbeiterbeteiligung bietet sich für schnell wachsende, kapitalhungrige Unternehmen an. Im Gegenzug erhalten die internen Aktionäre Auskunfts- und Stimmrechte, sofern diese nicht eingeschränkt werden. Ein weiterer Nachteil ist der recht hohe organisatorische Aufwand, der beim Verwalten von Belegschaftsaktien entsteht.

Mitarbeiterbeteiligung: 5 Modelle für Startups Mehr Wir-Gefühl: Die finanzielle Beteiligung fördert die Zusammenarbeit. (© 2018 Shutterstock / Roman Samborskyi)

3. Genussrechte

Unabhängig von der Gesellschaftsform eignen sich Genussrechte für kleinere und mittlere Unternehmen, die auf dem Kapital- und Kreditmarkt keine günstigen Konditionen bekommen. Stattdessen kommt das Geld von den Mitarbeitern, die dafür an der Börse handelbare Genussscheine sowie eine jährliche Ausschüttung aus dem Bilanzgewinn erhalten. Auch mit dieser Mitarbeiterbeteiligung ist also eine Gewinnbeteiligung verknüpft, allerdings ohne Stimm- oder Informationsrechte. Nachteil: Die Realisierung lohnt sich nur in einem engen finanziellen Rahmen. Empfehlenswert ist ein Betrag von 100.000 Euro. Kommt mehr zusammen, muss zwecks Genehmigung ein kostenintensiver Prospekt bei der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) eingereicht werden.

4. Mitarbeiterguthaben

Für ein Mitarbeiterguthaben legen die Startup-Gründer interne Mitarbeiterkonten an und zahlen darauf eine Erfolgsbeteiligung ein. Die Beiträge werden entweder nach einem festen oder variablen Schlüssel verzinst. Solange sie auf dem Konto liegen, fallen dafür keine Steuern oder Sozialabgaben an. Aus dieser Mitarbeiterbeteiligung ergeben sich keine Mitspracherechte. Die Umsetzung ist vergleichsweise unkompliziert und kostengünstig.

5. Virtuelle Anteile

TechBoost der Telekom

Über TechBoost hilft die Telekom Startups unter anderem mit einem Jahresguthaben von 100.000 Euro für die Open Telekom Cloud. Dazu unterstützt sie beim Aufbau von Vertrieb und Marketing sowie der Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen.

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Virtuelle Beteiligungen, auch als Virtual Stock Options bezeichnet, dienen nur einem Zweck: Sie verschaffen den Begünstigten einen finanziellen Anteil beim Verkauf des Startups. Je nach Erlös und prozentualer Beteiligung kann das sehr lukrativ und deshalb attraktiv sein. Die Mitarbeiter partizipieren nicht direkt am Verkaufsgewinn, sondern erhalten stattdessen damit korrelierende Bucheinheiten. Steuerpflichtig werden diese erst, wenn die Mitarbeiter sie verkaufen. Das Modell ist eher einfach und kostengünstig zu handhaben. Kommt es nicht zum Verkauf des Startups, gibt es auch keine Ausgabe der Bucheinheiten.

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Checkliste Mitarbeiterbeteiligung

Die Wahl des richtigen Modells will gut überlegt sein. Dabei sind folgende Aspekte abzuwägen.

  • Anzahl und Art der Begünstigten: Sollen davon nur Führungskräfte, ausgewählte Mitarbeiter oder die gesamte Belegschaft profitieren?
  • Höhe der Beteiligung: Wie groß wird der finanzielle Rahmen?
  • Art der Verzinsung: Fester oder variabler Zinssatz?
  • Rechte der Mitarbeiter: Dürfen sie kontrollieren und mitentscheiden?