Nebenberuflich selbstständig: Auf Nummer sicher

Wer aus einer hauptberuflichen Tätigkeit heraus ein Unternehmen gründet, minimiert das Risiko: Stellt sich die eigene Idee als wenig markttauglich heraus, hat man schließlich immer noch seinen Hauptjob.

So sehen es offenbar viele Menschen, die sich nebenberuflich selbstständig machen wollen. Die Mehrheit der Existenzgründer gründet inzwischen gewissermaßen „nebenbei“. Von der Risikominimierung abgesehen, bietet diese Art der Existenzgründung weitere Vorteile. Allerdings ist der administrative Aufwand nur unwesentlich geringer als bei einer Gründung im Vollerwerb.

Arbeitsvertrag studieren

Als Erstes gilt es, den Arbeitsvertrag gründlich durchzulesen. Ist man nebenberuflich selbstständig, entfällt unter folgenden Voraussetzungen die generelle Anzeigepflicht:

  • Dem derzeitigen Arbeitgeber entsteht keine Konkurrenz.
  • Die vertraglich vereinbarte Arbeitsleistung wird weiterhin voll erbracht.
  • Für die nebenberufliche Tätigkeit werden keine betrieblichen Mittel verwendet.

Ist im Arbeitsvertrag allerdings die Anzeige einer nebenberuflichen Tätigkeit oder sogar die Genehmigung einer solchen vorgeschrieben, ist es ratsam, umgehend mit dem Vorgesetzten zu sprechen. Im Übrigen dürfte klar sein, dass der Urlaub nicht für nebenberufliche Tätigkeiten genutzt werden darf. Schließlich dienen die freien Tage der Erholung.

Bevor es losgeht

Wer nebenberuflich selbstständig sein möchte, sollte genauso viel Zeit in einen detaillierten Businessplan investieren wie ein hauptberuflicher Existenzgründer. Es lohnt sich, dazu und zu anderen Fragen der Gründung eine Rechtsberatung und Weiterbildungsangebote in Anspruch zu nehmen, etwa bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) vor Ort. Die nebenberufliche Selbstständigkeit bedarf einer gründlichen und rechtzeitigen Vorbereitung.

Gewerbe oder Freiberuf

Ist die vertragsrechtliche Situation geregelt, stellt sich die Frage, ob die angestrebte Tätigkeit gewerblich oder freiberuflich ist. Zu den freien Berufen in Deutschland zählen unter anderem Arzt, Rechtsanwalt, Architekt, Journalist oder Fotograf. Gehört das Wunschfeld nicht zu den freien Berufen, handelt es sich um ein Gewerbe. Beispiele: handwerkliche Tätigkeiten oder der Verkauf von Waren.

Freiberufler müssen sich selbst beim Finanzamt melden und einen Bogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen. Das Finanzamt erteilt eine Steuernummer und gegebenenfalls eine Umsatzsteuer-ID – falls man umsatzsteuerpflichtig ist. Fällt die Wunschtätigkeit in den gewerblichen Bereich, so gilt es, sich gebührenpflichtig beim Ordnungsamt anzumelden. In diesem Fall wird das Finanzamt von sich aus auf den frischen Gründer zugehen.

Viele Tätigkeiten, freiberuflich und gewerblich, führen zu einer Pflichtmitgliedschaft in der entsprechenden beruflichen Kammer. Für alle deutschen Unternehmen mit Ausnahme von freien Berufen, Handwerkern und landwirtschaftlichen Betrieben ist eine Mitgliedschaft in der IHK Pflicht. Erstgründer können sich allerdings zwei beziehungsweise vier Jahre von den Pflichtbeiträgen befreien lassen.

Ein guter Businessplan ist ein Muss für nebenberufliche Gründer. (© 2017 Shutterstock / Have a nice day Photo)

Name und Rechtsform

Nebenberuflich selbstständig zu arbeiten, heißt auch, sich Gedanken über die Rechtsform des neuen Unternehmens und einen passenden Namen zu machen. Die meisten Existenzgründer werden als Einzelunternehmer tätig sein wollen. Falls nicht alleine, sondern zusammen mit anderen gegründet wird, kommt eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) infrage. Möglich sind selbstverständlich auch andere Formen, etwa die Gesellschaft mit begrenzter Haftung (GmbH), die aber meist wegen des erhöhten Aufwands nur in bestimmten Sonderfällen interessant ist.

Bei einem Einzelunternehmer muss der Name des Unternehmens mit dem Namen des Gründers verknüpft sein, also beispielsweise „IT-Consulting Klaus Kluge“. Auf Rechnungen und Geschäftsbriefen sollte der volle Name stehen.

Steuern und Sozialversicherung

Zuerst die gute Nachricht: Nebenberuflich selbstständig zu sein, bedeutet auch, von der Sozialversicherungspflicht befreit zu sein. Bedingung: Der Hauptberuf bildet tatsächlich auch den Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit. Werden mehr als 18 Stunden für den Nebenberuf aufgewendet oder ein Mitarbeiter beschäftigt, gehen die Ämter davon aus, dass der Gründer nicht mehr nebenberuflich selbstständig ist, sondern hauptberuflich. In der Konsequenz fallen dann zusätzliche Beiträge zur Sozialversicherung an.

Während selbstständige Arbeit neben dem Job nicht zu höheren Sozialversicherungsbeiträgen führt, fallen sehr wohl Steuern an. Für den Staat ist es nämlich unerheblich, ob nebenberuflich gegründet wird oder im Vollerwerb. Die Einkünfte aus der selbstständigen Tätigkeit kommen also zum „normalen“ Verdienst hinzu.

Als Selbstständiger zahlt man Umsatzsteuer. Allerdings kann es sich hier lohnen, von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch zu machen, die davon befreit. Das ist möglich, wenn der Umsatz im ersten Jahr 17.500 Euro nicht übersteigt und in den jeweiligen Folgejahren unter 50.000 Euro bleibt.

Für die Buchhaltung kann es sich lohnen, professionelle Software einzusetzen. Sie hilft beim Erstellen der sogenannten Einnahmenüberschussrechnung (EÜR). Bei überschaubarer Auftragslage tut es aber auch eine entsprechende Excel-Tabelle, an deren Ende der Gewinn (Umsatzerlöse abzüglich Betriebsausgaben) steht.

Für den Geldein- und -ausgang ist es sinnvoll, ein eigenes Geschäftskonto zu eröffnen. Dies ist zwar mit Kosten verbunden, allerdings sind Geschäftliches und Privates dann zumindest sauber voneinander getrennt. Zudem untersagen die meisten Banken die Nutzung des privaten Girokontos für nebenberufliche Tätigkeiten.

Checkliste: Gründen neben dem Job

  • Ohne ausgefeilten Businessplan geht es nicht.
  • Die Regelungen im Arbeitsvertrag müssen beachtet werden.
  • Gehört die angestrebte Tätigkeit zu den freien Berufen, oder muss ein Gewerbe angemeldet werden?
  • Wie soll das eigene Unternehmen heißen, und was ist die beste Rechtsform?
  • Sauber geführte Bücher und eine Einkommenssteuererklärung sind Pflicht.

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